Wirtschaft
Deer Standort Anchieta zählt zu den wichtigsten VW-Standbeinen im brasilianischen Markt: Zum 60-jährigen Werksjubiläum 2013 kam sogar Bundespräsident Joachim Gauck.
Deer Standort Anchieta zählt zu den wichtigsten VW-Standbeinen im brasilianischen Markt: Zum 60-jährigen Werksjubiläum 2013 kam sogar Bundespräsident Joachim Gauck.(Foto: REUTERS)

Solidaritätsaktion in Brasilien: Arbeiter bestreiken VW-Werk

Gegenwind für Volkswagen do Brasil: Mit den Kündigungsschreiben für mehrere Hundert Arbeiter ruft VW am Standort Anchieta die brasilianische Metaller-Gewerkschaft auf den Plan. Gut die Hälfte der Belegschaft legt die Arbeit nieder.

Rund 7000 Arbeiter eines brasilianischen VW-Werks sind in den Streik getreten, um gegen die Entlassung von 800 Mitarbeitern zu protestieren. Die Metallarbeiter-Gewerkschaft von São Paulo forderte die Wiedereinstellung der Entlassenen, wie die staatliche Nachrichtenagentur ABR berichtete.

Die Mitarbeiter im Werk Anchieta hätten die Arbeit niedergelegt ohne die Fabrik zu verlassen, hieß es. VW do Brasil bestätigte die Entlassungen. Die Belegschaft habe alternative Vorschläge abgelehnt, erklärte ein Sprecher. Am betroffenen Standort waren zuletzt noch etwa 13.000 Mitarbeiter beschäftigt.

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Die Kündigungswelle bleibt allerdings nicht auf Volkswagen beschränkt. Auch bei Mercedes-Benz Brasilien kam es zu Entlassungen. Die Gewerkschaft gab an, dort hätten 244 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren. Das Unternehmen bestätigte dem Nachrichtenportal G1, es habe Kündigungen gegeben, die jedoch unter der angegebenen Anzahl lägen. Konkrete Angaben des Arbeitgebers lagen zunächst nicht vor.

Zeichen des Abschwungs

Im jüngsten Stellenabbau des brasilianischen Autobaus erkennen Beobachter ein Symptom für größere ökonomische Entwicklungen. Brasilien ist die mit Abstand stärkste Wirtschaftsmacht Südamerikas. In den vergangenen Monaten hatten sich die aktuellen konjunkturellen Schwierigkeiten des Landes an verschiedenen Stellen bemerkbar gemacht. Der Absatz im brasilianischen Fahrzeugmarkt war 2014 um 6,8 Prozent auf 5,2 Millionen Einheiten gefallen.

Für Volkswagen selbst betreffen die Entwicklungen in Brasilien ein gewichtiges Standbein in Lateinamerika. VW ist der größte Automobilhersteller in Brasilien mit drei Fahrzeugwerken und einem Motorenwerk. Die drei Werke für Personenkraftwagen und leichte Nutzfahrzeuge beherbergen nach Unternehmensangaben komplette Produktionsstätten, also Karosseriebau, Karosseriemontage, Lackiererei und Endmontage.

Traditions- und Vorzeigewerk

Das Werk Anchieta liegt in São Bernardo do Campo und damit im Großraum der Millionenmetropole São Paulo. "Es ist Sitz der Zentrale und der Entwicklungsabteilung von Volkswagen do Brasil", wie es in einer Selbstdarstellung heißt.

Die Anlagen dort waren das erste Volkswagen Werk Brasiliens und gleichzeitig das erste Volkswagen Werk außerhalb Deutschlands. Gegründet wurde das Werk 1953, seit 1959 wird am Standort Anchieta für VW produziert. Etwa 13.000 Mitarbeiter fertigen dort unter anderem spezielle Südamerika-Modelle wie den "New Gol", den "Polo", den "Polo Sedan", den "Saveiro" oder den "Saveiro Cross".

Der Konzern betreibt eigenen Angaben zufolge in 19 Ländern Europas und in acht Ländern Amerikas, Asiens und Afrikas insgesamt mehr als 100 Fertigungsstätten. Zuletzt waren bei VW mehr als 570.000 Mitarbeiter beschäftigt. Rund um den Globus produziert VW insgesamt im Schnitt etwa 39.350 Fahrzeuge je Arbeitstag.

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Quelle: n-tv.de

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