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Chinesen lieben ausländische Marken, egal ob deutsche Autos oder US-amerikanische Technik.
Chinesen lieben ausländische Marken, egal ob deutsche Autos oder US-amerikanische Technik.(Foto: picture alliance / dpa)

Chinas "System der Unterdrückung": Ausländische Konzerne werden diffamiert

Deutsche Autos? Sind in China gefragt. US-Smartphones? Sind der Renner. US-Coffeeshops? Sind ungemein beliebt. Das ist aber auch das Problem. Seit einigen Monaten nehmen Chinas Staatsmedien Firmen aus dem Ausland ins Visier - unter fadenscheinigen Gründen. Experten erkennen darin ein System.

Apple? Arrogant! Starbucks? Zu teuer! Samsung? Schlechter Service! Eine Firma nach der anderen nehmen chinesische Staatsmedien ins Visier und urteilen sie ab. Selbst deutsche Autobauer mussten sich rechtfertigen. Das Staatsfernsehen CCTV hatte Anfang dieses Jahres Audi, BMW und Mercedes vorgeworfen, dass bei heißem Wetter gefährliche Dämpfe in den Innenraum der Autos abgesondert würden. Die deutschen Hersteller konterten damals prompt.

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Experten erkennen darin bereits ein System. "Einige ausländische Marken sind sehr stark in China. Deshalb werden sie von chinesischen Staatsmedien unterdrückt", sagt Qiao Chunyang vom China Brand Research Institut. Die Beiträge können dazu dienen, der ausländischen Konkurrenz Marktanteile abzuluchsen und das Geschäft für heimische Firmen anzukurbeln.

Der Preis des Erfolgs

Auf der einen Seite berufen sich Staatsmedien auf den Verbraucherschutz und prangern in dessen Namen Probleme an. Auf der anderen Seite scheinen für Fehler in einer gesamten Branche besonders ausländische Firmen herhalten zu müssen. Hinsichtlich einer Kampagne gegen Korruption im Gesundheitssystem warf die EU-Handelskammer Chinas Medien vergangenen Monat Diskriminierung vor. Während ausländische Firmen öffentlich für Fehler diskreditiert würden, seien zunächst keine Ermittlungen gegen chinesische Unternehmen eingeleitet worden. Dabei halten Branchenkenner Schmiergeldzahlungen für ein gängiges Problem, gleich ob bei ausländischen oder inländischen Firmen.

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Für den Unternehmensberater James Button sind die Attacken der Staatsmedien der Preis für ein florierendes Geschäft in China. "Es ist nicht ungewöhnlich, dass herausragende Unternehmen aus dem Ausland stärker im Fokus der Behörden stehen als ihre lokalen Konkurrenten", sagte Button der Hongkonger "South China Morning Post".

"Mehr ein Ergebnis als ein reines Produkt"

Konsumenten sind in China offenbar bereit, für ausländische Produkte wesentlich tiefer in die Tasche zu greifen. Bei Kosmetik, Computern oder Autos gebe es Aufschläge von bis zu 100 Prozent gegenüber dem internationalen Preis, meint Button. Bei der Kaffeekette Starbucks seien es hingegen vermutlich nur rund 20 Prozent mehr. "Chinesische Konsumenten sehen in Starbucks mehr ein Erlebnis als ein reines Produkt."

Der Angriff von Chinas Staatsfernsehen CCTV ging denn auch mächtig nach hinten los. In sozialen Netzwerken wurde der Sender selbst zur Zielscheibe von Kritik. Ein Nutzer unter dem Pseudonym "Zuoyeben" fasste in Weibo,einem der twitterähnlichen Kurzmitteilungsdiensten die Aufregung zusammen: Die Luft in China sei verpestet, die Lebensmittel nicht sicher, Wohnungen kaum bezahlbar «und CCTV regt sich nur über den Preis für Kaffee auf?».

Ob Starbucks von dem Aufschrei im Netz profitiert, ist aber zweifelhaft. In einem Statement verteidigte das Unternehmen seine Preispolitik mit den "besonderen Bedingungen des chinesischen Marktes". CCTV zufolge kostet eine Tasse Café Latte mit einer Füllmenge von durchschnittlich 354 Millilitern in einem Starbucks-Café in China 27 Yuan (3,20 Euro). Das exakt gleiche Getränk sei in internationalen Großstädten wie Chicago (rund 20 Yuan/2,40 Euro) oder London (knapp 24 Yuan/2,90 Euro) wesentlich günstiger. In Berlin liegt der Grundpreis für eine Tasse bei 2,95 Euro.

Auch wegen der Kritik an Apple hatten Chinesen im Netz CCTV angegriffen. Der US-Konzern sah sich trotzdem zum Handeln gezwungen. "Wir entschuldigen uns aufrichtig", hatte Apple-Chef Tim Cook damals selbstkritisch geschrieben.

Quelle: n-tv.de

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