Wirtschaft

"Krasse Fälle": Athen überprüft hohe Bankguthaben

Wer in Griechenland mehr als 100.000 Euro auf dem Konto hat, gerät automatisch ins Visier der Finanzämter. Bei ersten Kontrollen sind Fahnder bereits auf einige Fälle gestoßen, welche die Kontoinhaber in Erklärungsnot bringen dürften.

In Griechenland müssen Besitzer von üppig gefüllten Bankkonten erklären, woher das Geld stammt.
In Griechenland müssen Besitzer von üppig gefüllten Bankkonten erklären, woher das Geld stammt.(Foto: picture alliance / dpa)

Im Kampf gegen Steuerhinterzieher überprüfen die griechischen Steuerämter einem Zeitungsbericht zufolge nun alle Griechen mit Bankguthaben von mehr als 100.000 Euro. Wer nicht erklären könne, wie er zu dem Geld gekommen sei, solle harte Strafen zahlen.

Die griechischen Banken hätten den Behörden bereits die notwendigen Daten übergeben, berichtet die Athener Sonntagszeitung "To Vima" unter Berufung auf das Finanzministerium. Nach den ersten Kontrollen seien bereits einige "krasse Fälle" aufgefallen.

Darunter sei ein Bauunternehmer, der im vergangenen Jahr lediglich ein Einkommen von 72.000 Euro versteuert habe, gleichzeitig aber über Geldeinlagen in Höhe von 280 Millionen Euro verfüge. Ein arbeitslos gemeldeter Mann, angeblich ohne Einkommen in den vergangenen Jahren, habe 2,5 Millionen Euro auf seinem Konto. Nach Angaben des Finanzministeriums soll die Summe der Geldeinlagen, die 100.000 Euro übertreffen, bei rund 43 Milliarden Euro liegen.

Eine breite Fahndung nach Steuerbetrügern könnte jedoch an Personalmangel scheitern: Bislang sind der Nachrichtenagentur dpa zufolge nur sechs Beamte an die neu eingerichtete Stelle versetzt worden, die mögliche Steuerhinterzieher unter die Lupe nehmen soll. Die Überprüfung der Daten könnte "mit dieser Besetzung bis zu 15 Jahre dauern", sagte ein hoher Funktionär des Finanzministeriums. Es müssen Schätzungen zufolge etwa 1,2 Millionen Konten überprüft werden und anschließend mit dem gemeldeten Einkommen verglichen werden. Alle Transaktionen seit dem Jahr 2000 sollen demnach geprüft werden.

Auch in anderen Fällen ist die Bilanz der griechischen Steuerfahnder bislang allenfalls durchwachsen. Eine den Finanzbehörden in Athen zugespielte Liste mit 2059 Griechen die ein Konto bei der Bank HSBC in der Schweiz unterhalten haben sollen, hat bislang kaum Geld an die Staatskassen gespült. Die sogenannte "Lagarde-Liste" mit den Namen der Inhaber der Konten war vor vier Jahren von der damaligen französischen Finanzministerin Christine Lagarde an Griechenland übergeben worden. Die Überprüfung der Liste laufe "im Schneckentempo" heißt es von Beobachtern: Nur vier Steuersünder dieser Liste hätten bislang Strafen gezahlt.

Quelle: n-tv.de

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