Wirtschaft
Charles Dallara verhandelt für die Gläubigerseite.
Charles Dallara verhandelt für die Gläubigerseite.(Foto: AP)

Prozentpoker in Griechenland: Athen vertröstet Europa

Die griechische Regierung spannt die Retter des Euro weiter auf die Folter: Erneut gehen die Verhandlungspartner im Streit um einen Schuldenschnitt ohne greifbares Ergebnis auseinander. Finanzminister Venizelos muss sich vor der Troika rechtfertigen. Die Banken glauben unterdessen nicht mehr an eine kurzfristige Einigung.

Evangelos Venizelos vertritt ein beinahe hoffnungslos verschuldetes Land.
Evangelos Venizelos vertritt ein beinahe hoffnungslos verschuldetes Land.(Foto: AP)

In Athen haben die griechische Regierung und die Vertreter der Banken ihre Gespräche über einen Schuldenschnitt erneut ergebnislos unterbrochen. Die Verhandlungen sollten fortgesetzt werden, hieß es aus Kreisen des griechischen Finanzministeriums. Ein Termin wurde nicht mitgeteilt. Eine offizielle Erklärung gab es zunächst nicht.

Anders als von der griechischen Regierung erhofft rechnen die Gläubiger nicht mehr mit einer Einigung über einen Schuldenschnitt am Wochenende. Eine Übereinkunft werde in der kommenden Woche erwartet, erklärte der Internationale Bankenverband (IIF). Man stehe aber kurz vor einem Abschluss der Verhandlungen. Die Regierung in Athen hatte eine Einigung noch am Wochenende angepeilt.

Mit ähnlichen Verlautbarungen vertrösten beide Seiten die gespannt wartende Öffentlichkeit bereits seit Tagen. Ursprünglich war eine Einigung bereits vor mehr als einer Woche vorgesehen. Die IIF-Unterhändler Charles Dallara und Jean Lemierre werden den Angaben zufolge am Sonntag das hoch verschuldete Land verlassen, weiterhin aber in Kontakt mit den griechischen Behörden bleiben. In den Verhandlungen mit dem griechischen Ministerpräsidenten Lucas Papademos und Finanzminister Evangelos Venizelos seien weitere Fortschritte erzielt worden, hieß es.

Am Vorabend hatten beide Seiten erklärt, es seien "große Fortschritte in technischen, juristischen und anderen Themen erzielt" worden. Dallara soll als Vertreter der Banken einen etwas günstigeren Zins für die neuen Anleihen vorgeschlagen haben, die die alten griechischen Staatsanleihen ersetzen sollen. Nach Informationen aus griechischen Bankquellen sei nun ein Zinssatz von 3,8 Prozent im Gespräch. Noch vor wenigen Tagen habe Dallara 4,0 Prozent im Durchschnitt vorgeschlagen. Die Zinsen sollten aber steigen, wenn die griechische Wirtschaft wieder wachse. Der Zinssatz für die neuen Papiere ist ein zentraler Streitpunkt.

Außerdem wollen die Banken durchsetzen, dass für die neuen Anleihen britisches Recht gilt. So wollen sie sich absichern, dass Griechenland eine Umschuldung künftig nicht mehr rechtlich erzwingen kann. Der angestrebte Forderungsverzicht der privaten Gläubiger soll Griechenlands Schulden um rund 100 Mrd. Euro drücken.

Der IIF verhandelt mit der Regierung in Athen seit Wochen über einen dringend benötigten Schuldenschnitt. Die Gespräche über einen Forderungsverzicht privater Hellas-Gläubiger standen bereits mehrmals vor dem Aus. Selbst wenn es zu einer Einigung mit dem Bankenverband kommt, ist der erlösende Schuldenschnitt noch nicht sicher. Der IIF vertritt früheren Angaben zufolge lediglich etwa 60 Prozent der Kreditgeber. Wenn die übrigen Gläubiger ihre Zustimmung verweigern, waren alle bisherigen Absprachen zwischen Athen und IIF vergeblich.

Venizelos muss antanzen

Am Abend wollte der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos die Vertreter der sogenannten "Troika" über den Werdegang der Verhandlungen mit den Bankenvertretern informieren, hieß es nun aus Athen. Die Experten von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) sind als beobachtende Teilnehmer an den zähen Verhandlungen der Griechen mit den Banken im Hintergrund beteiligt.

Der Druck, der auf den Verhandlungspartnern lastet, ist enorm hoch. Die Banken hantieren mit Summen, die erhebliche Auswirkungen auf ihre Bilanzen nehmen könnten. Für Griechenland geht es um das finanzielle Überleben und die Abwehr einer unmittelbar drohenden Staatspleite. Die Troika versucht, einen Zusammenbruch Griechenlands und damit eine von der Eurozone ausgehende Systemkrise in den Dimensionen der Lehman-Turbulenzen zu verhindern und das historische Großprojekt einer gemeinsamen Währungsunion unbeschadet zu retten.  

Aus dem Umfeld des griechischen Finanzministeriums waren nach dem vorläufigen Ende der Gespräche weiter optimistisch Stimmen zu vernehmen, dass die Verhandlungen über den Schuldenschnitt bald erfolgreich abgeschlossen werden könnten.

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Quelle: n-tv.de

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