Wirtschaft
Plötzlich ist es absolut klar: Athen lässt den IWF an Bord.
Plötzlich ist es absolut klar: Athen lässt den IWF an Bord.(Foto: REUTERS)

Bewegung in Verhandlungen: Athen öffnet IWF die Tür

Auf dem Weg zu neuen Hilfsmilliarden gibt Athen seine Verweigerungshaltung zu einer Einbeziehung des IWF auf. Damit kommt es einer Forderung der Geldgeber nach. Derweil zeigt sich Athen zuversichtlicher, was die Wirtschaftsentwicklung betrifft.

Griechenland hat nach Angaben von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem den Widerstand gegen eine Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF) an seinem neuen Hilfsprogramm aufgegeben. Der griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos habe bestätigt, dass Athen akzeptiere, "dass der IWF Teil des Prozesses sein muss", sagte Dijsselbloem in Brüssel. Auch für Tsakalotos sei "absolut klar", dass dies Teil der Hilfsvereinbarung aus dem Sommer sei.

Die IWF-Beteiligung am dritten Hilfsprogramm für Griechenland sei für eine Reihe von Staaten "sehr wichtig", sagte Dijsselbloem vor dem Treffen der Euro-Finanzminister. Tsakalotos habe das "vollständig akzeptiert."

Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras hatte im Dezember gesagt, die finanzielle Beteiligung des IWF an dem Hilfsprogramm sei "nicht nötig". Er verwies dabei auf die Bankenrettung, die weniger kostete als erwartet. Tsipras sagte zudem, dass die Position des Fonds "nicht konstruktiv" sei, weil er von Athen zugleich "härtere Reformen" und Schuldentragfähigkeit verlange.

Griechenland will wieder wachsen

Derweil rechnet das schwer gebeutelte Land nach acht Jahren Rezession wieder mit einem Wirtschaftswachstum. Der zuständige Minister Giorgos Stathakis sagte der "Wirtschaftswoche" laut Vorabbericht: "Das Wirtschaftswachstum könnte dieses Jahr 1,5 Prozent erreichen." Damit ist er zuversichtlicher als die EU-Kommission, die dem Land im November für das Gesamtjahr 2016 einen erneuten Rückgang seiner Wirtschaftsleistung um 1,3 Prozent vorhergesagt hatte.

Allerdings hält es auch die EU-Kommission für möglich, dass das Land ab der Mitte dieses Jahres wieder wächst. Stathakis begründete seine Zuversicht damit, dass die vorübergehende Schließung der Banken und die Kapitalverkehrskontrollen im vergangenen Jahr weniger geschadet hätten als von den Geldgeber erwartet. Geholfen hätten auch der starke Tourismus, gestiegene Exporte und frische Strukturhilfen der EU.

Noch keine Einigung gibt es indes in den Gesprächen der Euro-Finanzminister über die geplante Rentenreform. "Erste Vorschläge wurden präsentiert, es bleiben noch viele Sachen zu debattieren", sagte EU-Währungskommissar Pierre Moscovici. "Die Rentenreform muss glaubwürdig sein."

Die umstrittene Reform ist der große Brocken bei der - noch nicht begonnenen - Überprüfung des Rettungsprogramms von bis zu 86 Milliarden Euro. Der Vorschlag der Athener Links-Rechts-Regierung beinhaltet Kürzungen von im Durchschnitt 15 Prozent für alle neuen Renten sowie Erhöhungen der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge. Gewerkschaften des Krisenlandes laufen gegen die Pläne Sturm. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte, die Überprüfung des Hilfsprogramms könne "ein bisschen dauern". Laut Diplomaten soll die Troika Anfang kommender nach Athen zurückkehren. Griechenland sei derzeit nicht "unter unmittelbarem Finanzbedarf", sagte der CDU-Politiker.

Griechenland hatte sich mit den internationalen Gläubigern nach schwierigen Verhandlungen im Sommer auf ein drittes Hilfsprogramm mit einem Volumen von bis zu 86 Milliarden Euro verständigt. 25 Milliarden Euro davon waren für die Rekapitalisierung der griechischen Banken reserviert. Davon werden nun aber lediglich 5,7 Milliarden Euro benötigt. Der IWF selbst hat noch nicht über die Beteiligung an dem Hilfsprogramm entschieden.

Quelle: n-tv.de

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