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"Was bringt er? Ebola?": Apple-Chef Cook bricht ein Tabu

Von Jan Gänger

Tim Cook ist schwul. Was die einen mit einem Achselzucken zur Kenntnis nehmen, bringt andere auf die Palme. Der Schritt des Apple-Vorsitzenden zeigt: In der Welt globaler Konzerne ist ein Coming-Out des Chefs alles andere als normal.

Apple-Chef Tim Cook bekennt sich offen zu seiner Homosexualität. Für einen Mann in dieser Position ist das überaus bemerkenswert. Denn die Vorstandsetagen der großen multinationalen Konzerne sind Orte, in denen es offiziell keine schwulen oder lesbischen Vorsitzenden gibt - zumindest bis jetzt. Cook ist der erste Chef eines der 500 größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen, der diesen Schritt gemacht hat.

Dafür mag es viele Gründe geben, die Furcht vor Diskriminierung ist sicher einer davon. Zudem ist die sexuelle Orientierung privat und die Entscheidung für oder gegen ein Coming-Out ist eine persönliche Angelegenheit. Doch für Konzernvorstände gibt es ein weiteres Hindernis: die Angst, dass ein offen schwuler Chef schlecht für das Geschäft ist.

Wie groß die Schwierigkeiten sind, zeigt das Beispiel von John Browne. Im Jahre 2007 trat er von seinem Posten als Vorstandschef von BP zurück, nachdem er von der britischen Boulevardzeitung "The Mail" als schwul geoutet worden war.

Er war sich sicher, nie wieder ein großes, börsennotiertes Unternehmen führen zu können. "Für einen Headhunter wäre ich zu 'umstritten' gewesen", schrieb Browne später in einem Buch. Als er am Tag seines Rücktritts die Konzernzentrale verließ, hatte er das Gefühl, "zu sterben". Irgendjemand schrie ihm "Schwuler Abschaum!" hinterher.

"Je höher ich bei BP aufstieg, umso gefährlicher wurde ein Coming-Out", schrieb Browne. Als Chef fürchtete er, dass er nach einer Enthüllung schwerlich mit homophoben Wirtschaftsführern und Politikern verhandeln könnte - beispielsweise mit Wladimir Putin. Während Browne Vorstandschef war, investierte BP Milliarden in ein Projekt in Russland.

Apple-Chef Tim Cook macht seine Homosexualität öffentlich.
Apple-Chef Tim Cook macht seine Homosexualität öffentlich.(Foto: imago/UPI Photo)

Wie begründet die Furcht von Browne gewesen sein mag, unterstrich Witali Milonow. Der Sankt Petersburger Politiker ist eine treibende Kraft hinter dem russischen Gesetz, das das offene Zeigen von Homosexualität unter Strafe stellt. Nach dem Coming-Out des Apple-Chefs forderte er, dem 53-Jährigen lebenslang die Einreise zu verweigern."Was kann er uns bringen?", schimpfte Milonow. "Das Ebola-Virus, Aids, Gonorrhoe?"

Ironischerweise sind Apple-Produkte bei russischen Politikern äußerst beliebt. Auch Milonow besitzt "Buzzfeed" zufolge ein iPhone 6 und betont, er habe das von "homophoben Freunden aus Europa" geschenkt bekommen. Premier-Minister Dmitri Medwedew bekennt sich offen zu seiner Begeisterung für Apples Smartphones.

Die Meinung von Elena Misulina zu Apple-Produkten ist dagegen gespalten. Sie hat das "Anti-Homosexuellen-Gesetz" verfasst. Im Juli forderte sie, iPhones in Russland zu verbieten. Begründung: Mit iPhones werde mehr Kinderpornografie aufgenommen als mit anderen Smartphones. Das hält sie aber nicht davon ab, iPads oder Macbooks zu verwenden.

Und Dmitri Kisseljow? Der enge Vertraute Putins ist Generaldirektor der staatlichen Medienholding "Russland heute", gilt als "Propagandachef" des Kremls und steht auf den Sanktionslisten von USA und EU. Seine anti-westliche Moderationen und seine offene Schwulenfeindlichkeit hinderten ihn bisher nicht daran, ein rosafarbenes iPhone zu benutzen.

Der Blick nach Russland zeigt, dass Konzernchefs ein Comig-Out nicht unbedingt fürchten müssen. Wenn die Produkte gut sind, werden sie gekauft. Selbst homophobe Menschen wollen nicht von ihrem iPhone lassen.

Quelle: n-tv.de

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