Wirtschaft
Ein Händler in Spanien während der Bondauktion.
Ein Händler in Spanien während der Bondauktion.(Foto: REUTERS)

Faule Kredite auf Rekordniveau: Anleger vertrauen Spanien

Das Anlegervertrauen in Spanien nimmt sichtlich zu. Die Anleihen kommen gut an. Die Angst vor einer Staatspleite rückt in den Hintergrund. Das zahlt sich für das Land aus. Spanien nimmt mehr günstiges Geld auf als geplant. Druck kommt von anderer Seite: Die Schieflage in den spanischen Bankenbilanzen wächst kontinuierlich.

Studierende und Schüler in Spanien wehren sich gegen Einsparungen im staatlichen Bildungssektor.
Studierende und Schüler in Spanien wehren sich gegen Einsparungen im staatlichen Bildungssektor.(Foto: REUTERS)

Spanien hat sich am Kapitalmarkt zu günstigeren Bedingungen als zuletzt mit frischem Geld eindecken können. Das heißt, die Angst vor einer Staatspleite hat nachgelassen. Gleichzeitig veröffentlicht die spanische Zentralbank bedrohliche Zahlen, nach denen der Umfang der "faulen Kredite" in den Bilanzen der Banken weiter kontinuierlich wächst. Damit stellt sich erneut die Frage, ob Spanien auf Dauer um einen Antrag auf EU-Finanzhilfen vermeiden kann. Der Unmut in der Bevölkerung angesichts des Sparkurses der Regierung ist hoch.

Umso erfreulicher für die spanische Regierung in Madrid, dass ihre Anleihen bei den Rentenanlegern gut ankommen. Bei der jüngsten Aufstockungsauktion von Anleihen mit Laufzeiten von drei, vier und zehn Jahren nahm Spanien insgesamt 4,6 Mrd. Euro ein. Damit lag Spanien sogar über der angestrebten Zielspanne. Bei den Auktionen zahlte das Land durchweg niedrigere Renditen als zuletzt: Bei den zehnjährigen Papieren wurde ein Zins von 5,4 Prozent fällig. Bei der letzten Auktion hatte Spanien den Investoren noch 5,6 Prozent bieten müssen. Die dreijährigen Bonds wurden mit rund 3,2 Prozent verzinst. Bei einer vergleichbaren Emission waren zuletzt rund 3,7 Prozent fällig geworden. Die Ratingagentur Moody's hatte Spanien am Dienstagabend vor einer Herabstufung seiner Bonitätsnote auf Ramschniveau bewahrt und damit für Beruhigung am Kapitalmarkt gesorgt.

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Die Auktionen der spanischen Schuldtitel mit Laufzeiten bis 2015 und 2016 waren jeweils 2,6-fach überzeichnet. Die Nachfrage war damit stärker als zuletzt, als die Emissionen 1,8-fach beziehungsweise 1,9-fach überzeichnet waren. Auf das zehnjährige Papier hatten die Investoren jedoch deutlich weniger Appetit: Die Nachfrage überstieg das Angebot nur um das 1,9-Fache. Eine frühere Auktion war hingegen 2,8-fach überzeichnet.

Das Ergebnis der Auktion zeigt, dass die Regierung in Madrid in der Frage, ob weitere EU-Hilfen beantragt werden müssen, erfolgreich auf Zeit spielt. Der Druck durch die Finanzmärkte müsste wohl deutlich höher sein, um das Land unter den Rettungsschirm zu zwingen.

"Faule Kredite" auf Rekordniveau

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Nach Angaben der Zentralbank erreichten die "faulen Kredite" in den Bilanzen der spanischen Banken mittlerweile ein neues Rekordniveau. Das Volumen lag im August bei knapp 179 Mrd. Euro, 51 Mrd. mehr als ein Jahr zuvor. Der Anteil der nicht bedienten Kredite am Gesamtkreditvolumen stieg auf 10,5 Prozent und überschritt damit erstmals die Zehn-Prozent-Marke. Damit erhöhte sich die Säumnisrate um 0,6 Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat und um 3,4 Punkte seit August des Vorjahres.

Der Umfang der "faulen Kredite" ist besorgniserregend, er steigt seit mehr als einem Jahr kontinuierlich an. Die bedrohliche Entwicklung wird vor allem auf die hohe Arbeitslosigkeit zurückgeführt, die es mit sich bringt, dass immer mehr Spanier ihre Kredite nicht zurückzahlen können. Als säumige Kredite zählen Darlehen, die drei Monate in Folge nicht bedient wurden.

Gewerkschaften planen Generalstreik

Während Spanien mit seinen Anleihen bei den Anlegern punkten kann, wächst die Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Aus Protest gegen die Sparpolitik der Regierung wollen die Gewerkschaften zum zweiten Mal in diesem Jahr einen Generalstreik ausrufen. Die 24-stündige Arbeitsniederlegung in dem Euro-Krisenland soll Medienberichten zufolge am 14. November stattfinden. Für diesen Tag hatten bereits die Gewerkschaften in Portugal zu einem Generalstreik aufgerufen.

Die Führungsgremien der großen spanischen Gewerkschaftsverbände CCOO (Arbeiterkommissionen) und UGT (Allgemeine Arbeiterunion) wollen diesen Freitag über die Ausrufung des Generalstreiks entscheiden. Sie hatten zuvor in Brüssel erreicht, dass der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) den 14. November zu einem "Tag der Aktion und der Solidarität" erklärte, an dem in der gesamten EU Streiks und Proteste gegen die Sparpolitik der Regierungen stattfinden sollen. 

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Quelle: n-tv.de

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