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Genervt von Streiks?: Amazon plant Liefer-Umweg über Polen

In diesem Jahr sollen wohl keine Streiks Amazon das Weihnachtsgeschäft vermiesen: Der Online-Händler fordert Verlage dazu auf, ihre Medien auch im Ausland einzulagern - um von da aus nach Deutschland zu liefern. Doch das Vorhaben stößt auf Kritik.

Der Online-Versandhändler Amazon fordert einem Medienbericht zufolge von deutschen Verlagen, Lieferungen an inländische Kunden künftig auch über ausländische Logistikzentren abzuwickeln. Ab September sollten die Verlage 40 Prozent ihrer Bücher, Hörbücher und anderer Medien über Logistikstandorte in Polen und Tschechien an inländische Kunden liefern lassen, berichtete die "Welt" und zitierte aus einem Amazon-Schreiben an die Verlagshäuser. Diese seien darin auf die bevorstehende Eröffnung von zunächst zwei neuen Vertriebszentren in Polen hingewiesen worden. Die Kosten für die längeren Transportwege sollen die Verlage tragen.

Amazon will offenbar verhindern, dass die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wie im Vorjahr mit Streiks das Weihnachtsgeschäft stört, heißt es in dem Bericht. Damals seien schon Warenströme für deutsche Kunden über Zentren im Ausland umgeleitet worden, unter anderem über Frankreich. Diesmal wolle Amazon offenbar gleich im vorhinein Warenmengen im Ausland einlagern.

"Wir schauen uns das genau an, sind aber relativ gelassen", zitierte die "Welt" eine Verdi-Sprecherin. "Amazons Lieferversprechen setzen der Verlagerungsstrategie Grenzen."

Kosten und Wege würden vervielfacht

Bei den deutschen Verlagen stößt der Vorstoß von Amazon auf heftige Kritik. "Amazons Plan bedeutet eine Vervielfachung der Wege und der damit verbundenen Kosten für die Verlage", sagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, Alexander Skipis, der "Welt". "Wir sind nicht bereit, die zusätzlichen Kosten zu übernehmen", hieß es dem Bericht zufolge auch bei einem der größten deutschen Buchproduzenten, der namentlich nicht genannt wurde. Dies sei "die Linie, die sich generell durch die Verlage zieht".

Auch die Umweltbelastung dieser Auslieferungsstrategie sollte zu denken geben. Transportwege, die um ein vielfaches länger sind als bei bisheriger Auslieferung, belasten die Umwelt zusätzlich stark.

Amazon betonte laut "Welt", es gebe keine Pläne, eines der bestehenden 25 Zentren in Europa zu schließen. Die neuen Zentren sollten das Wachstum in Europa unterstützen. "Aus diesem Grund wurden vorab Lieferanten über die neuen Anlieferadressen informiert", sagte ein Sprecher.

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Quelle: n-tv.de

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