Wirtschaft
Donald Trump spricht im Weißen Haus.
Donald Trump spricht im Weißen Haus.(Foto: AP)
Dienstag, 12. September 2017

Kostspieliger Protektionismus: "America First" würde den USA schaden

Mit Strafzöllen und anderen Handelshemmnissen will Donald Trump die angebliche Ausbeutung der USA beenden. Doch der US-Bevölkerung würden seine Pläne nicht helfen, im Gegenteil. Deutsche Exporte könnten dagegen von "America First" profitieren.

Der von US-Präsident Donald Trump wiederholt angedrohte Protektionismus würde einer Studie zufolge weltweit zu Einkommensverlusten führen. Vor allem wären aber die USA selbst von einer Schwächung betroffen, ergab die von der Bertelsmann-Stiftung beauftragte Studie des Münchner Ifo-Instituts. Demnach würde die jährliche Wirtschaftsleistung der USA im ungünstigsten Fall durch Importzölle und andere Erschwernisse um 2,3 Prozent oder 415 Milliarden Dollar zurückgehen.

Der Untersuchung zufolge würde schon alleine die Wiedereinführung von Zöllen und Handelshemmnissen wie etwa technischen Auflagen und Dokumentationspflichten in der nordamerikanischen Freihandelszone Nafta, zu der die USA, Kanada und Mexiko gehören, die amerikanische Volkswirtschaft schädigen. Das reale Pro-Kopf-Jahreseinkommen würde der Untersuchung zufolge in den USA um rund 0,2 Prozent oder 125 Dollar (derzeit rund 104 Euro) sinken, in Kanada wären es sogar 1,5 Prozent oder 730 Dollar pro Kopf.

Deutschland könnte der Studie zufolge deutlich profitieren, wenn in dieser Freihandelszone Protektionismus eingeführt wird. So würden Deutschlands Exporte in die USA demnach um rund 3,2 Prozent oder 4,4 Milliarden Dollar (3,7 Milliarden Euro) steigen.

Sinkendes Pro-Kopf-Einkommen

Größere und allgemeinere wirtschaftliche Schäden hätte demnach eine breit angelegte protektionistische US-Politik, auf die auch die Handelspartner mit Protektionismus reagieren. Würden etwa die USA die Zölle und Handelshemmnisse für alle Handelspartner um 20 Prozent erhöhen und die übrigen Länder die gleichen Maßnahmen ergreifen, würde dies der Studie zufolge den Handel erheblich einschränken.

Für die USA prognostizieren die Ifo-Forscher für diesen Fall einen Rückgang des Pro-Kopf-Jahreseinkommens um 1300 Dollar, für Kanada sogar um 1800 Dollar. In Deutschland wäre den Berechnungen zufolge ein Einkommensverlust von 0,4 Prozent oder rund 160 Dollar (133 Euro) je Einwohner zu erwarten.

Trump hatte im Zuge seiner "Amerika zuerst"-Politik wiederholt Abschottungsmaßnahmen angedroht. Unter anderem brachte er mögliche Strafzölle für ausländische Unternehmen ins Spiel und kündigte kurz nach seinem Amtsantritt im Januar das fertig ausgehandelte Freihandelsabkommen TPP mit mehreren Pazifikanrainern auf. Über das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta mit Kanada und Mexiko wird derzeit neu verhandelt.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen