Wirtschaft
Der Dax sorgt nicht gerade für gute Stimmung.
Der Dax sorgt nicht gerade für gute Stimmung.(Foto: dpa)

Interview mit Stefan Riße: "Antizyklisch einsteigen!"

Beim Blick auf den Dax bekommen Anleger angesichts der Kursverluste schlechte Laune. Wann kommen bessere Zeiten? Das wird noch etwas dauern, sagt Fondsmanager Stefan Riße im Gespräch mit n-tv.de.

n-tv.de: In New York und in Frankfurt fallen die Kurse kräftig. Was ist da los?

Stefan Riße: Wir sehen an den Märkten eine verzögerte Reaktion darauf, was sich seit Monaten zusammenbraut. In der Eurozone und in Deutschland sieht es konjunkturell nicht gut aus. Das hat viel mit internationalen Krisen und der Sparpolitik zu tun. In den USA ist die  Dollar-Aufwertung ein Problem. Sie drückt kurzfristig die Unternehmensgewinne. Dazu kommt, dass wir auf einen sehr langen Bullen-Markt zurückblicken. Die Zeit war reif für eine Korrektur.

Das ist aber alles schon seit längerem bekannt. Warum kommt es erst jetzt zur Korrektur?

Stefan Riße ist Vermögensverwalter bei HPM Hanseatische Portfoliomanagement in Hamburg. Er ist Manager des Fonds "Riße Inflation Opportunities UI".
Stefan Riße ist Vermögensverwalter bei HPM Hanseatische Portfoliomanagement in Hamburg. Er ist Manager des Fonds "Riße Inflation Opportunities UI".(Foto: HPM Hanseatische Portfoliomanagement GmbH)

In der Tat, es hat zwischenzeitlich sogar Rekordstände gegeben. Es lief so: Als es im August zur ersten Korrektur kam, verkauften viele Investoren. Dann ging es wieder nach oben. Also liefen viele Anleger hektisch dieser Aufwärtsbewegung hinterher. Und nun steigen sie in Panik wieder aus.

Mitte September hatten selbst lautstarke Skeptiker das Handtuch geworfen und sagten plötzlich steigende Kurse voraus. Im Rückblick zeigt sich wieder: Grenzenloser Optimismus ist ein guter Verkaufsgrund.

Richtig. Ganz besonders ausgeprägt war das, als das Referendum über eine Unabhängigkeit Schottlands gescheitert war. Da war der Dax in den Bereich der 9900 Punkte gestiegen. Und überall war zu hören: Jetzt ist der Weg nach oben wieder frei, die 10.000 Punkte sind in Kürze überwunden. Das war exakt der Punkt, an dem der Markt dann drehte.

Sie haben kürzlich eine Korrektur von etwa zehn Prozent vorhergesagt. Aber übertreibt der Dax jetzt nicht nach unten?

Nein. Die Verluste an der Wall Street sind angemessen. Da wird es noch weiter runtergehen - wie auch im Dax. Hier erwarte ich einen Rückgang in den Bereich zwischen 8500 und 8600 Punkten.  Bei diesem Niveau würde ich allerdings beginnen, wieder Aktien zu kaufen. Das heißt natürlich nicht, dass es nicht noch weiter runtergehen kann. Aber die Zinsen im Euroraum werden tief bleiben. Das heißt: Wenn man Aktien deutlich günstiger bekommt, sollte man irgendwann zugreifen.

In den USA hat die Berichtssaison begonnen. Was ist von davon zu erwarten?

Es kann durchaus einige positive Überraschungen geben. Das liegt schon an den relativ niedrigen Erwartungen. Doch die Gewinnfantasie ist auf die nächsten Jahre sehr begrenzt.

Worauf sollen Anleger achten, um den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg in den Markt zu finden?

Mein Börsencredo lautet: Wenn Warnungen vor Aktienkäufen lauter werden, dann sollte man antizyklisch einsteigen. Auch wenn es schwerfällt, zahlt sich das am Ende häufig aus.

Mit Stefan Riße sprach Jan Gänger

Quelle: n-tv.de

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