Wirtschaft
(Foto: picture-alliance/ dpa)

Pkw-Neuzulassungen in EU steigen: Autokäufer geben Zurückhaltung auf

In den Ländern der EU sind im September wieder mehr Autos verkauft worden. Etliche Märkte verzeichnen wieder Zuwächse. Dafür können die deutschen Hersteller zulegen. Insgesamt halten Experten das Schlimmste für überstanden. Doch es geht nur langsam aufwärts.

Der gebeutelte europäische Automarkt kann etwas durchatmen. Im September haben wieder mehr Käufer den Weg in die Autohäuser gefunden. Die Neuzulassungen legten um 5,5 Prozent auf 1,19 Millionen Fahrzeuge zu, wie der Branchenverband ACEA mitteilte. Branchenexperten sehen eine beginnende Erholung. Vor allem die Krisenmärkte funkten positive Signale.

Grund zum Jubeln haben die Autobauer aber nicht. Zum einen gab es in diesem Jahr einen Verkaufstag mehr als im Vorjahr, zum anderen war der vergangene Monat trotz der gestiegenen Autoverkäufe der zweitschlechteste September in der EU-27 seit Beginn der Aufzeichnungen 2003. Die Zahlen für Kroatien, das seit dem 1. Juli dieses Jahres 28. Mitglied der Europäischen Union ist, sind in der Statistik nicht enthalten.

Vier Prozent Minus seit Januar

Insgesamt wurden von Januar bis Ende September in den 27 Staaten der EU sowie den Staaten der europäischen Freihandelszone 9,34 Millionen Fahrzeuge zugelassen - ein Minus von vier Prozent.

Allerdings sind sich Branchenexperten sicher, dass die Talsohle erreicht ist. "Die Autoverkäufe in der EU zeigen erste Signale der Besserung. Das deutet darauf hin, dass das Schlimmste hinter uns liegt", sagt Peter Fuß, Auto-Experte bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst&Young.

Ähnlich sehen das die Experten von PwC: 18 der 29 Märkte in der Region hätten im September einen Zuwachs verzeichnet, schreiben sie. Sogar zwei der am stärksten von der Krise betroffenen Märkte, Portugal und Ungarn, würden jetzt klare und konstante Erholungszeichen zeigen. Ungarn legte um mehr als ein Drittel zu, Portugal verzeichnete ein Plus von knapp 16 Prozent.

Deutschland schwächelt weiter

Einen Umschwung verzeichneten auch viele der Volumenmärkte. Mit einem Plus von 3,4 Prozent wurden gut 142.000 Autos mehr in Frankreich neu zugelassen. In Spanien belief sich das Plus sogar auf 28,5 Prozent - 45.000 Pkw wurden an die Kunden gebracht. Vor allem Großbritannien leistete wie schon in den vergangenen Monaten einen deutlichen Beitrag zu den Verkäufen. Auf der Insel legten die Neuzulassungen mit 12,1 Prozent deutlich zu.

Europas größter Absatzmarkt Deutschland musste dagegen noch ein leichtes Minus von 1,2 Prozent auf mehr als 247.000 neu zugelassene Autos verkraften. Die deutschen Hersteller konnten beim europaweiten Absatz allerdings allesamt zulegen, allen voran Daimler. Die Stuttgarter verkauften mit 68.295 Fahrzeugen 12,3 Prozent mehr Autos als im Vorjahresmonat.

Händler werteten die Zahlen als "sehr positive Randnotiz" für die Auto-Aktien. "Da alle Hersteller ihre globalen Absätze schon berichtet haben, gibt es keinen Überraschungseffekt mehr", sagt ein Händler. Lediglich ein Blick auf die einzelnen Länderdetails könne noch lohnen. Ansonsten bestätige sich das Bild einer leichten Erholung in Europa, ins Auge falle besonders die starke Erholung am spanischen Markt.

Erholung aber keine Euphorie

Der europäische Automarkt befindet sich seit fünf Jahren in der Krise, für 2013 rechnen Experten mit dem geringsten Absatz seit 20 Jahren. Die Hersteller hoffen seit Monaten inständig auf eine Erholung, doch bislang wurden erste Hoffnungsschimmer wieder zunichte gemacht. So schrumpften im Sommermonat August die Zulassungen um fünf Prozent, nachdem sie im Juli um den gleichen Prozentsatz gestiegen waren.

Für die verbleibenden drei Monate sowie das kommende Jahr bleiben die Branchenexperten vorsichtig optimistisch. "Der Rückgang der Verkäufe hat sich merklich verlangsamt und wir sehen nun erste Zeichen dafür, dass sich die Nachfrage erholt", sagt Fuß von Ernst&Young. Im vierten Quartal erwartet er in Europa deshalb stagnierende Verkäufe oder sogar ein leichtes Wachstum.

Doch noch gibt es keinen Grund für Euphorie. für 2014 erwartet Auto-Experte Fuß auf dem europäischen Automarkt "ein moderates Wachstum". Doch werde es "weiterhin künstlich erzeugt - durch hohe Rabatte und Eigenzulassungen der Händler", sagte er. Seiner Meinung nach braucht es mindestens noch zwei weitere Jahre, bevor es eine echte Erholung der Verkäufe durch Ersatzbedarf gebe.

Quelle: n-tv.de

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