Wirtschaft

Insolvenzverwalter entsetztArcandor ohne Substanz

16.08.2009, 11:26 Uhr

Das Geld wurde offenbar mit vollen Händen ausgegeben und von der Substanz des Unternehmens ist nichts mehr übrig: Was der Insolvenzverwalter von Arcandor, Klaus Hubert Görg, vorgefunden hat, verschlägt ihm die Sprache. Rechtliche Schritte gegen die früheren Konzern-Vorstände schließt er nicht aus.

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Kann nicht glauben, was er vorfindet: Klaus Hubert Görg. (Foto: dpa)

"Wir sehen einige Hinweise, die wir sammeln und zu gegebenem Zeitpunkt bewerten wollen", sagte Görg der Zeitung "Welt am Sonntag". "Wir haben bis zu drei Jahre Zeit, Konsequenzen zu ziehen. Derzeit sind wir vollständig damit beschäftigt, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten, Konzepte zu erstellen und Investoren zu suchen."

In dem Konzern sei trotz schlecht laufender Geschäfte viel Geld ausgegeben worden, so Görg. Der dienstliche Aufwand des Vorstandes sei für ein "Unternehmen in der wirtschaftlichen Verfassung" wie Arcandor "sehr hoch" gewesen. Er habe "sparsamere" Vorstände erlebt.

Nichts, was nicht anderen gehört

Auch über den Zustand des Unternehmens zeigte Görg sich entsetzt. "Wir haben mit der Lupe nach der Substanz in diesem Unternehmen gesucht, aber wir haben nichts Nennenswertes gefunden", sagte er. "In diesem Hause gibt es wirklich nichts, was nicht anderen Leuten gehört. Das habe ich in so großen Unternehmen noch nie erlebt." Es sei "dem Vorstand erstaunlich lange gelungen, den Staub aus den Ecken zu kehren und auch den noch zu Liquidität zu machen".

Görg wertete die Aufstockung des Aktienanteils am Touristikkonzerns Thomas Cook in der Ära des Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff als Fehler. "Diese Übernahme von Thomas Cook hat dem Unternehmen weitere Substanz entzogen, die dann für die Sanierung der Handelsbereiche Karstadt und Primondo fehlte und bis heute fehlt. Ich bin sicher, dass die Sanierungschancen ohne das Thomas-Cook-Investment höher gewesen wären als jetzt", sagte er.

Sein Plan, die Warenhauskette Karstadt als Ganzes zu sanieren, müsse nicht das Ende der Bemühungen des Kaufhof-Betreibers Metro zur Übernahme einiger Häuser bedeuten: "Metro ist willkommen, aber nicht zum Kuscheln. Es wird keinen schnellen Verkauf einzelner Häuser geben. Wir wollen Karstadt als Ganzes abgeben, mutmaßlich in einem Bieterverfahren", erklärte Görg. Zum aktuellen Geschäft bei Karstadt sagte er: "Die Umsatzentwicklungen sind mit kleinen Einbußen stabil." Den Plan von Vorstandschef Karl-Gerhard Eick, die drei Premiumhäuser Oberpollinger, KaDeWe und das Hamburger Alsterhaus zu verkaufen, gebe es nicht mehr. "Die Top-Häuser sind attraktive Bestandteile unseres Warenhausportfolios. Und nur für Attraktives zahlen Investoren."

Quelle: AFP/rts