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Der Bedarf an Investitionen in die Infrastruktur, zum Beispiel für kaputte Straßen, ist groß.
Der Bedarf an Investitionen in die Infrastruktur, zum Beispiel für kaputte Straßen, ist groß.(Foto: picture alliance / dpa)

Suche nach neuen Geldanlagen: Allianz will in Straßenbau investieren

Kaputte Straßen, bröckelnde Brücken, langsame Leitungen: Der Internationale Währungsfonds drängt die Bundesrepublik zu Investitionen in die Infrastruktur. Die aber kann den Bedarf nicht decken. Die Privatwirtschaft will nun einspringen.

Der weltweite Ruf nach mehr Investitionen in die Verkehrs-, Energie- und Datennetze trifft in Deutschland bei Banken und Versicherungen auf offene Ohren. "Wir würden gerne mehr machen, schließlich passen solche langfristigen Investments ideal zu uns", sagte der für Kapitalanlagen zuständige Vorstand der Allianz, Maximilian Zimmerer. Hypovereinsbank-Chef Theodor Weimer regt die Gründung einer bundeseigenen Infrastruktur AG an, um in Deutschland mehr privates Geld für den Ausbau von Straßen und Breitband-Netz zu mobilisieren.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat indes vorrangig öffentliche Gelder im Blick, wenn er Länder wie Deutschland dazu drängt, die niedrigen Zinsen zu einer Investitionsoffensive zu nutzen. Das könne auch auf Pump geschehen, argumentiert der Fonds. Denn die kurz- und mittelfristigen Wachstumsimpulse solcher Staatsausgaben verhinderten, dass die Schuldenquote unter dem Strich nach oben gehe.

Negative Folgen für die Märkte

"Öffentliche Investitionen in die Infrastruktur könnten sich am Ende selbst finanzieren, wenn sie richtig angegangen werden", erklärte der Fonds. Ländern mit einer hohen Verschuldung raten die Experten allerdings von neuen Krediten für Infrastrukturausgaben ab - denn noch mehr Schulden könnten in ihrem Fall an den Märkten schlecht ankommen.

Der Fonds rechnet vor, dass die Erhöhung der Investitionen um ein Prozent der Wirtschaftsleistung das Wachstum eines Landes im gleichen Jahr um etwa 0,4 Prozent steigern könne. Vier Jahre danach könnte der Effekt sogar 1,4 Prozent erreichen. Besonders Deutschland drängt der IWF schon länger zur Erhöhung der öffentlichen Investitionen. Ohne Vereinbarungen oder Regeln zu verletzten, könnte die Bundesrepublik jährlich rund 14 Milliarden Euro mehr für Investitionen ausgeben.

Für die Bundesregierung sind mehr Investitionen in die Infrastruktur ein wichtiges Anliegen. Das dürfe aber nicht ihre finanzpolitischen Ziele gefährden. "Deshalb können alternativ auch private Infrastrukturinvestitionen die Ausstattung verbessern", hieß es im Bundesfinanzministerium. Momentan arbeiten verschiedene Ressorts an Modellen, um mehr privates Kapital für Infrastruktur-Investitionen zu mobilisieren.

Der Allianz-Konzern ist als einer der großen Investoren am Markt bereit, mehr Kapital in den Bau neuer Straßen, die Reparatur maroder Brücken oder auch Windparks zu stecken, wie Vorstandsmitglied Zimmerer sagte. "Es gibt in Deutschland einfach zu wenige privat finanzierte Infrastruktur-Projekte. Wir schauen uns zehn Projekte im Jahr an und setzen nur eines davon um", beklagte er die aktuelle Lage.

"An Investoren fehlt es nicht"

Die Versicherer suchen angesichts niedriger Zinsen auf fest verzinsliche Kapitalanlagen derzeit händeringend nach Wegen, das Geld ihrer Kunden langfristig sicher und rentabel anzulegen. Oft schnappen ihnen aber Pensionsfonds und Infrastruktur-Fonds Großprojekte wie die deutschen Stromtrassen weg. "An Investoren fehlt es nicht", sagte Zimmerer. Wenn die Allianz nur drei Prozent ihrer Kapitalanlagen in Infrastruktur umschichte, käme ein zweistelliger Milliardenbetrag zusammen.

HVB-Chef Weimer denkt schon an Wege, um mehr privates Kapital für diesen Bereich aufzubringen. Eine bundeseigene Infrastruktur-Gesellschaft könne Verantwortung für die Planung, den Betrieb und das Eintreiben von Nutzungsentgelte bei solchen Projekten übernehmen, sagte er vor der Frankfurter Journalistenvereinigung ICFW. Auch Weimer hält es für relativ leicht, an Mittel von Versicherungen und Pensionskassen zu kommen. "Private Finanzmittel sind im Überfluss vorhanden."

Bislang habe es an geeigneten Projektausschreibungen gefehlt. Der Investitionsbedarf für den Erhalt und Ausbau der deutschen Infrastruktur schätzt Weimer in den kommenden zehn Jahren auf mindestens 120 Milliarden Euro. Für den Hypovereinsbank-Chef steht fest: "Der Staat alleine kann es nicht richten und soll es nicht richten."

Quelle: n-tv.de

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