Wirtschaft
Hochspannung im Bieterkampf um Alstom: Die französische Regierung fordert von GE Nachbesserungen. Siemens denkt noch über ein Angebot nach.
Hochspannung im Bieterkampf um Alstom: Die französische Regierung fordert von GE Nachbesserungen. Siemens denkt noch über ein Angebot nach.(Foto: REUTERS)

Die Braut zeigt sich ungeschminkt: Alstom "empfiehlt" sich mit Gewinneinbruch

Unterm Strich deutlich weniger Gewinn, weniger Aufträge, die Dividende gestrichen: Im Bietergefecht um Alstom lässt die Braut tief blicken. Siemens und GE werden da genau hinschauen. Kann Siemens sich zu einem "Ja" durchringen? Und wie reagiert GE?

Mitten im Streit über die Zukunft seiner Energiesparte streicht der angeschlagene französische Industriekonzern Alstom den Aktionären die Dividende. Der Nettogewinn ist unterm Strich um mehr als ein Viertel auf 556 Millionen Euro zurückgegangen. Der Auftragseingang schrumpfte um zehn Prozent. Zugleich musste der Konzern einen Abfluss von Barmitteln im Volumen von 171 Millionen Euro verkraften. Wegen der schwierigen Wirtschaftslage seien viele Großprojekte vor allem im Energie-Sektor verschoben worden, hieß es von Alstom.

Andere Kennzahlen lagen jedoch auch über den Erwartungen der Analysten: So blieb der Umsatz mit 20,3 Milliarden Euro stabil. Der Betriebsgewinn sank lediglich um drei Prozent auf 1,42 Milliarden Euro. Mit Spannung wurde ein neuer Zwischenstand zu den Fusionsverhandlungen mit General Electric (GE) und Siemens erwartet. Den blieb das Management bei der Vorlage der Zahlen allerdings schuldig.

Jetzt "mit dem Rücken zur Wand"?

An der Börse perlten die schlechten Zahlen ab. Ein Händler gab allerdings zu bedenken, dass nur das im Raum hängende Gebot von General Electric stütze. Die Zahlen seien "wirklich schlecht". Angemessen wäre angesichts der Faktenlage ein Kursminus von 6 bis 8 Prozent. Ein anderer Händler warnte, dass die Zahlen das GE-Angebot noch negativ beeinflussen könnten. "Sie zeigen, wie sehr Alstom mit dem Rücken zur Wand steht und von GE abhängt." Der US-Konzern habe durch die schlechten Alstom-Zahlen mehr Verhandlungsmacht.

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Die Franzosen prüfen derzeit das mehr als zwölf Milliarden Euro schwere GE- Gebot für ihre Energie-Sparte. An der Tochter, die etwa Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke sowie Windanlagen baut, ist auch Siemens interessiert. Der deutsche Wettbewerber will im Falle einer Übernahme die Bahnsparten der beiden Unternehmen zusammenlegen, so dass ICE- und TGV-Züge aus einer Hand kämen. Alstom favorisiert, das Energiegeschäft an GE zu verkaufen, die französische Regierung hält das Angebot der Amerikaner aber für nicht ausreichend.

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Alstom kämpft schon länger mit einer dürftigen Finanzlage. Ende 2013 war die Finanznot schließlich so groß, dass ein Verkauf von Unternehmensbestandteilen die einzige Möglichkeit erschien, um frisches Kapital zu beschaffen. Alstom wollte zunächst sein Eisenbahngeschäft an die Börse bringen, das ein Drittel des Konzernumsatzes einbringt, entschied sich aber Anfang dieses Jahres dagegen.

Alstom war bereits vor zehn Jahren vom französischen Staat vor dem Zusammenbruch gerettet worden. Seitdem kämpft der Konzern vergeblich gegen hohe Schulden, Konkurrenzdruck und eine schwächelnde Nachfrage in der Energiebranche.

"Fairer Zugang zu den Büchern"

Ein Kauf der Energiesparte durch GE wäre die größte Übernahme einer französischen Firma durch ein US-Unternehmen. Dem sozialistischen Präsidenten Francois Hollande ist der Verkauf ein Dorn im AUge. Ihm geht es vor allem darum, angesichts einer Arbeitslosenquote von etwa zehn Prozent Fabriken und Arbeitsplätze in Frankreich zu erhalten.

Siemens-Chef Kaeser verpasst Siemens eine neue Struktur. Ist da für Alstom noch Platz?
Siemens-Chef Kaeser verpasst Siemens eine neue Struktur. Ist da für Alstom noch Platz?(Foto: picture alliance / dpa)

Die Alstom-Führung hat sich zwar für das GE-Angebot ausgesprochen, Siemens aber die Tür offen gelassen. Es liege an den Münchnern, ein verbindliches Angebot vorzulegen, sagte Konzernchef Patrick Kron. Man werde einen fairen Zugang zu den Büchern gewähren.

Kaeser berät mit Merkel

Siemens will sich mit der Prüfung jedoch Zeit lassen. Der Konzern hat die Gelegenheit, sich das Geschäft von Alstom vier Wochen lang anzuschauen, "und wenn wir das getan haben, werden wir ganz besonnen und überlegt uns ins Benehmen setzen und ein Angebot abgeben", sagte Kaeser im Gespräch mit n-tv.

Die Münchener hatten bereits vor zehn Jahren Interesse an Alstom, aber Kron und der damalige Finanzminister Nicolas Sarkozy lehnten eine Hochzeit ab. Kaeser hat sich im Zuge des Übernahmepokers mit Kanzlerin Angela Merkel abgestimmt. "Wir sprechen regelmäßig miteinander und sie wollte wissen, um was es geht", sagte der Manager auf "Bloomberg TV".

"Wir haben die Chancen und Risiken diskutiert." Er sei im Ringen mit GE um die Franzosen auch seinen Aktionären verantwortlich, betonte Kaeser. Siemens hatte auf Bitten der französischen Regierung ein Angebot für die Alstom-Energietechnik angekündigt, um die Amerikaner fernzuhalten.

Quelle: n-tv.de

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