Wirtschaft

Eick sieht keine Chance mehrArcandor vor dem Ende

12.08.2009, 17:50 Uhr

An einer Zerschlagung des insolventen Handelskonzerns Arcandor führt offenbar kein Weg mehr vorbei. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick, der einen neuen Investor für den gesamten Konzern finden wollte, gab seine Bemühungen auf.

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Die Tage von Arcandor sind gezählt. (Foto: picture-alliance/ dpa)

"Die Chancen, einen Ankerinvestor zu finden, der die Fortführung des Konzerns ermöglicht, (sind) inzwischen als äußerst gering einzustufen", teilte der Konzern mit. Die Suche werde deshalb am Samstag eingestellt. Dann gehe es nur noch um Investoren für die Kaufhauskette Karstadt und die Versandhändler der Primondo-Gruppe um die Fürther Quelle.

Bei einem Verkauf der einzelnen Unternehmensteile dürften die Aktionäre leer ausgehen. Die im MDax notierte Arcandor-Aktie brach angesichts dessen um 14,3 Prozent auf 30 Cent ein.

Zeitgleich mit Eicks Eingeständnis beriet Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg mit dem Gläubigerausschuss über die Zukunft des Unternehmens. Über die Aussichten für Arcandor will er auf einer Pressekonferenz und einer Mitarbeiterversammlung am Donnerstag informieren. Der Vorstandschef nahm an der Ausschusssitzung nicht teil.

"Einzelverwertung" der Tochterfirmen

Karl-Gerhard-Eick-Archivbild
Vergeblicher Kampf: Karl-Gerhard Eick. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Mit dem Ende der Investorensuche dürften die Tage von Eick bei Arcandor nach nur sechs Monaten gezählt sein. Laut Unternehmenskreisen könnte er mit der für 1. September geplanten Eröffnung des Insolvenzverfahrens sein Amt aufgeben. "Eick wird den vorläufigen Insolvenzverwalter unterstützen, so lange es für das Verfahren sinnvoll ist", hatte sein Sprecher gesagt. Ein Vertrauter Eicks sagte: "Wenn man keinen Investor für den Gesamtkonzern findet, hat auch ein Vorstandschef für den Gesamtkonzern keinen Sinn mehr."

Eick hatte den mehr als 40.000 Beschäftigten nach dem Insolvenzantrag im Juni versprochen, bis Mitte August nach einem Investor suchen. Seine Chancen schwanden jedoch zusehends. Deshalb feilte Görg zugleich an dem angekündigten "Grobkonzept" für den Essener Handelskonzern, das auf eine "Einzelverwertung" der 40 Tochterfirmen hinausläuft. "Das wird kein fertiges, plausibilisiertes Sanierungskonzept sein", schraubte sein Sprecher die Erwartung herunter.

Noch kein Investor für Quelle

Vor allem bei Quelle drohen harte Einschnitte. Während der Hamburger Konkurrent Otto sich für die kleinen Primondo-Töchter interessiert und Kaufhof-Eigner Metro zumindest einen Teil der Karstadt-Warenhäuser übernehmen würde, hat sich für den traditionsreichen Universalversender Quelle, der tief in den roten Zahlen steckt, noch kein Investor offenbart.

Großaktionär Oppenheim - die Beteiligungsholding der Eigner des Bankhauses Sal. Oppenheim - hatte es von Görgs Konzept abhängig gemacht, ob er zur Sanierung frisches Geld nachschießt. Die frühere Mehrheitseigentümerin Madeleine Schickedanz hatte erklärt, sie habe nicht mehr genügend Geld, um in Arcandor zu investieren. Die wertvollste Beteiligung, ein 53-Prozent-Paket am Reisekonzern Thomas Cook, ist bereits an Banken und Anleihegläubiger verpfändet.

Quelle: wne/rts/dpa