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Dienstag, 08. August 2017

Rückkehr des Sonnenkönigs?: Asbeck will Solarworld-Werke zurückkaufen

Frank Asbeck startet einen letzten Versuch, sein Lebenswerk zu retten: Offenbar mit Hilfe aus Katar will der Solar-Pionier die beiden deutschen Werke von Solarworld aus der Insolvenz kaufen. Die Aktionäre gehen leer aus.

Solarworld-Gründer Frank Asbeck versucht zum zweiten Mal einen Neustart mit dem Bonner Solartechnik-Unternehmen. Der ehemalige Milliardär übernimmt zusammen mit finanzkräftigen Partnern zwei Fabriken der insolventen Solarworld AG in Sachsen und Thüringen. Das teilte deren Insolvenzverwalter Horst Piepenburg mit.

475 der zuletzt 1800 Arbeitsplätze sollen damit gerettet werden. Betrieben wird das Geschäft künftig von der neu gegründeten Solarworld Industries GmbH. Das Unternehmen wurde erst am 26. Juli beim Handelsregister des Amtsgerichts Bonn eingetragen. Dahinter steckt neben Asbeck laut Finanzkreisen die Qatar Foundation, die bisher mit 29 Prozent Großaktionär und einer der größten Gläubiger von Solarworld war. Nun übernimmt sie knapp die Hälfte der Anteile.

Der Investor aus Katar hatte bereits die erste Rettung des Bonner Konzerns im Jahr 2013 zusammen mit Asbeck finanziert. Die Araber wollen mit dem Schritt ihr Engagement in der deutschen Solarbranche absichern. Solarworld und Katar sind auch an dem auf die Solarbranche spezialisierten Anlagenbauer Centrotherm beteiligt. Sie hoffen nun auf Synergien.

Gläubiger sehen Asbeck skeptisch

Zur Kaufsumme machten Insolvenzverwalter Piepenburg und Solarworld keine genauen Angaben. Der Kaufpreis bestehe "im Wesentlichen in der Ablösung von Verbindlichkeiten, die mit Sicherungsrechten von Gläubigern belegt sind". Das heißt, dass Asbeck vor allem Schulden übernimmt - und für die Vermögenswerte kaum Geld bezahlen dürfte.

Es habe mehrere andere seriöse Interessenten aus aller Welt gegeben, aber Katar habe das einzige Angebot abgegeben, bei dem auch Arbeitsplätze erhalten werden sollten, sagten zwei Insider. Die übrigen Offerten zielten nur auf den Maschinen- und Anlagenpark ab. Asbeck sei im Nachhinein zu der Investorengruppe gestoßen, um den Verkauf zu beschleunigen. "Ohne Asbeck wäre daraus nichts geworden", sagte einer der Insider. Dabei stünden die Gläubiger dem Unternehmer sehr skeptisch gegenüber. Doch für Piepenburg drängte die Zeit, weil er die tief defizitäre Produktion nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens Anfang August nicht mehr lange aufrecht erhalten konnte.

Vor einigen Jahren wurde Asbeck von Politikern und Medien noch als "Sonnenkönig" gefeiert, als Wegbereiter der Energiewende. Doch zuletzt ging es bei Solarworld turbulent zu. Solarworld hatte nach sechs Verlustjahren im Mai Insolvenz angemeldet. Zuletzt wurden die Produkte sogar unter den Herstellungskosten verkauft. Die Mitarbeiter der Bonner Firmenzentrale waren schon freigestellt worden.

Aktionäre gehen leer aus

Die rund 1200 Beschäftigten in Thüringen und Sachsen, die nicht übernommen werden, werden in einer Transfergesellschaft aufgefangen, die ebenfalls von Katar und Asbeck finanziert wird. Formal muss die Übernahme der Werke in Arnstadt und Freiberg noch am Freitag auf einer außerordentlichen Gläubigerversammlung abgesegnet werden, wie Piepenburg sagte. Doch daran besteht kaum Zweifel. Denn Asbeck und Katar verzichten für die Übernahme auf die Rückzahlung von Schulden, die Solarworld bei ihnen hatte. Den übrigen Gläubigern bleibt damit mehr.

Piepenburg will noch die Solarparks und vor allem die Produktionstöchter in den USA verkaufen, die nicht insolvent sind. Der Verkaufsprozess liegt derzeit auf Eis, weil die US-Regierung zum Schutz vor Billigimporten über die Festsetzung von Mindestpreisen für Solarprodukte nachdenkt - was den heimischen Herstellern in die Hände spielen würde. Die Solarworld-Aktionäre gehen auf jeden Fall leer aus. Die Aktie wurde am Dienstag dennoch für 1,10 Euro gehandelt.

Quelle: n-tv.de

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