Wirtschaft
Die Aktien des Medizintechnikkonzerns rutschten in der Spitze um 18,5 Prozent auf 60,22 Euro ab.
Die Aktien des Medizintechnikkonzerns rutschten in der Spitze um 18,5 Prozent auf 60,22 Euro ab.(Foto: imago stock&people)

Jahresprognose erneut gesenkt: Anleger flüchten aus Drägerwerk-Aktie

Börsianer sind geschockt: Erneut senkt der Lübecker Medizintechnikkonzern Drägerwerk seine Prognose für das laufende Jahr. Die erwartete Marge wird weiter eingedampft. Grund ist das maue Geschäft in Asien. Die Aktie verliert dramatisch an Wert.

Die erneute Senkung der Jahresprognose hat Drägerwerk ins Taumeln gebracht. Die Aktien des Medizintechnikkonzerns rutschten in der Spitze um 18,5 Prozent auf 60,22 Euro ab und waren damit so billig wie seit März 2011 nicht mehr. Die im TecDax notierten Aktien verbuchten damit den zweitgrößten Kurssturz der Firmengeschichte.

Nach einem schwachen dritten Quartal - in dem Drägerwerk sogar in die Verlustzone rutschte - zücken die Lübecker nun wieder den Rotstift. Trotz eines Umsatzwachstums von 2,1 Prozent auf 604 Millionen Euro fiel das operative Ergebnis Ebit auf minus 23 Millionen Euro, nachdem das Unternehmen im Vorjahreszeitraum operativ noch 47,2 Millionen Euro verdient hatte.

In der Medizintechnik legte der Umsatz noch um 2,5 Prozent zu, während es im Geschäft mit Sicherheitstechnik nur um 1,4 Prozent nach oben ging. Optimistisch stimmen hier immerhin die Auftragseingänge, die um knapp sieben Prozent zulegten. In der Medizintechnik kletterten die Ordereingänge um 1,8 Prozent.

Geschäft in Asien bereitet Sorgen

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Grund für das schwache Abschneiden war vor allem die Eintrübung der Entwicklung in Asien, dort insbesondere in China. Hier habe sich das Geschäft sogar noch weiter eingetrübt. Auch in Amerika blieb die Entwicklung hinter den Erwartungen zurück. Das Geschäft der Sicherheitstechnik verbesserte sich im Rohstoffsektor "noch nicht", insbesondere in den Branchen, die besonders vom Ölpreis abhängig sind. Hinzu kam die zuletzt deutliche Abwertung der Währungen einiger Schwellenländer, die sich negativ auf das Ergebnis auswirkten. Sondereffekte wie Abschreibungen auf Forderungen und Vorratsbestände sowie Rückstellungen für Qualitätskosten belasteten das Ergebnis des dritten Quartals zudem mit 20 Millionen Euro.

Angesichts dieser Entwicklung kappte Drägerwerk die Jahresprognose. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen nun ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von ein bis drei Prozent. Bislang hatte sich das Unternehmen hier Anstieg von zwei bis fünf Prozent vorgenommen.

Bei der Ebit-Marge traut sich Drägerwerk nur noch 2,5 bis 4,5 statt zuvor fünf bis sieben Prozent zu. Dabei enthalten diese Prognosen keine möglicherweise zusätzlich erforderlichen Restrukturierungsaufwendungen im Rahmen des Effizienzprogramms "Fit for Growth". Im Juli hatte das Unternehmen schon einmal die Prognose gesenkt. Bis dahin hatte Drägerwerk noch eine Marge von sechs bis acht Prozent in Aussicht gestellt.

Sparkurs soll verschärft werden

Das Sparprogramm soll nun "intensiviert" werden, um die mittelfristigen Kostensenkungsziele bei den Verwaltungs- und Vertriebskosten zu erreichen. Details nannte Drägerwerk aber noch nicht. Marktbeobachter sind enttäuscht von Drägerwerk
Der weitere Ausblick ist alles andere als rosig.

Das Unternehmen erwartet, dass die aktuell schwache Entwicklung mehrerer wichtiger Wachstumsmärkte außerhalb Europas weiter anhält. Daher prüft der Konzern nun auch die mittelfristige Prognose. Eine eventuelle Anpassung sowie Details zu neuen Effizienzmaßnahmen will Drägerwerk spätestens bei der Bekanntgabe der finalen Geschäftszahlen 2015 kommunizieren. Für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2015 wird Drägerwerk die endgültigen Ergebnisse am 5. November 2015 veröffentlichen.

Händler sind pessimistisch

Ein Händler sagte, dass Drägerwerk regional Druck auf die Nachfrage sowohl in China als auch in den USA bekomme, sowie über die schwachen Währungen der Emerging Markets. "Dazu kommen Probleme mit dem Eintreiben von Forderungen in den USA und Rückstellungen, und auch die Marge hat man nicht im Griff", so ein anderer Händler. Das nahezu halbierte Margenziel lasse sich nicht mit diesen Faktoren erklären.

Für Aktionäre sind das keine guten Nachrichten. Nachdem die Aktie zu Jahresbeginn noch deutlich geklettert war, setzte ab April, nachdem das Papier die Marke von 120 Euro passiert hat, ein regelrechter Ausverkauf ein. Mit dem jüngsten Rücksetzer beschleunigt sich die Talfahrt noch einmal.

Quelle: n-tv.de

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