Wirtschaft
Ob das noch ein Geschäft für die Zukunft ist? Kohlekraftwerk in Mannheim.
Ob das noch ein Geschäft für die Zukunft ist? Kohlekraftwerk in Mannheim.(Foto: imago/R. Wittek)

450 Millionen Minus: Auch EnBW rutscht tief in Verlustzone

Nach Eon und RWE legt nun auch der drittgrößte Stromversorger in Deutschland seine Zahlen für 2014 vor: Die sind ähnlich desaströs wie bei den anderen beiden. Am Ende steht ein Verlust von fast einer halben Milliarde Euro. Doch es gibt Pläne voller Optimismus.

Die Energiewende hat dem drittgrößten deutschen Versorger EnBW im vergangenen Jahr einen Verlust von fast einer halben Milliarde Euro einbrockt. Vorstandschef Frank Mastiaux, der den Energieriesen vom Atomkonzern zum Ökostromerzeuger umbaut, kündigte daraufhin ein weiteres Sparprogramm an. "Bis 2020 wollen wir noch einmal 400 Millionen Euro einsparen", sagte er am Dienstag in Karlsruhe.

Schon 2014 hatte EnBW die jährlichen Kosten um 750 Millionen Euro gesenkt. Die neue Sparrunde werde zu Stellenabbau in der Verwaltung und Energieerzeugung führen. In den kommenden drei Jahren könnten etwa 500 der insgesamt gut 20.000 Arbeitsplätze abgebaut werden, sagte Mastiaux. EnBW hatte bereits im vergangenen Jahr Strukturen gestrafft und den Vorstand verkleinert. "Bei uns wird die Treppe von oben gekehrt", machte der Manager deutlich.

Die Badener kämpfen wie Eon und RWE mit dem Preisverfall an den Strombörsen. Der Ausbau der Energiequellen Wind und Sonne macht konventionelle Kohle- und Gaskraftwerke unrentabel. Energie Baden-Württemberg (EnBW) musste daher Abschreibungen auf Kraftwerke von mehr als einer Milliarde Euro vornehmen.

700 Millionen Gewinn angepeilt

Bei einem leichten Umsatzanstieg auf 21 Milliarden Euro stand deshalb 2014 ein Fehlbetrag von 450 Millionen Euro zu Buche nach einem Gewinn von 51 Millionen Euro im Jahr davor. Konkurrent Eon hatte 2014 sogar einen Rekordverlust von 3,2 Milliarden Euro erlitten. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) sank, so wie von EnBW vorhergesagt, um 2,6 Prozent auf 2,17 Milliarden Euro.

Ob Netzausbau, Endlagersuche oder Kraftwerksstilllegungen - wegen der schleppenden politischen Entscheidungen herrsche für die Branche zu große Unsicherheit, kritisierte Mastiaux. Das erschwere mittlerweile die Personalsuche, da Ingenieure wegen des Aufschwungs schwer zu finden seien. "Wenn es Unsicherheiten gibt, kann es passieren, sie gehen morgens in die Messwarte und da ist keiner mehr."

Bis 2020 will Mastiaux die Erzeugung aus erneuerbaren Energiequellen ausbauen und visiert ein operatives Ergebnis von 700 Millionen Euro bei einem gesamten Ebitda von 2,4 Milliarden an. Doch im erhofften Wachstumsfeld erlitt der staatlich kontrollierte Versorger den größten Rückschlag: Der operative Gewinn sank um 13 Prozent auf 191 Millionen Euro. In diesem Jahr soll das Ergebnis jedoch um mehr als 20 Prozent steigen, weil ein neuer Windpark in der Ostsee voll in Betrieb geht.

Eine durchgreifende Besserung für das Gesamtgeschäft ist aber nicht in Sicht: Auch in diesem Jahr soll das operative Ergebnis bis zu fünf Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen. Doch seien keine Abschreibungen auf Kraftwerke zu erwarten, erklärte Finanzvorstand Thomas Kusterer.

Quelle: n-tv.de

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