Wirtschaft
Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández Kirchner: Ihr Name wäre mit der zweiten Staatspleite binnen 13 Jahre unweigerlich verbunden.
Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández Kirchner: Ihr Name wäre mit der zweiten Staatspleite binnen 13 Jahre unweigerlich verbunden.(Foto: picture alliance / dpa)

"Gnadenfrist" läuft ab: Argentinien steht vor erneuter Staatspleite

Fallende Anleihen- und Aktienkurse machen deutlich, dass Argentinien dem zweiten Bankrott binnen 13 Jahren immer näher rückt. Ein Mediator soll im Streit mit Hedgefonds zwar vermitteln, aber immer mehr Investoren rechnen mit einer Pleite.

Argentinien spielt auf Zeit, die das Land eigentlich gar nicht hat: Die Anleihen sind zu Wochenbeginn auf ein Fünfwochentief gefallen, während die Uhr für den möglicherweise zweiten Staatsbankrott in 13 Jahren weiter tickt. In US-Dollar denominierte Staatsanleihen mit Fälligkeit 2033 sinken auf 81,375 US-Cents bei einem Nominalwert von einem US-Dollar. Am vergangenen Donnerstag hatten Anleger für einen Nominalwert von einem Dollar noch 90 Cents am Sekundärmarkt erhalten.

Am 30. Juni sind eigentlich Zinszahlungen von 539 Millionen Dollar für zwei Schuldpapiere fällig gewesen. Damit läuft die 30-tägige "Gnadenfrist" bald aus, bevor das südamerikanische Land als "technisch zahlungsunfähig" erklärt wird.

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Thomas Griesa, Richter am zuständigen US-Bundesgericht in New York, hatte Argentinien und die betroffenen Hedgefonds in der vergangenen Woche an einen Mediator verwiesen, um in der verbleibenden Zeit eine außergerichtliche Einigung herbeizuführen. Die Hedgefonds halten noch Staatsanleihen, die Argentinien beim Bankrott 2001 nicht mehr bedienen konnte. Anders als das Gros der Schuldtitel waren sie von ihren Inhabern im späteren Umschuldungsverfahren nicht in neue Bonds getauscht worden. Nun machen ihre Besitzer, die Hedgefonds, Forderungen im Volumen von 1,6 Milliarden US-Dollar gegen Argentinien geltend.

Die wollte das Land nicht anerkennen, doch der Fall landete vor Gericht in den USA und in einem abschließenden Gerichtsurteil wurde Argentinien dazu verurteilt, die Altgläubiger nicht anders zu behandeln als die Inhaber neuer und umgeschuldeter Staatsanleihen.

Argentinische Offizielle wollen sich nun am Dienstag mit dem Mediator zusammensetzen, um eine mögliche Einigung zu verhandeln. Allerdings teilte der Mediator kurze Zeit später mit, dass er seit dem letzten Treffen nichts mehr von den argentinischen Offiziellen gehört habe.

Mehrheit rechnet mit Pleite

"Der Markt wird langsam brüchig", so Lateinamerika-Strategin Siobhan Morden von Jefferies. "Ich denke, dass es weiter abwärts gehen wird. Der Markt ist davon ausgegangen, dass es in letzter Minute eine Einigung geben wird."

Laut einer Umfrage von Jefferies unter Investoren rechnen 57 Prozent mit einem erneuten Staatsbankrott Argentiniens. Morden selbst schätzt die Wahrscheinlichkeit sogar auf 85 Prozent.

Der argentinische Benchmark-Index Merval büßte 2,9 Prozent ein und fiel damit auf den niedrigsten Stand seit einem Monat. An den vergangenen zehn Handelstagen hat er damit sein Minus bereits auf 10 Prozent ausgebaut.

Quelle: n-tv.de

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