Wirtschaft
Die neue Dividendenpolitik sei "sichtbarer Ausdruck der Zuversicht des Managements für die Zukunft der Allianz", sagt Finanzchef Wemmer.
Die neue Dividendenpolitik sei "sichtbarer Ausdruck der Zuversicht des Managements für die Zukunft der Allianz", sagt Finanzchef Wemmer.(Foto: REUTERS)

Geldsegen für Aktionäre: Allianz kündigt Gewinnausschüttung an

Überraschende Wende: Die Allianz öffnet die Schatulle. Wer Aktien von Europas größtem Versicherungskonzern hält, kann sich in den kommenden Jahren auf steigende Dividenden freuen. Der Konzern will künftig die Hälfte des Nettogewinns austeilen.

Europas größter Versicherer Allianz strotzt nach einem überraschend starken Sommerquartal vor Zuversicht. Auch nach den milliardenschweren Mittelabflüssen beim konzerneigenen Vermögensverwalter Pimco sieht der Vorstand einen operativen Gewinn von 10,5 Milliarden Euro für dieses Jahr in Reichweite, wie der Dax-Konzern am späten Donnerstagabend nach Börsenschluss in Europa und den USA mitteilte.

Der bekräftige Ausblick kommt überraschend. Der Versicherer scheint damit auf die Berichte über die Bewegungen bei Pimco und die wachsende Verunsicherung unter Anlegern zu reagieren. Offenbar als zusätzliche vertrauensbildende Maßnahme kündigte der Konzern eine spektakuläre Kursänderung in der Dividendenpolitik an.

Die Hälfte geht an den Markt

Ihren Aktionären will die Allianz statt 40 Prozent künftig die Hälfte des Überschusses als Dividende überlassen. Diese soll von Jahr zu Jahr mindestens stabil bleiben. Starke Zahlen aus dem laufenden Betrieb verschaffen der Konzernleitung offenbar den dazu notwendigen Spielraum: Im dritten Quartal glich ein Gewinnzuwachs im Versicherungsgeschäft den Rückgang in der Vermögensverwaltung mehr als aus.

Der operative Gewinn kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5 Prozent auf 2,65 Milliarden Euro. Die Allianz übertraf damit die Prognosen von Analysten, die im Schnitt von 2,58 Milliarden ausgegangen waren. Der Umsatz stieg um 14,5 Prozent auf 28,8 Milliarden Euro. Sinkende Dividenden soll es künftig nicht mehr geben, wie das Unternehmen mitteilte. Bisher hatte der Versicherer in der Regel 40 Prozent des Gewinns ausgeschüttet, 2013 waren das 5,30 Euro je Aktie.

Außerdem sollen für Zukäufe reservierte Gelder, für die der Konzern keine Verwendung findet, alle drei Jahre ebenfalls an die Aktionäre ausgekehrt werden. Die Allianz geht damit offenbar auch auf ständige Forderungen von Fondsmanagern und Analysten ein, eine großzügigere Dividendenpolitik zu betreiben.

Knapp sieben Euro pro Aktie?

Selbst wenn der Nettogewinn bei 6,3 Milliarden Euro stagnieren würde, ergäbe sich aus der neuen Marschroute für 2014 eine Dividende von mindestens 6,60 Euro. Das ist deutlich mehr als von Analysten erwartet. Nach neun Monaten lag der Gewinn mit 5,0 Milliarden Euro um 260 Millionen über dem Vorjahreswert. Für das operative Ergebnis, an dem die Allianz ihren Erfolg misst, geht Finanzvorstand Dieter Wemmer weiter davon aus, dass 10,5 Milliarden Euro in diesem Jahr in Reichweite sind.

Das wären 400 Millionen mehr als 2013. "Unser unveränderter Ausblick sowie die neu eingeführte, mehrjährige Dividendenpolitik sind sichtbarer Ausdruck der Zuversicht des Managements für die Zukunft der Allianz", betonte Wemmer.

Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren viel Kapital angehäuft, weil es im Zuge der neuen Kapitalvorschriften der EU für die Branche ("Solvency II") strengere Auflagen fürchtete. Nun hat es weitgehend Klarheit, wie die neuen Regeln aussehen. Ende September lag die sogenannte Solvabilitätsquote der Allianz mit 184 Prozent deutlich über den Anforderungen, der Konzern saß auf 58,2 Milliarden Euro Eigenkapital. Allein seit Jahresbeginn ist die Kapitaldecke um 8 Milliarden Euro gewachsen.

Wenn die Fonds-Legende geht

Im dritten Quartal machten kräftige Zuwächse im Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft die Einbußen im Fondsgeschäft um den gebeutelten Vermögensverwalter Pimco mehr als wett.  In der Lebens- und Krankenversicherungen schnellten die Beitragseinnahmen im Quartal um 25 Prozent nach oben. Vor allem in Italien und den USA gab es kräftige Zuwächse.

Pimco, der weltgrößte Anbieter von Anleihefonds, war Ende September vom Abgang seines Gründers und Anlage-Gurus Bill Gross erschüttert worden. Im dritten Quartal zogen die Kunden gut 49 Milliarden Euro aus Pimco-Fonds ab, Anfang Oktober gingen die Abflüsse weiter. Die Allianz hofft aber, dass der Abwärtstrend nun gestoppt ist. "Die Nettomittelabflüsse nach dem Weggang von Bill Gross lagen im Rahmen unserer Erwartungen", sagte Wemmer. "Pimco liefert weiterhin sehr gute Ergebnisse."

Quelle: n-tv.de

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