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Inside Wall Street: Apple und sein einzigartiges Verkaufserlebnis

Von Lars Halter

2001 in einer Mall in Virginia eröffnet Apple seinen ersten Store. Mittlerweile sind es mehr als 400. Und die Zahl steigt weiter - aus gutem Grund.

Die Welt schaut nach Cupertino - wieder einmal. In der Kleinstadt im Silicon Valley zeigte Apple am Dienstag erstmals die Gadgets, die ab sofort Pflicht-Accessoire für jeden respektablen Techie sind. Unterdessen bildeten sich lange Schlangen vor den Apple-Stores, was letztlich dem gesamten amerikanischen Einzelhandel nutzt. Für die Branche ist Apple eine Erfolgsgeschichte ohne Gleichen.

Insider rümpften die Nase, als Apple 2001 in einer Mall in Virginia den ersten eigenen Laden eröffnete. Ausgerechnet die Hightechs aus dem Silicon Valley machten dem Einzelhandel seit Jahren das Leben schwer; immer mehr Kunden bestellten auf Amazon, statt in die traditionellen Geschäfte zu gehen. Und ausgerechnet Apple, dessen Stern dank des ersten iPod gerade wieder aufging, wollte nun in einer traditionellen Einzelhandelsstruktur auftreten. Konnte das gut gehen?

Ein neues Verkaufserlebnis

Dabei hatte Apple durchaus gute Gründe, eigene Läden zu eröffnen. Im allgemeinen Elektronikgroßhandel ging die Marke unter. Und selbst nachdem Steve Jobs seine Geräte aus allen großen Ketten - Sears, Best Buy, Circuit City - abgezogen und sich ganz auf den Exklusivpartner CompUSA konzentriert hatte, war das Wachstum überschaubar, denn viele Verkäufer kannten sich mit Apples Hard- und Software nicht aus und steuerten selbst interessierte Kunden oft zurück zu PC mit Microsoft-Technologie.

Unter der Regie von Tim Cook - damals Apple-Verkaufschef, heute Vorstandschef - ließ das Unternehmen Retail-Experten von Disney, Target und The Gap ans Werk, die für die hippe Marke ein Einkaufserlebnis kreierten. Dazu gehörten kleine Ladenformate, ein offenes Layout und Verkäufer, die Kunden nicht aggressiv zum Kauf nötigten sollten.

Kritiker gaben dem Modell keine Chance und sagten geringe Umsätze und ein rasches Ende voraus - sie irrten. Apple zog Unmengen von Fans in die neuen Läden, die Verkäufe schlugen alle bekannten Branchenwerte. Das Magazin "Fortune" lieferte einen Überblick: Das Nobelkaufhaus Saks kam danach auf einen Jahresumsatz von 3900 Dollar pro Quadratmeter, der Elektronikhändler Best Buy kam auf 10,000 Dollar, der Nobel-Juwelier Tiffany auf 28,000 Dollar - Apple hängte sie alle ab und war mit 43,400 Dollar Umsatz pro Quadratmeter Branchenkönig.

Mall-Betreiber stehen Schlange

Mittlerweile gibt es 435 Apple Stores, davon mehr als die Hälfte in den USA. Insgesamt generieren sie mehr als 20 Milliarden Dollar Umsatz und einen Gewinn von knapp 5 Milliarden Dollar. Und längst hat sich gezeigt, dass das Konzept nicht nur für Apple aufgeht, denn die Firma hat auch in großem Stil den Arbeitsmarkt wiederbelebt: Mehr als 41,000 Mitarbeiter tummeln sich in den Läden, das ist fast die Hälfte der gesamten Belegschaft. Und die Jobs sind nicht die schlechtesten: Vollzeit- und Halbzeitkräfte haben Anspruch auf Sozialleistungen - die meisten Verkäufer/innen in anderen Läden können davon nur träumen.

Von Apples Erfolg profitieren längst auch andere Einzelhändler. Brancheninsider haben errechnet, dass die Umsätze in der ganzen Mall steigen, wenn ein Apple Store einzieht - die Marke generiert derart viel Interesse, dass die Besucherzahlen steigen. Und während die großen Scheine für die jüngsten Gadgets draufgehen, bleiben eben Krümel für alle Läden in der näheren Umgebung übrig. Kein Wunder: Außer den iPhone-Fans stehen nun auch die Mall-Betreiber Schlange bei Apple.

Quelle: n-tv.de

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