Wirtschaft
Wer zuerst kommt, malt zuerst.
Wer zuerst kommt, malt zuerst.(Foto: REUTERS)

Bereit für die nächste Rally: Anleger pumpen Geld nach China

Investoren wetten auf eine neue Aktienrally in China. Innerhalb von zwei Monaten werden vier Milliarden Dollar in Aktienfonds angelegt. Der chinesische Markt habe seine Talsohle durchschritten und die Aktienbewertungen seien günstig, sagen Marktbeobachter.

"Der frühe Vogel fängt den Wurm." Nach diesem Motto steigen die ersten ausländischen Anleger wieder in den chinesischen Aktienmarkt ein, um möglichst viel von einer erhofften Kursrally mitzunehmen. Dem Datenanbieter EPFR Global zufolge pumpten sie in den vergangenen zwei Monaten vier Milliarden US-Dollar in entsprechende Aktienfonds, die Hälfte davon in der Woche zum 15. November.

"Die Bewertungen sind attraktiv und die Furcht vor einer größeren Konjunkturabkühlung scheint nachzulassen", sagte Paul Gillis, Professor an der Pekinger Universität Guanghua School of Management. Stuart Rae, der bei der Fondsgesellschaft AllianceBernstein die Entscheidung von Investitionen in asiatisch-pazifische Aktien verantwortet, beobachtet ebenfalls wachsenden Optimismus unter den Anlegern. "Der chinesische Markt hat seine Talsohle durchschritten."

Michael McCormack, Chef des Fondsberaters Z-Ben Advisors, verweist zudem darauf, dass viele Investoren chinesische Aktien bislang vernachlässigt hätten. "Die meisten Fondsmanager schauen auf die Diskrepanz zwischen ihrem direkten Engagement in China und seiner wirtschaftlichen Bedeutung für die Weltkonjunktur." China ist hinter den USA die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde.

Unterschiedliche Kursentwicklung

Der MSCI China-Index hat in den vergangenen beiden Jahren knapp zwölf Prozent und damit jeweils etwa doppelt so stark verloren wie der japanische Nikkei. Der Dax legte im gleichen Zeitraum sieben Prozent zu. Aktuell notiert der MSCI China 40 Prozent unter dem Niveau zur seiner Einführung 1992. Aber: Das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat sich in den vergangenen 20 Jahren verfünfzehnfacht.

Das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) der im MSCI China gelisteten Aktien liegt derzeit bei 9,2. Die KGV der Schwellenländer Brasilien und Indien belaufen sich auf 9,9 beziehungsweise 13,2. In Dax und EuroStoxx50  übertrifft der Kurs den Gewinn je Aktie im Schnitt jeweils um etwa das Zehnfache.

Drum prüfe, wer sich länger bindet ...

"Vor fünf Jahren war der chinesische Markt einer der teuersten und nun ist er ähnlich billig wie Korea", sagt AllianceBernstein-Experte Rae. Ein niedriges KGV allein sei aber kein Grund für einen Einstieg in einen Markt. "Einige haben das Potenzial für eine Erholung, bei anderen gibt es einen Grund, warum sie so billig sind."

Wirtschaftsprofessor Gillis warnt, dass viele der Faktoren, die den chinesischen Aktienmarkt belasten, noch nicht aus dem Weg geräumt seien. Dazu gehörten Steuerbetrug oder die Handelsstreitigkeiten mit den USA.

Hinzu kommen schwache Geschäftszahlen. Einer Erhebung der Citi Private Bank zufolge haben zwei Drittel der chinesischen Unternehmen mit ihren Ergebnissen des dritten Quartals die Markterwartungen verfehlt. Zum Vergleich: Nach den Daten von Thomson Reuters Starmine enttäuschten nur ein Drittel der Dax-Werte mit ihren Zwischenbilanzen.

Parallel zu den sinkenden Gewinnen steigt die Verschuldung der chinesischen Unternehmen. Sie werde zum Jahresende bei 122 Prozent des heimischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) erreichen, prognostiziert die Beratungsfirma GaveKal-Draganomics. Vor diesem Hintergrund drohen Banken zunehmende Zahlungsausfälle. Die Experten der US-Bank Goldman Sachs gehen davon aus, dass die Quote der notleidenden Kredite in China den offiziellen Wert von 0,97 Prozent um mehr als das Sechsfache übertrifft.

Quelle: n-tv.de

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