Wirtschaft
Börsengänge sind nicht unbedingt die beste Methoden, um als Anleger vom Wachstum in China zu profitieren, sagt manch Investor.
Börsengänge sind nicht unbedingt die beste Methoden, um als Anleger vom Wachstum in China zu profitieren, sagt manch Investor.(Foto: REUTERS)

Börsengang zum Vergessen: Anleger fassen JJ-Auto-Aktien kaum an

Der chinesische Autozulieferer JJ Auto hat in Frankfurt und Warschau mit einem Gang aufs Parkett einsammeln wollen. Doch das Vorhaben endet nahezu im Desaster. Investoren machen einen Bogen um die Papiere. Die Kasse bleibt beinahe leer.

Viel schlechter kann ein Börsengang (IPO) kaum laufen. Knapp 1,8 Millionen Aktien wollte JJ Auto bei seinem Börsengang in Frankfurt und Warschau anbieten - doch gerade mal 100.000 wurde der chinesische Automobilzulieferer los. Und das auch erst, nachdem die Zeichnungsfrist um eine Woche verlängert worden war und die Angebotsspanne eingegrenzt wurde.

Nach der sehr stotternden Vorbörsenphase fiel auch das Debüt an der Börse in Frankfurt alles andere als berauschend aus. Die Aktie ging mit einem ersten Kurs von 7,30 Euro. Im Vergleich zum Ausgabekurs immerhin ein Plus von 1,8 Prozent.

IPO mit Macht durchgedrückt

Beim Ausgabepreis hatten die Chinesen deutliche Abstriche machen müssen. Hieß es bei der Ankündigung des IPO am 12. Mai noch, die Preisspanne werde wohl zwischen 6,75 und 9,00 Euro je Aktie liegen, wurde die Obergrenze letztlich auf 7,50 Euro deutlich gesenkt. Ausgegeben wurden die Papiere am Ende mit 7,17 Euro beziehungsweise 29,99 Polnischen Zloty. JJ Auto sprach von der "oberen Hälfte der jeweiligen Bookbuilding-Spanne".

JJ Auto wollte den Börsengang offenbar mit aller Macht durchdrücken. Der Anbieter von Fahrzeugbefestigungen, Kfz-Werkzeugen und Stahlbauteilen für schwere Nutzfahrzeuge begründete die Abstriche, die er bei Angebotsvolumen und Aktienpreis akzeptieren musste, mit dem schwierigen Kapitalmarktumfeld. Dadurch habe man weniger Aufmerksamkeit erhalten.

16 Millionen Euro geplant - 700.000 Euro erhalten

Das öffentliche Angebot umfasste ausschließlich neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung. Die bestehenden Aktionäre mit einem Anteilsbesitz von fünf Prozent und mehr haben zugestimmt, ihre Aktien nicht vor Ablauf von zwölf Monaten ab dem ersten Handelstag zu verkaufen.

Statt der ursprünglich avisierten und erhofften 16 Millionen Euro fließen JJ Auto nun lediglich 700.000 Euro in die Kassen. Dienen sollten die geplanten Millioneneinnahmen der Einführung eigener Vertriebszentren, dem Ausbau der Produktionskapazitäten, dem Markenaufbau und der Markenpflege sowie der Erweiterung der Forschungs- und Entwicklungskapazitäten.

Die Produktionsanlagen von JJ Auto befinden sich in Quanzhou City im Südosten Chinas in der Provinz Fujian. Ende 2013 beschäftigte das Unternehmen mehr als 600 Mitarbeiter.

25 chinesische Firma in Frankfurt seit 2007

Mit JJ Auto summiert sich die Zahl der seit Sommer 2007 in Frankfurt an die Börse gegangenen chinesischen Unternehmen auf 25. Der Blick auf die Kursentwicklung seit dem jeweils ersten Handelstag ist aber ernüchternd. Das Ziel, Anlegern renditeträchtige Beteiligungen am China-Boom zu eröffnen, wurde in den allermeisten Fällen deutlich verfehlt. Viele Kurse sind stattdessen massiv eingebrochen. Auch dass die Unternehmen damit ihren Bekanntheitsgrad wesentlich steigern konnten, darf angesichts dieser Misserfolge bezweifelt werden.

Große Finanzinstitute stehen den Papieren kritisch gegenüber. Bemängelt werden oft die Geschäftsmodelle und die Entwicklung der Finanzkennziffern. Es gebe bessere und transparentere Alternativen, um vom Wachstum in China zu profitieren, lautet ein häufiges Argument.

Quelle: n-tv.de

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