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Millionenverlust trotz Umsatzsteigerung: Amazon rutscht in die Miesen

Vor zwei Jahren wirkte der Einstieg bei einem Rabattcoupon-Portal noch als glückliche Investition in die Zukunft. Jetzt verhagelt ein solcher Deal dem Online-Händler Amazon die Quartalsbilanz: Der Anteil am Groupon-Rivalen LivingSocial wird fast komplett abgeschrieben.

Im dritten Quartal rot statt blau: Amazon-Chef Bezos.
Im dritten Quartal rot statt blau: Amazon-Chef Bezos.(Foto: REUTERS)

Der weltgrößte Online-Einzelhändler Amazon ist im vergangenen Quartal tief in die roten Zahlen gerutscht. Die Wirtschaftsflaute in Europa, Abschreibungen und hohe Investitionen drückten den US-Konzern erstmals seit mehr als fünf Jahren netto ins Minus.

Unter dem Strich verbuchte Amazon im abgelaufenen Vierteljahr einen Fehlbetrag von 274 Mio. Dollar oder 60 Cent je Aktie. Versöhnlich für Aktionäre: Der Umsatz kletterte im gleichen Zeitraum um 27 Prozent auf fast 13,8 Mrd. Dollar. Im dritten Quartal des vergangenen Jahres hatte Amazon allerdings dabei noch einen Gewinn von 63 Mio. Dollar eingefahren.

Fast 14 Milliarden US-Dollar Umsatz

Das Quartalsergebnis verfehlte massiv die Erwartungen der Analysten. Dabei waren die Börsianer von dem Handelskonzern sowieso keine besonders üppigen Gewinne gewohnt. Amazon-Chef Jeff Bezos setzt lieber auf schnelles Wachstum durch niedrige Preise. Um diese Strategie umzusetzen, verzichtet er gerne auf kurzfristige Rendite.

Amazon präsentierte seine Zahlen nach US-Börsenschluss. Die Aktie verlor zunächst über acht Prozent, später verkleinerte sich das Minus auf rund zwei Prozent und notierte bei etwa 220 Dollar.

Ein Grund für die große Skepsis: Das Unternehmen blickt eigenen Angaben zufolge vorsichtig auf das wichtige Weihnachtsgeschäft. Für das vierte Quartal stellte Amazon einen Umsatz unterhalb der Analysten-Schätzungen in Aussicht - das Unternehmen rechnet im Weihnachtsgeschäft im Jahresvergleich mit einem Umsatzplus von 16 bis 31 Prozent.

Bezos gibt Lesegeräte praktisch zum Produktionspreis ab und will lieber an Inhalten und Diensten verdienen.
Bezos gibt Lesegeräte praktisch zum Produktionspreis ab und will lieber an Inhalten und Diensten verdienen.

Dieses Weihnachten stehe ein harter Wettbewerb an, sagte Analyst RJ Hottovy von Morningstar. "Es ist unklar, wie das enden wird - auch für relativ clevere Händler wie Amazon." Schwergewichtige wie Target und Best Buy setzen den Branchenprimus mit Plänen unter Druck, einige der Amazon-Preise online ebenfalls anzubieten. Amazon-Finanzchef Tom Szkutak kündigte an, in Technologie, Infrastruktur und digitale Inhalte weiter kräftig zu investieren.

Hohe Investitionen in Tablet-Computer

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Die Hauptursache für das unerwartet starke Minus lag den Konzernangaben zufolge in radikalen Abschreibungen auf die Beteiligung am Rabattcoupon-Spezialisten LivingSocial. Amazon schrieb fast die gesamte Investition in LivingSocial in den Wind: 169 Mio. von den 175 Mio. Dollar, die vor knapp zwei Jahren in den kleineren Konkurrenten von Groupon investiert wurden.

Um die marktbeherrschende Stellung auszubauen, leistet sich der Online-Händler erhebliche Investitionen. Gerade erst kam auch in Europa die zweite Generation von Amazons Tablet auf den Markt, das .

Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft wurden neue Kindle- eingeführt. Und Bezos räumt selbst ein, dass Amazon seine Geräte praktisch zum Produktionspreis verkauft und das Geld später wieder mit seinen Diensten einspielen will. Schon die verhältnismäßig mageren 63 Mio. Dollar Gewinn im Vorjahresquartal waren den hohen Investitionen in die erste Version des Amazon-Tablets geschuldet.

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Quelle: n-tv.de

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