Wirtschaft
Neuwagen verkaufen sich in Spanien nicht mehr so gut.
Neuwagen verkaufen sich in Spanien nicht mehr so gut.(Foto: REUTERS)

Goldene Zeiten sind vorbei: Autoabsatz bekommt Kratzer

Sinkende Absatzzahlen in Frankreich, ein Einbruch gar in Spanien - und in Griechenland wird für viele Bürger der Zweitwagen zum Luxusobjekt: Die Schuldenkrise in Europa ist auf dem Automarkt angekommen. Und der Ausblick verheißt nichts Gutes.

Nach zwei Boom-Jahren geht die Party in der Automobilindustrie zu Ende - in manchen Ländern sogar schneller als gedacht. Vor allem die drohenden Staatspleiten in Europa drücken auf die Stimmung. Denn in den Schuldenländern Südeuropas können sich viele Menschen wegen sinkender Einkommen keine Neuwagen leisten. So melden Spanien und Frankreich einen Rückgang der Neuwagenzulassungen 2011. Und auch Griechenlands Automarkt leidet.

Während Deutschland wohl der einzige Lichtblick für die Autobauer in Europa 2011 ist, ist der Absatz von Neuwagen in Frankreich im vergangenen Jahr um 2,1 Prozent gegenüber 2010 zurückgegangen. Insgesamt wurden 2,2 Millionen Neuwagen verkauft, wie der Autobauerverband (CCFA) mitteilte. Grund für die geringeren Absatzzahlen war der Wegfall der Abwrackprämie am 1. Januar 2011.

Unter dem Rückgang litten vor allem die französischen Automarken PSA Peugeot Citroën und Renault, die ein Minus von 4,9 beziehungsweise 9,6 Prozent verzeichneten. Die ausländischen Marken steigerten dagegen ihren Neuwagenverkauf. Spitzenreiter war Nissan mit einem Plus von 32,9 Prozent, gefolgt von Volkswagen mit 12,9 Prozent.

Spaniens Automarkt am Boden

Noch schlimmer traf es den spanischen Automarkt. Die Zahl der Neuzulassungen fiel im vergangenen Jahr auf 808.059. Dies waren 17,7 Prozent weniger als im Vorjahr, wie die Verbände von Autoproduzenten (ANFAC) und Autoverkäufern (GANVAM) mitteilten. Die 2011 verzeichnete Zahl der Neuzulassungen sei die niedrigste seit 1993.

Als Gründe für die negative Entwicklung nannten beide Verbände die hohe Arbeitslosenquote (21,5 Prozent), die Vertrauenskrise und die restriktive Kreditvergabe. Für das neue Jahr wird erneut mit einem Rückgang,und zwar auf weniger als 800.000 Neuzulassungen gerechnet. Die zum deutschen Volkswagen-Konzern gehörende spanische Marke Seat war 2011 mit 73.524 Neuzulassungen branchenführend. Meist verkauftes Modell war der französische Renault Megane mit 35.597 Fahrzeugen.

Zweitwagen werden zum Luxus

Ein anderes Phänomen ist in Griechenland zu beobachten. Dort meldeten bis zum Jahresende 2011 unterm Strich mehr als 250.000 Wagenbesitzer ihre Autos wegen der immer enger werdenden Finanzlage ab. Wie das Verkehrsministerium mitteilte, seien bereits 2010 170.000 Pkw abgemeldet worden. Vor den zuständigen Behörden hätten sich zum Teil lange Warteschlangen von Autobesitzern gebildet, die die Nummernschilder ihrer Autos abgeben wollten. In den meisten Fällen handelte es sich um Zweitwagen.

Wegen der harten Sparmaßnahmen müssen auch Besitzer von 15 Jahre alten Kleinwagen jährlich 120 Euro Kfz-Steuer zahlen. Inhaber von Luxusautos müssen bis zu 3000 Euro entrichten, berichtete das Staatsradio.

2012 kein gutes Jahr für Autobauer

Der Trend rückläufiger Absatzzahlen setzt sich Experten zufolge zudem 2012 fort. "Der größte Kapazitätsdruck ist in Frankreich, Italien und Spanien zu erwarten", schätzt das Car-Institut an der Uni Duisburg-Essen. Zu leiden haben darunter vor allem Hersteller wie Fiat, PSA Peugeot Citroën, Renault und Opel, die vom Absatz in Südeuropa abhängig sind.

Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer schätzt, dass in Westeuropa im nächsten Jahr 670.000 Fahrzeuge weniger losgeschlagen werden als 2011. Zwei Fabriken werden damit überflüssig, rechnet der Autoexperte vor. "2012 wird das schlechteste Verkaufsjahr für Pkw in Westeuropa seit 18 Jahren", prognostiziert Dudenhöffer.

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Quelle: n-tv.de

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