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Wenn nichts geschieht, dann ist der griechische Staatsbankrott in wenigen Wochen Wirklichkeit.
Wenn nichts geschieht, dann ist der griechische Staatsbankrott in wenigen Wochen Wirklichkeit.(Foto: AP)

"Schrecklich dringendes Problem": Athen ist nicht mehr lange flüssig

Griechenland laufe die Zeit davon, heißt es seit geraumer Zeit. Die Athener Regierung lächelte die Befürchtungen weg. Nun ist Finanzminister Varoufakis das Lachen vergangen. Er räumt ein, dass sich das Land finanziell nicht mehr lange über Wasser halten kann.

Das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland hat nach Angaben von Finanzminister Yanis Varoufakis nur noch "ein paar Wochen", bevor ihm die Finanzmittel ausgehen. Die Liquiditätslage Athens sei "ein schrecklich dringendes Problem", sagte der Politiker nach einem Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel. Griechenland versuche, mit den internationalen Geldgebern einen "gemeinsamen Nenner" zu finden. Dies sei "nicht einfach", in den letzten Wochen habe es aber eine "beträchtliche Annäherung" gegeben.

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Die Finanzminister der Eurozone wollen von Griechenland mehr Tempo in den Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern. In einer in Brüssel veröffentlichten Erklärung begrüßt die Eurogruppe "den Fortschritt, der bisher erreicht wurde". Gleichzeitig betonten die Ressortchefs aber, dass "mehr Zeit und Anstrengung nötig sind, um die Lücken bei den offenen Fragen zu überbrücken".

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem sagte nach dem Treffen, aus Griechenland würden nun "detailliertere Vorschläge" erwartet, damit die Institutionen auf ihrer Basis berechnen könnten, ob diese ausreichten. Dort gebe es "noch eine Menge Arbeit zu leisten". Das Hilfsprogramm der Europäer für Griechenland läuft Ende Juni aus.

Die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras verhandelt seit Monaten mit den Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über weitere finanzielle Unterstützung - insgesamt stehen noch 7,2 Milliarden Euro zur Verfügung. Dafür muss Griechenland eine mit den Institutionen der Geldgeber abgestimmte Liste mit Reformen vorlegen, was sich aber seit Wochen immer wieder verzögert.

Die Eurogruppe begrüßte "die Absicht der griechischen Regierung, ihre Arbeit mit den Institutionen zu beschleunigen", hieß es in der Erklärung. Die jüngsten Fortschritte seien möglich geworden, nachdem "der Arbeitsprozess neu organisiert und verschlankt" worden sei. Dies habe "substanziellere Gespräche" mit Athen ermöglicht. Wie es die Vereinbarung vom 20. Februar vorsehe, werde die Eurogruppe erst über die "mögliche Auszahlung von Geldern" aus dem laufenden Hilfsprogramm entscheiden, wenn die Institutionen auf Expertenebene eine Einigung erreicht hätten.

Athen überweist fristgerecht an IWF

Die Erklärung der Euro-Finanzminister sei "ein klares Zeichen, dass der Prozess fortgesetzt wird", sagte ein EU-Vertreter. "Das ist schon was." Ob dies auch der Europäischen Zentralbank (EZB) ausreiche, wisse er nicht. "Sie haben ihre eigene Art und Weise, die Dinge zu tun." Die griechische Regierung hatte sich nach Angaben aus Athen von dem Treffen unter anderem erhofft, dass die EZB die erlaubte Schwelle für kurzfristige Staatsanleihen (T-Bills) anhebt, damit Griechenland flüssig bleibt.

Trotz seiner Finanznöte leitete Athen die fristgerechte Überweisung einer Rückzahlung an den IWF über 750 Millionen Euro in die Wege. Termin für die Zahlung war der Dienstag.

Aufgrund der äußerst angespannten Finanzlage Griechenlands war befürchtet worden, dass das Land seine Schulden künftig nicht mehr begleichen könne. Die Regierung in Athen betonte jedoch stets, sie werde ihren Verpflichtungen nachkommen.

Die nächste Zahlung an den IWF steht am 5. Juni an und beträgt 302,5 Millionen Euro. Zwischen Juni und August muss Athen insgesamt 11,5 Milliarden Euro an den IWF und die EZB zurückzahlen, was ohne Hilfe von außen kaum zu stemmen sein dürfte. Zudem muss das Land Interessenten für die Erneuerung kurzfristiger Staatsanleihen über drei und sechs Monate mit einem Gesamtvolumen von 9,2 Milliarden Euro finden.

Quelle: n-tv.de

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