Wirtschaft
Athen oder die EU: Wer wird sich durchsetzen?
Athen oder die EU: Wer wird sich durchsetzen?(Foto: REUTERS)

Vorbereitungen auf Montag: Athen: Uns trennen 450 Millionen Euro

Hektisch wird um eine Lösung zwischen Athen und seinen Gläubigern gerungen. Am Abend könnten die Spitzen beider Seiten erneut miteinander telefonieren. Zugleich sendet Griechenland widersprüchliche Signale. Eindeutig ist die Reaktion an den Geldautomaten.

Athen sieht sich und seine internationalen Gläubiger letztlich nur noch durch Maßnahmen im Gegenwert von 450 Millionen Euro getrennt. Die Gläubiger machten zusätzlich Einsparungen in diesem Umfang zur Bedingung für die Auszahlung weiterer Hilfen, sagte Staatsminister Alekos Flambouraris im griechischen Fernsehsender MEGA. Derweil wollen vor dem Eurostaaten-Krisengipfel am Montag Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras einen erneuten Anlauf für eine Einigung nehmen.

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Staatsminister Flambouraris sagte, ein Gespräch der beiden Politiker sei am Abend angedacht. "Ich gehe davon aus, dass es eins geben wird. Es wurde aber bislang noch nicht veranlasst", sagte er. Er sei der Ansicht, dass man sich in dem Streit auf eine Lösung hinbewege.

Allerdings dämpfte Flambouraris die Aussicht auf einen Erfolg des Griechenland-Sondergipfels. Die Gläubiger seien nicht bereit, Athen wie gefordert eine Reduzierung des Schuldenberges zuzusichern. "Hoffentlich akzeptieren sie es, aber sie werden es nicht machen, das ist meine persönliche Ansicht", sagte Flambouraris.

Fünf Milliarden in einer Woche abgezogen

Flambouraris gilt als einer der engsten Berater des linken griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras. Sollte die Gläubiger Tsipras ultimativ auffordern, ihren Plan zu akzeptieren oder sein Land pleite gehen zu lassen, schloss Flambouraris eine Volksabstimmung über das Sparprogramm nicht aus. "Das würde ich machen", sagte er.

Ende Juni droht Griechenland die Staatspleite, wenn bis dahin keine Übereinkunft über die Auszahlung von Hilfsgeldern in Höhe von 7,2 Milliarden Euro erzielt wird. Zudem muss Athen bis zum 30. Juni 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zahlen.

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Mit Blick auf die näherrückende Frist und ohne handfeste Aussicht auf eine Einigung räumen die Griechen weiter ihre Konten. Allein am Freitag sollen sie nach übereinstimmenden Berichten der Athener Presse bis zu zwei Milliarden Euro von ihren Konten abgehoben haben. Damit seien seit Montag fünf Milliarden Euro aus dem Banksystem abgeflossen, berichtete die konservative Athener Zeitung "Kathimerini". Einen sichtbaren sogenannten Bank-Run mit langen Schlangen vor den Schaltern gab es jedoch nicht. Am Samstagmorgen herrschte nach Augenzeugenberichten reger, aber nicht unnormaler Betrieb vor den Geldautomaten.

Nach Ansicht von Flambouraris  kann sich die Europäische Zentralbank (EZB) einen Bankrott der griechischen Banken nicht leisten. Die EZB wüsste um den Dominoeffekt, den ein Zusammenbruch des Bankensystems auslösen würde. Insidern zufolge ist sich die EZB aber nicht sicher, ob die Geldhäuser am Montag öffnen können. Der EZB-Rat erhöhte deswegen die Not-Liquiditätshilfen (ELA) für die griechischen Banken. Zu Wochenbeginn will die EZB nach Reuters-Informationen erneut über den Rahmen der Nothilfen beraten.   

Presse: Großer Montag

Die griechische Presse bereitet indes das Land auf den Showdown in Brüssel vor. "Einigung oder Chaos", titelt die Athener Zeitung der politischen Mitte "Ta Nea". Regierungschef Tsipras stehe nun "mit dem Rücken zur Wand". Er habe es mit seiner Hinhaltetaktik am Ende geschafft, dass die Bürger ihre Konten plünderten. Die letzte Woche sei "eine schwarze Woche" für die griechischen Banken gewesen.

"Fieberhafte Beratungen zwei Tage vor dem Großen Montag", berichtet die Boulevardzeitung "Ethnos". Auf dem Tisch sei eine neue Verlängerung des griechischen Konsolidierungsprogramms um vier, sechs oder sogar neun Monate, meint das Blatt.

Die konservative "Kathimerini" titelt: "Hartes Ultimatum der EU". Weiter hieß es, "Einigung aufgrund der Vorschläge der Gläubiger oder Pleite" - dies sei die Botschaft der EU an Athen. Die griechischen Banken könnten nur noch deswegen Geld auszahlen, weil sie Finanzspritzen von der Europäischen Zentralbank bekämen.

"Einigung in der Verlängerung", schreibt das Wirtschaftsblatt "Agorá". Auch diese Zeitung geht von einer Verlängerung des griechischen Programms um sechs bis neun Monate aus. Dabei solle die EU (der Europäische Stabilitätsmechanismus ESM) die griechischen Schulden beim IWF übernehmen.

Das linke Blatt "Efimerída ton Syntaktón" meint, die Gläubiger würden nachgeben. "Das Geld ist viel zu viel für Europa", lautet der Tenor. Die Gläubiger versuchten ein "Panikklima" zu erzeugen. Dabei hätten sie selbst mehr Angst vor einer griechischen Pleite, weil die Folgen nicht berechnet werden könnten, meint das Blatt.

Quelle: n-tv.de

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