Wirtschaft
Autos sollen weniger CO2 ausstoßen - die Branche wehrt sich aber gegen die Zielvorgaben.
Autos sollen weniger CO2 ausstoßen - die Branche wehrt sich aber gegen die Zielvorgaben.(Foto: dpa)
Mittwoch, 08. November 2017

"Vorschlag ist sehr aggressiv": Autobranche läuft Sturm gegen EU-Pläne

Von "extremen Herausforderungen" ist die Rede, und von "aggressiven" Vorschlägen: In der Autoindustrie ist man alles andere als glücklich über die neuen Klimavorschriften der EU. Doch Kritik an den CO2-Zielwerten gibt es auch von anderer Seite.

Die geplanten schärferen Klimavorschriften in der EU stoßen bei der deutschen Autobranche auf Kritik. Der Entwurf der EU-Kommission stelle die Industrie "vor extreme Herausforderungen" und belaste die europäischen Hersteller stärker als ihre internationale Konkurrenz, teilte der Branchenverband VDA mit.

"Ob diese vorgeschlagenen CO2-Zielwerte zu erreichen sind, ist aus heutiger Sicht mehr als fraglich und hängt maßgeblich davon ab, wie schnell alternative Antriebe in den kommenden Jahren von den Kunden angenommen werden, und wie schnell die öffentliche Infrastruktur aufgebaut wird", hieß es in einer Stellungnahme weiter.

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Auch der europäische Autoverband ACEA lehnt das Reduktionsziel als zu hoch ab. Strengere CO2-Ziele könnten zwar die Industrie zu Innovationen antreiben, erklärte ACEA-Generalsekretär Erik Jonnaert. "Aber der jetzige Vorschlag ist sehr aggressiv, wenn wir die geringe und fragmentierte Marktdurchdringung mit alternativ angetriebenen Fahrzeugen heute in Betracht ziehen." Die Autobranche ist bislang lediglich bereit, den CO2-Ausstoß um weitere 20 Prozent bis 2030 zu senken - allerdings nur bei ausreichender Nachfrage nach den vielen, für das kommende Jahrzehnt geplanten neuen Elektroautos.

"Ambitionierte CO2-Grenzwerte sind wichtig für den Schutz von Umwelt und Ressourcen", teilte der ADAC mit. "Die EU-Kommission bleibt mit ihrem Verordnungsvorschlag allerdings hinter unseren Erwartungen zurück. Die technischen Möglichkeiten, um unsere Fahrzeugflotten nachhaltig emissionsarm zu machen, sind schon heute vorhanden."

Allerdings gab es auch von Umweltverbänden Kritik an den EU-Plänen. "Die EU-Kommission ist vor den Autoherstellern eingeknickt. Dieser lasche Vorschlag wird den Verkehrssektor nicht auf Klimakurs bringen", teilte der ökologisch ausgerichtete Verkehrsclub VCD mit. Der Vorschlag der EU-Kommission sei "nicht geeignet, die klimaschädlichen Emissionen im Verkehr ausreichend zu reduzieren", hieß es vom Umweltverband BUND.

Verzicht auf E-Auto-Quote

Nach dem Willen der EU-Kommission sollen Neuwagen bis 2025 im Schnitt zunächst 15 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen, bis 2030 dann 30 Prozent weniger als 2021. Sonst drohen den Autobauern deftige Strafen. Die Branche ist bislang nur zu einer Senkung um weitere 20 Prozent bereit, und das nur bei ausreichender Nachfrage nach Elektroautos. Die neuen Grenzwerte sollen der EU dabei helfen, die im Pariser Klimaabkommen festgezurrten Ziele zu erreichen.

Zudem will die Kommission bis 2030 möglichst 30 Prozent Neuwagen mit Elektro- oder anderen alternativen Antrieben auf die Straße bringen. Dafür plant sie ein Anreizsystem für Hersteller, aber keine feste Quote. Dass die Kommission keine feste Verkaufsquote festgelegt hat, begrüßte der VDA.

Das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten müssen den Plänen noch zustimmen. Die noch amtierende Bundesregierung aus Union und SPD hielt sich in einer ersten Reaktion bedeckt. Sie wolle ehrgeizige Ziele, die auch erreichbar seien, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Wie sich die künftige Bundesregierung dazu positioniert, ist offen. Denn die potentiellen Partner eines Jamaika-Bündnisses streiten in Berlin noch über die Klimapolitik.

Der umweltpolitische Sprecher der Christdemokraten im Europäischen Parlament, Peter Liese, bezeichnete den Vorschlag der EU als eine gute Grundlage. Die europäische Autoindustrie müsse sich umstellen, doch sie brauche dafür genug Zeit. Dagegen forderte der Sprecher der Grünen im EU-Parlament, Sven Giegold: "Der Schutz der Autoindustrie darf nicht über dem Schutz des Klimas stehen." Ein Emissionsrückgang um 60 Prozent wäre notwendig, um die Pariser Klimaziele zu erreichen.

Quelle: n-tv.de

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