Wirtschaft

"Vertrauen der Investoren ist weg"Anleger schießen gegen Metro

23.05.2012, 17:21 Uhr
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Koch besänftigt Aktionäre mit Aussicht auf bessere Unternehmens-Zahlen. (Foto: dpa)

Der Ärger der Metro-Aktionäre schlägt dem neuen Konzernchef Koch ins Gesicht. Anleger rechnen mit dem Missmanagement seines Vorgängers ab. Der Neue verspricht den Konzern umzubauen. Höhere Produktivität und ein attraktiveres Sortiment sollen der Metro neuen Glanz verleihen - und verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.

Nach Führungskrise, Gewinneinbruch und dem auf Eis gelegten Kaufhof-Verkauf muss der neue Metro-Chef Olaf Koch verärgerte Aktionäre besänftigen. Aktionärsvertreter übten auf der Hauptversammlung scharfe Kritik. Im Fokus stand dabei der Machtkampf zwischen Kochs Amtsvorgänger Eckhard Cordes und Ex-Aufsichtsratschef Jürgen Kluge, der Metro 2011 erschüttert hatte. Große Unzufriedenheit gab es auch wegen der vielen Baustellen in dem Konzern und des schwachen Aktienkurses.

"Wir alle haben sehr viel Geld verloren", sagte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), mit Blick auf den schwachen Aktienkurs. Zudem seien viele Jahre verloren gegangen bei der Weiterentwicklung des Konzerns. Die Metro dürfe auf ihrem neuen Wachstumskurs mit Preissenkungen nicht in die gleiche Falle tappen wie der Rivale Praktiker, mahnte Tüngler. Alexander Elsmann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) warnte Metro vor einem Umsatzwachstum um jeden Preis.

Unter Cordes sei die Metro zum "bloßen Ankündigungsweltmeister" geworden, sagte Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Koch müsse die Herausforderungen entschlossen angehen und langfristig auch wieder Wert für die Aktionäre schaffen. "Der Aktienkurs ist auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren gefallen, Gewinn und Umsatz sind eingebrochen, das Vertrauen der Investoren ist weg."

Herausforderung entschlossen angehen

Koch versprach Fortschritte durch die Neuausrichtung der Metro. "Der Vorstand der Metro Group ist fest entschlossen, die notwendigen Entscheidungen zu treffen, um das Unternehmen so auszurichten, dass wir auch in äußerst schwierigen Jahren hervorragende Leistungen erbringen können", sagte er.

Im Mittelpunkt des neuesten Umbaus stehen das Großhandelsgeschäft Cash & Carry sowie die Elektronikmärkte Media Markt und Saturn. Koch hat angekündigt, die Produktivität zu erhöhen, die Sortimente attraktiver zu machen und die Preise zu senken. Der Manager will insbesondere das Umsatzwachstum auf vergleichbarer Fläche stärken, und dies auch auf Kosten der Ergebnisse. Zudem soll die Expansion beschleunigt werden, was zu zusätzlichen Kosten führt. Das Unternehmen war als Konsequenz im ersten Quartal in die roten Zahlen gerutscht, während der Umsatz gesteigert werden konnte.

Hohes Einsparpotenzial durch Effizienzprogramm

Zur Ergebnisverbesserung beitragen soll ein neues Spar- und Effizienzprogramm. So soll die Logistik gebündelt werden. Zudem soll unter anderem die Verwaltung effizienter aufgestellt werden. Koch sieht in diesen Maßnahmen ein Einsparpotenzial von 100 Mio. Euro pro Jahr.

Wie schon bei den Zahlen für das erste Quartal 2012 berichtete Koch mit Verweis auf die Umsatzentwicklung, dass die Neuausrichtung auf einen profitablen Wachstumskurs schon Wirkung zeige. Der Vorstandschef bestätigte die Prognose für 2012, wonach der bereinigte operative Gewinn in etwa auf Vorjahreshöhe liegen soll. Für die Folgejahre gehe der Vorstand davon aus, dass auf der Basis einer positiven Umsatzentwicklung auch eine nachhaltige Ergebnissteigerung möglich sein werde, erklärte er.

Der Konzerngewinn war 2011 um ein Fünftel auf 741 Mio. Euro gesunken. Die Staatsschuldenkrise in Europa, hohe Arbeitslosigkeit und Sparprogramme in vielen Ländern führten zu Kaufzurückhaltung. Dennoch sei der um Sonderfaktoren bereinigte operative Gewinn fast auf Vorjahresniveau gehalten worden, betonte Koch. Die Dividende je Stammaktie soll deshalb unverändert bei 1,35 Euro bleiben. Union Investment stellte zur Diskussion, die Gewinne zu reinvestieren, anstatt mehr als 440 Mio. Euro an die Anteilseigner auszuschütten.

Geplatzter Kaufhof-Verkauf

Vom schwelenden Machtkampf bei den Elektronikketten Media Markt und Saturn mit dem Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals um Vetorechte befürchteten einige Redner erhebliche Risiken für Metro. Koch betonte, Metro sei zu einem konstruktiven Dialog mit Kellerhals weiterhin bereit. Allerdings dürfe es keine Vorbedingungen geben.

Zu der Metro-Hauptversammlung waren etwa 700 Aktionäre angereist. Zum Konzern gehören neben den Metro-Großhandelsmärkten und den Elektronikketten Media Markt und Saturn auch der Lebensmittelhändler Real und die Warenhauskette Kaufhof. Koch hatte im Januar den Verkauf von Kaufhof als seine erste Entscheidung vorerst auf Eis gelegt.

Quelle: ntv.de, DJ, dpa