Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Betrugsverdacht bei fluege.de: Anklage gegen Unister-Manager erhoben

Die verschiedenen Portale des Leipziger Onlineunternehmens Unister werden jährlich von Millionen Nutzern besucht. Doch seit mehr als einem Jahr ermittelt auch die Staatsanwaltschaft. Nach Durchsuchungen und Festnahmen steht nun die Anklage.

Nach mehr als einjährigen Ermittlungen hat die sächsische Generalstaatsanwaltschaft Anklage gegen fünf leitende Manager des Leipziger Internetunternehmens Unister erhoben. Ihnen werde der unerlaubte Vertrieb von Versicherungsprodukten, Steuerhinterziehung und strafbare Werbung vorgeworfen, sagte Behördensprecher Wolfgang Klein. Allerdings nannte er keine Namen. Laut "Leipziger Volkszeitung" gehört der Firmengründer zu den Beschuldigten.

Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte, die lange erwarteten Anklagen seien zugestellt worden. Zugleich wies das Unternehmen die Vorwürfe zurück. Unister habe weiterhin großes Interesse an der Rechtsfindung in allen relevanten Fragen und werde konstruktiv die Ermittlungen unterstützen.

Schnäppchen vorgegauckelt?

Unister betreibt Reiseportale - darunter "fluege.de" und "ab-in-den-urlaub.de". Hierüber soll ein Stornoschutz-Produkt angeboten worden sein, ohne Versicherungssteuern abzuführen. Die rechtliche Einordnung des Stornoschutz-Produktes als Versicherung ist zwischen Unister und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) umstritten. Der Sprecher betonte, das Unternehmen habe diesen Stornoschutz nicht als Versicherungsprodukt, sondern als Nebenleistung zur Reisevermittlung gesehen. Dafür seien Umsatzsteuern gezahlt worden.

Weiterhin geht es dem Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft zufolge um sogenannte Streichpreise. Dabei werden zum Beispiel Hotelzimmer günstiger als zum vermeintlichen Normalpreis angeboten. Nach Ansicht der Ermittler hat es die angeblichen Normalpreise aber nie gegeben. Vielmehr seien den Kunden "Schnäppchen vorgegaukelt" worden, sagte er.

Die Anklage sei vor dem Landgericht Leipzig erhoben worden, sagte Klein. Über deren Zulässigkeit entscheidet nun das Gericht. Das werde sicher noch eine Weile dauern, sagte Klein. "Das ist ja kein Allerweltsverfahren."

Weitere Ermittlungen gegen Mitarbeiter

Im Dezember 2012 waren Unister-Gründer Thomas Wagner und zwei weitere Manager nach einer Durchsuchung festgenommen worden. Sie kamen zunächst in Untersuchungshaft, wurden später aber gegen Kaution wieder freigelassen. Im November 2013 wurden die Ermittler dann erneut in den Geschäftsräumen vorstellig. Dabei ging es um den Verdacht des Computerbetrugs, der sich aber nicht gegen das Unternehmen, sondern gegen 70 Mitarbeiter richte, wie der Behördensprecher damals sagte. Innerhalb von vier Jahren sei Kunden in insgesamt rund 60.000 Fällen ein Schaden von insgesamt acht Millionen Euro entstanden.

Unister war 2002 von Thomas Wagner in Leipzig gegründet worden, der damals noch Student war. Zu dem Unternehmen gehören auch die Online-Börse "auto.de", das Nachrichtenportal "news.de" sowie "shopping.de" oder "partnersuche.de". Unister hat nach eigenen Angaben 1800 Mitarbeiter. Demnach besuchen monatlich rund 10,5 Millionen Internetnutzer die Webseiten. Pro Jahr verkauft Unister dem Sprecher zufolge mehr als eine Million Flug- und Pauschalreisen.

Quelle: n-tv.de

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