Wirtschaft
Immerhin keine Hängepartie: Was ist aus den USA in Obamas zweiter Amtszeit zu erwarten?
Immerhin keine Hängepartie: Was ist aus den USA in Obamas zweiter Amtszeit zu erwarten?(Foto: REUTERS)

"Von Euphorie keine Spur": Analysten zur US-Wahl

Barack Obama bleibt für weitere vier Jahre im Weißen Haus: Das klare Ergebnis löst an den Märkten Erleichterung aus. Drohende Szenarien einer Hängepartie oder eines scharfen Kurswechsels sind vom Tisch. Ökonomen und Investoren wie George Soros blicken mit Sorge in die nahe Zukunft.

An den Märkten richten sich alle Augen auf die enormen finanziellen Probleme der USA.
An den Märkten richten sich alle Augen auf die enormen finanziellen Probleme der USA.(Foto: REUTERS)

Mit überraschend deutlichem Vorsprung haben die US-Wähler Präsident Barack Obama für weitere vier Jahre im Amt bestätigt. In ihren ersten Reaktionen versuchen Ökonomen, Marktbeobachter und Investmentstrategen, die Perspektiven nach der Richtungsentscheidung auszuloten. Im Vordergrund stehen dabei Themen wie die enorme Staatsverschuldung, die drohende Haushaltsklippe und die gespaltene Lage im .

"Das knappe Resultat und der weiterhin gespaltene Kongress werden es schwer machen, vor Jahresende die notwendigen Kompromisse im Haushaltsstreit zu finden", erklärte zum Beispiel Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, den nächsten großen Stolperstein aus der Sicht der Märkte. "Sollten beide Seiten sich nicht einigen, würden unmittelbar zum Jahresbeginn 2013 automatisch die US-Staatsausgaben gekürzt und die Steuern erhöht in einem Umfang, der 5,1 Prozent der jährlichen US-Wirtschaftsleistung entspricht. Dies könnte die US Wirtschaft in eine erneute Rezession stürzen."

Helaba-Analyst Christian Schmidt lenkte die Aufmerksamkeit auf die unmittelbaren Auswirkungen der Wahl an den Börsen. "Die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Wahlausgang werden nun aus dem Markt weichen. Allerdings kann von Euphorie keine Rede sein. Denn die Republikaner haben ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus behalten. Es muss damit gerechnet werden, dass der Kongress gespalten bleibt und die Blockaden der Vergangenheit auch in Zukunft zu erwarten sein werden."

Parteipolitisch gelähmt

"Größeren Rückenwind für den dürfte das Wahlergebnis nicht mit sich bringen, da Obama bereits nach den Umfragen als Favorit galt", schätzte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz die Auswirkungen im Devisenhandel ein. "Obama wird weiterhin mit Gegenwind aus dem Kongress rechnen müssen, da die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verteidigten und in den nächsten Jahren eine politische Blockade nicht auszuschließen ist. Eine längere Hängepartie, in der ein sehr knappes Ergebnis von der unterlegenen Partei angefochten wird, ist aber zumindest vermieden worden."

Insgesamt machen die verhärteten Positionen im US-Kongress es wenig wahrscheinlich, dass die Amerikaner ihre schnell und entschlossen angreifen können. Ökonomen zufolge könnte es zu einer neuerlichen Anhebung der Schuldenobergrenze kommen und zu einem weiteren Sparprogramm.

George Soros und die Fiskalklippe

"Anleger werden ihre Aufmerksamkeit sofort auf die anstehenden Themen wie die sogenannte 'Fiskalklippe' richten", bestätigte Marktanalyst Roger Peeters von Close Brothers Seydler. "Die Wahl-Entscheidung selbst sollte keinen allzu großen Einfluss haben. Die Differenzen zwischen den beiden Kandidaten waren gering und beide standen vor denselben Problemen wie der hohen Verschuldung."

Anlage-Stratege Iaon Smith von Knight Capital sah das ähnlich: "Die Aussichten für Investoren werden von denselben Themen bestimmt wie vor der Wahl: Die eigentliche Sorge ist, wie die Politik mit der Frage der 'Fiskalklippe' umgehen wird."

Wie groß die Sorgen der Anleger vor einer parteipolitischen Haushaltsblockade sind, wird aus dem Wahl-Kommentar von Star-Investor deutlich: "Die amerikanischen Wähler haben extremistische Positionen abgelehnt. Das öffnet die Tür für eine vernünftigere Politik. Die gewählten Republikaner werden in den kommenden Jahren hoffentlich bessere Partner sein - besonders notwendig ist das für die Vermeidung des sogenannten ''."

"Sonst machen das die Chinesen"

Ein ganz anderes, möglicherweise richtungsweisendes Thema sprach der Präsident der US-amerikanischen Handelskammer in Deutschland, Fred Irwin, an: "Ich hoffe sehr, dass Obama ab Anfang kommenden Jahres mit der EU über ein Freihandelsabkommen verhandelt. In seiner ersten Amtszeit hat er nur mit Panama, Kolumbien und Südkorea ein Freihandelsabkommen vereinbart. Das sind nicht gerade die führenden Wirtschaftsmächte der Welt."

Wenn es zu einem Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU komme, würde dies nach Einschätzung Irwins das Wachstum "auf beiden Seiten des Atlantiks binnen 18 Monaten um drei Prozent ankurbeln". Er hoffe sehr, so Irwin weiter, dass sich beide Seiten auf einheitliche wirtschaftliche Standards einigen werden. "Sonst machen das ."

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen