Wirtschaft
Das Gesamtbild wirft Fragen auf. Einzelne Autohersteller können sich derzeit aber noch gegen die Absatzkrise in Europa stemmen.
Das Gesamtbild wirft Fragen auf. Einzelne Autohersteller können sich derzeit aber noch gegen die Absatzkrise in Europa stemmen.(Foto: picture alliance / dpa)

Absatzzahlen wie 1996: Autobranche in der Krise

Während einzelne Hersteller - vor allem aus Deutschland - weiter starke Absatzzahlen vermelden, fährt Europas Autobranche mitten in die Krise. Die "Cars 21"-Gruppe rechnet in diesem Jahr mit Neuzulassungszahlen, die sich auf dem Niveau des Jahres 1996 bewegen: Der "Status quo" könne deshalb nicht erhalten werden.

Europas Autoindustrie steckt mitten in einer Absatzkrise. Der heimische Markt befinde sich "immer noch im Rückgang" und steuere für das Jahr 2012 auf den geringsten Absatz seit 1996 zu, hieß es in einem Berichtsentwurf der "Cars 21"-Gruppe aus Vertretern der EU-Kommission, der EU-Staaten, der Autoindustrie, von Gewerkschaften und Verbraucherorganisationen. "Der Status quo" könne "nicht aufrecht erhalten werden".

Der Bericht folgert unter anderem, dass Überkapazitäten abgebaut und neue Geschäftsmodelle entworfen werden müssen. Die Situation sei aber nicht durchgängig schlecht. Dem schwindenden Absatz in der EU stehe der Erfolg europäischer Hersteller "auf vielen Drittmärkten" gegenüber. Allerdings wird ein Gutteil der Autos von EU-Marken auch in den dortigen Ländern produziert, sorgt also nicht unmittelbar für Jobs hierzulande.

Unter den von der Gruppe diskutierten neuen Maßnahmen ist auch eine Änderung für die Abgas-Obergrenzen. Künftig könnten bei der Berechnung des gesetzlich gedeckelten Kohlendioxid-Ausstoßes von Fahrzeugen auch das "Fahrverhalten und andere Maßnahmen" einbezogen werden, hieß es weiter in dem Entwurf.

Europas Autoindustrie schützen

Gleichzeitig wehrt sich Europas Autobranche gegen zunehmende Konkurrenz aus Übersee: Die Autoindustrie sprach sich gegen eine zu starke Öffnung des europäischen Marktes für Importe aus. "Wir müssen vorsichtig sein, uns zu öffnen, wenn die wirtschaftliche Grundlage so schwach ist wie derzeit", warnte der Chef des europäischen Autoverbandes Acea, Sergio Marchionne, nach dem "Cars 21"-Treffen der Branche mit der EU-Kommission in Brüssel. Dabei habe die Industrie vor allem Japan im Auge.

Bei EU-Industriekommissar Antonio Tajani rennt der Verband damit offene Türen ein. "Es ist wichtig, unsere Unternehmen bei Handelsabkommen zu unterstützen", sagte er.

In Kommissionskreisen hieß es, Tajani wolle den Autosektor bei den Verhandlungen über Freihandelsabkommen mit Japan und Indien vor Nachteilen schützen: "Wir brauchen eine weniger naive Handelspolitik, und wir halten es nicht für eine gute Idee, die Autoindustrie zu opfern." Doch wolle Tajani keine Änderungen am Freihandelsabkommen mit Südkorea fordern. Die Autoindustrie sieht sich durch das Abkommen benachteiligt. Die Importe aus Südkorea legten seit Inkrafttreten Mitte vergangenen Jahres wegen des Wegfalls von Zöllen stark zu.

Quelle: n-tv.de

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