Wirtschaft
Neues Design: Auf dem Rumpf einer Boeing 737-800 prangt das neue Logo der American Airlines.
Neues Design: Auf dem Rumpf einer Boeing 737-800 prangt das neue Logo der American Airlines.(Foto: dpa)

Geburt eines Airline-Riesen: American heiratet US Airways

Es ist die Hochzeit des Jahres im US-Luftverkehr: Nach anhaltenden Gerüchten wagen zwei prominente Namen den Schritt an die Öffentlichkeit und machen ihre Verbindung offiziell. Analysten spotten: American Airlines schnappt sich "das hässliche Mädchen".

Zusammenschluss in wirtschaftlich schweren Zeiten: US Airways wird ihre Maschinen wohl nach und nach umlackieren.
Zusammenschluss in wirtschaftlich schweren Zeiten: US Airways wird ihre Maschinen wohl nach und nach umlackieren.(Foto: REUTERS)

Die US-Fluggesellschaften American Airlines und US Airways schließen sich zur - gemessen an den Passagierzahlen - weltgrößten Fluglinie zusammen. Die Gesellschaften gaben ihre Pläne gut drei Stunden vor dem Handelsstart an der New Yorker Börse offiziell bekannt. Gemeinsamer Name wird den Angaben zufolge American Airlines sein.

Auch hinter den Kulissen sind die Kräfteverhältnisse klar verteilt: Die Anteilseigner von American Airlines werden wie erwartet 72 Prozent an der gemeinsamen Gesellschaft halten, die der kleineren US Airways 28 Prozent. Konzernchef wird allerdings US-Airways-Lenker Doug Parker. Er gilt als Architekt der Fusion. American-Airlines-Chef Tom Horton wird Vorsitzender des Verwaltungsrats.

Alle Drehkreuze und Flugziele sollen erhalten bleiben, betonten die beiden Unternehmen. Hauptsitz der neuen Mega-Airline soll der Flughafen Dallas/Fort Worth (IATA: DFW) werden. Ab dem Jahr 2015 wollen die beiden Fluglinien zusammen jährlich 1 Mrd. Dollar durch den Zusammenschluss einsparen.

Nach dem Zusammenschluss soll die neue Airline wie zuvor bereits American Airlines Mitglied in der Fluggesellschaften-Allianz Oneworld bleiben, der auch British Airways angehört. Das bedeutet, dass US Airways das Konkurrenz-Bündnis Star Alliance verlassen muss, zu deren Mitgliedern auch die Lufthansa zählt. Die Frankfurter haben dort aber mit United weiterhin einen wichtigen US-Partner.

Eiskalter Gegenwind

Die wirtschaftlich seit Jahren schwächelnden Unternehmen wollen durch den Zusammenschluss ihre Chancen im Markt gegenüber den großen US-Rivalen wie etwa Delta Airlines oder United Continental verbessern. Analysten bewerten den Schritt, über den seit langem verhandelt wird, als positiv. An der Börse haben die Aktien von US Airways seit Frühjahr 2012 bereits 57 Prozent zugelegt. Damals hatten die einflussreichen Gewerkschaften ihre grundsätzliche Unterstützung signalisiert.

Am Vortag machten die beiden Airlines schließlich den Weg für den Zusammenschluss frei. Die Verwaltungsräte von US Airways und der insolventen American-Muttergesellschaft AMR gaben grünes Licht. Die Details sollten noch im Lauf des folgenden Tages bekanntgegeben werden, hieß es. Die zuletzt strittigen Punkte seien mittlerweile ausgeräumt.

Zusammen kommen die Airlines auf einen Umsatz von knapp 39 Mrd. Dollar. Geld soll bei der Fusion nicht fließen. Die klammen Unternehmen planen lediglich einen Aktientausch. Der Wert des neuen Konzerns beläuft sich auf 11 Mrd. Dollar. Zum Vergleich: Delta kommt an der Börse auf einen Marktwert von 12,4 Mrd. Dollar, United Continental auf 8,7 Mrd. Dollar. Lufthansa ist momentan rund 9,5 Mrd. Dollar wert.

Endlich einen Partner

Von einer Fusion auf Augenhöhe kann offensichtlich kaum die Rede sein: US Airways befand sich bereits seit Jahren vergeblich auf der Suche nach einem Partner. In Analystenkreisen bekam US Airways deswegen bereits den spöttischen Beinamen "das hässliche Mädchen".

Anfang 2007 scheiterte US Airways mit einem feindlichen Übernahmeangebot für Delta. So wurde die American-Insolvenz Ende 2011 zur Chance - und jetzt auch genutzt. Denn beide Unternehmen gelten alleine als zu klein, um im Wettbewerb bestehen zu können.

Offen ist noch, ob der Zusammenschluss ein Erfolg wird. Delta hat seit der Fusion mit Northwest seine Reichweite ausgebaut und die Geschäftszahlen verbessert. Bei United Continental dagegen sieht die Bilanz weniger gut aus. Insgesamt haben die vielen Zusammenschlüsse laut Experten die wirtschaftlichen Perspektiven der Branche aber gestärkt.

Quelle: n-tv.de

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