Wirtschaft
Um Entspannung bemüht: Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber und EVG-Verhandlungsführerin  Rusch-Ziemba.
Um Entspannung bemüht: Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber und EVG-Verhandlungsführerin Rusch-Ziemba.(Foto: picture alliance / dpa)

Bahn-Tarifgespräche: Auch EVG hält vorerst still

Nach der Lokführergewerkschaft GDL kündigt nun auch die Konkurrenz-Gewerkschaft EVG an, bis Mitte Januar auf Streiks zu verzichten. EVG-Verhandlungsführerin Rusch-Ziemba äußert sich nach Gesprächen mit der Bahn verhalten optimistisch.

In die Bahn-Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft EVG kommt Bewegung. "Es gibt so einen verhaltenen Optimismus", sagte die Verhandlungsführerin der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Regina Rusch-Ziemba, nach Gesprächen mit der Bahn in Frankfurt am Main.

Der Arbeitgeber habe verstanden, was die Gewerkschaft unter einer sozialen Komponente verstehe. "Da kann man sagen, dass wir einen kleinen Durchbruch erzielt haben." Es gebe von der Bahn nun ein Angebot mit einem Mindestbetrag, dessen Höhe aber noch nicht ausreichend sei. Die nächste Verhandlungsrunde sei nun für den 14. Januar geplant. Bis dahin werde die Gewerkschaft nicht streiken.

Die EVG fordert sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber eine Steigerung der Gehälter um 150 Euro im Monat, was sie als soziale Komponente versteht. "Es gab kein verändertes Angebot bei den Prozentzahlen", sagte Rusch-Ziemba. Der Mindestbetrag liege zurzeit bei 50 Euro. "Da sind wir noch weit von dem entfernt, was wir als Forderung in den Raum gestellt hatten."

Weber gibt sich gelassen

Hauptstreitpunkt des lange währenden Konflikts ist allerdings weiterhin, dass die Lokführergewerkschaft GDL nicht mehr nur für die rund 20.000 Lokführer sondern auch für ihre Mitglieder unter den 17.000 Zugbegleitern oder Rangierführern eigene Verträge abschließen will. Bislang hatte die EVG für alle Bahn-Berufsgruppen außer den Lokführern Tarifpakete ausgehandelt. Sie will nun im Gegenzug auch für die Lokführer unter ihren Mitgliedern sprechen. Der Staatskonzern lehnt hingegen unterschiedliche Tarifverträge für dieselbe Beschäftigtengruppe ab.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber erwartete gute Verhandlungen. Das Tarifwerk nehme auf die EVG-Pläne Rücksicht, auch für die Lokführer verhandeln zu wollen: "Daher glaube ich nicht, dass das Paket komplett zurückkommt." Es sei aber auch zweitrangig, in welcher Reihenfolge über Strukturen und Lohnforderungen gesprochen werde. "Hauptsache ist, wir bleiben am Tisch und stehen erst wieder auf, wenn wir Ergebnisse haben", sagte Weber.

Bahn kritisiert Drohung des Beamtenbundes

In der "Süddeutschen Zeitung" drohte der GDL-Dachverband Deutscher Beamtenbund der Bahn derweil mit "einem der schlimmsten Arbeitskämpfe aller Zeiten". Das Unternehmen solle der GDL bis zum 17. Dezember ein Angebot "ohne Vorbedingungen" unterbreiten, sagte der zweite Vorsitzende des Beamtenbunds, Willi Russ.

Der Beamtenbund verwaltet die Streikkasse, aus der die Lokführer ihre Arbeitskämpfe finanzieren. Russ sagte, künftige Streiks würden nicht am Geld scheitern. Er drohte: "Im Vergleich zu dem, was uns dann bei der Bahn bevorstehen wird, war alles Bisherige nur Kinderkram."

Personalvorstand Weber reagierte gelassen: "Ich hatte spontan den Eindruck, dass der DBB-Vertreter sich im Ton vergriffen hat." Diffuse Streikandrohungen verschärften die Lage unnötig und verunsicherten die Kunden. Er werde mit der GDL wie geplant am 17. Dezember verhandeln.

Quelle: n-tv.de

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