Wirtschaft
Rosneft: wertvoll und unterbewertet?
Rosneft: wertvoll und unterbewertet?(Foto: picture alliance / dpa)

Bewertungen wie in Pakistan: Anleger meiden Russland

Während in Deutschland und den USA die Aktien ihr Vorkrisenniveau längst wieder erreicht haben, bewegen sich die Bewertungen in Russland nahe des Finanzcrashs 2008. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse sind dabei nicht das Problem, die liegen im Schnitt deutlich unter denen hierzulande. Analysten sprechen aber von einem "strukturellen Abschlag". Schuld ist die Politik.

Russland ist wieder im Fokus der Weltöffentlichkeit. Die Wirtschaft wächst seit Jahren kräftig, im Kreml sorgt Wladimir Putin mit eiserner Hand und alle kritischen Stimmen ignorierend für politische Stabilität. In einem Jahr gastieren die Olympischen Winterspiele in Sotschi. Und bis Samstag ist Moskau Gastgeber für das Treffen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20), deren Vorsitz das Land derzeit hält. Nur die internationalen Investoren sind noch immer skeptisch und machen einen weiten Bogen um das Land, das zu stark von seinen Rohstoffen abhängig ist und politische Reformen vermissen lässt. Die Bewertungen russischer Aktien sind mit denen aus Pakistan vergleichbar - Ausdruck des Pessimismus vieler Fondsmanager.

Börsennotierte russische Unternehmen kommen im Schnitt nur auf einen Aktienkurs, der in etwa fünf Mal so hoch liegt wie die in den nächsten Jahren pro Anteilsschein erwarteten Gewinne. Das ist weniger als die Hälfte des Durchschnitts anderer Schwellenländer. Die 30 Dax-Unternehmen kommen momentan auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von zehn, im langfristigen Schnitt sind es sogar etwa 15. In Russland haben die Reformversprechen und die zahlreichen Privatisierungen aber nichts an der Skepsis der Geldgeber geändert. Im Gegenteil: Die Bewertung an der Börse nähert sich wieder Tiefständen wie nach dem Crash 2008, als die weltweite Finanzkrise eskalierte.

Putin mischt immer mit

"Das ist ein struktureller Abschlag, der nicht verschwinden wird, bis es wirklich signifikante Reform-Fortschritte gibt", sagt Jose Morales, Chef-Investmentstratege beim Anlagehaus Mirae Asset Global Investments in New York. Viele Experten nehmen zwar Verbesserungen wahr, immer wieder aber auch Rückschläge. Erst im vergangenen Jahr hatte der Staatskonzern Rosneft unter Regie von Präsident Putin für 55 Mrd. Dollar die drittgrößte Öl-Firma des Landes, TNK-BP, von der britischen BP und vier russischen Milliardären übernommen.

So sicherte sich der Kreml die Kontrolle über 40 Prozent der heimischen Öl-Produktion. Es sei ein ganz klares Zeichen gewesen, dass Putin zu staatlichen Eingriffen neige, sagt John-Paul Smith, der bei der Deutschen Bank für Aktieninvestments in Schwellenländern zuständig ist. Besonders auffällig ist das im Bergbau- und Energie-Bereich. Rosneft, seit dem Mega-Deal der weltgrößte Öl-Konzern, wird am Kapitalmarkt mit dem Sechsfachen der erwarteten Gewinne bewertet. Bei Exxon Mobil, der Nummer zwei der Branche, ist es Faktor elf. Das führe dazu, dass Anleger russische Aktien nicht auf Dauer hielten. Sie würden sie  eher für eine bestimmte Zeit mieten, so Smith.

Liberalisierung des Anleihemarktes

Es gibt aber auch Optimisten: Fondsmanager Ed Conroy von der Vermögensverwaltungssparte der Großbank HSBC zum Beispiel betont, dass immer mehr Firmen an die Börse kämen, die nichts mit Öl zu tun hätten - unter anderem Logistik-Spezialisten oder Fluglinien. Gerade wagte die Börse Moskau selbst den Sprung auf das Parkett. Die Nachfrage blieb jedoch schwach. Die Aktien des Börsen-Betreibers konnten nur am unteren Rand der Preisspanne platziert werden. Das Unternehmen sammelte für einen Streubesitz von 30 Prozent am Ende rund 373 Mio. Euro ein, zumindest ein Teil davon kam aus dem Ausland. 

Im vergangenen Jahr lag das Volumen der Privatisierungen in Russland unterhalb des Ziels von 10 Mrd. Dollar. Dieses Jahr sollen mit Banken, Bergbaufirmen und vielem mehr 14 Mrd. Dollar erlöst werden. Außerdem soll die jüngste  Liberalisierung des Anleihemarktes Milliarden nach Russland locken. Geld, das momentan noch einen Bogen um das Riesenreich macht und stattdessen lieber in Asien und Lateinamerika angelegt wird.

Quelle: n-tv.de

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