Wirtschaft
Video

Eine Baustelle mehr: BES-Pleite setzt Credit Agricole hart zu

Wie die Deutsche Bank kämpft auch die Credit Agricole an mehreren Fronten: In den USA drohen Strafen und im Europa schlägt die Pleite der Banco Espirito Santo voll durch. Der Quartalsgewinn bleibt fast auf der Strecke.

Die Beteiligung an der portugiesischen Krisenbank Banco Espirito Santo hat den Gewinn der frnazösischen Großbank Credit Agricole (CA) nahezu komplett aufgezehrt. CA, die 14,6 Prozent an Espirito Santo hält, verdiente im zweiten Quartal noch 17 Millionen Euro, nach 698 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Einnahmen von Credit Agricole sanken um 6 Prozent auf 3,93 Milliarden Euro.

Espirito Santo hatte einen Rekordverlust von 3,49 Milliarden Euro im zweiten Quartal verbucht und musste vom Staat gerettet werden. Für die nach Bilanzsumme zweitgrößte Bank Frankreichs resultieren daraus Belastungen von insgesamt 708 Millionen Euro. 502 Millionen beträgt der Anteil am Verlust von Espirito.

Weitere 206 Millionen Euro musste Credit Agricole auf die Beteiligung selbst abschreiben. Die portugiesische Zentralbank hat am Sonntag angekündigt, Milliarden an Staatsgeldern in das Institut zu pumpen und es aufzuspalten.

Von einer in die nächste Krise

Credit Agricoles Abenteuer in Portugal ist ein weiterer teurer Fehlschlag für die Bank in Südeuropa, wo das Geldhaus einst große Ambitionen hatte. Nachdem sich die Franzosen mit Milliardenaufwand aus einer glücklosen Akquisition in Griechenland herauskauften und ihren Anteil an der spanischen Bankinter aufgaben, finden sie sich nun in einer neuen Krise in Portugal wieder.

Nach dem Plan der Zentralbank wird Credit Agricole mit den anderen Anteilseignern bei der Bad Bank engagiert bleiben, in die die toxischen Wertpapiere von Espirito Santo ausgelagert werden. Darunter sind auch die Kredite, die an andere Unternehmen des Espirito-Santo-Konglomerats vergeben wurden, welche diese nicht mehr zurückzahlen können. Die Bad Bank wird abgewickelt. Credit Agricole teilte mit, keine zusätzlichen Verluste im Zusammenhang mit der Beteiligung an Espirito Santo zu erwarten.

Credit-Agricole-Chef Jean-Paul Chifflet sagte, die Bank werde sich an allen juristischen Schritten beteiligen, die das neue Management von Espirito Santo gegen die ehemalige Führungsriege der portugiesischen Bank vorbringen werde. "Wir können nur verurteilen, dass wir von einer Familie getäuscht wurden, mit der Credit Agricole eine echte Partnerschaft und die größte Privatbank Portugals aufbauen wollte", sagte der Manager in einer Telefonkonferenz.

Lange verbandelt

Espírito Santo International SA, ein Firmenkonglomerat mit Sitz in Luxemburg, dessen Firmen von der Bank über Hotels bis zu Immobilien reichen, wird von der mächtigen Espírito-Santo-Familie kontrolliert. Ihr Patriarch, Ricardo Salgado, hatte die Bank jahrzehntelang geführt, bevor er im Juli abgelöst wurde. Zuvor hatte die Zentralbank Unregelmäßigkeiten in den Büchern der Bank aufgedeckt.

Die Verbindungen von Credit Agricole zu der portugiesischen Unternehmensgruppe gehen zurück auf das Jahr 1986, als sie der Espirito-Santo-Gruppe bei der Gründung des Banco Internacional de Crédito half. Mit den Jahren erhöhten die Franzosen ihre Beteiligung an dem Unternehmen, das war Teil eines größeren Expansionsplans in Südeuropa.

Credit Agricole hat aber noch andere Baustellen. Chifflet sagte, die Bank habe vor mehreren Wochen eine interne Prüfung wegen möglicher Verletzungen von US-Sanktionen abgeschlossen. "Wir steigen jetzt in die Gespräche mit den US-Behörden ein, mit denen wir von Anfang an kooperiert haben", sagte der Manager. Die Volumina der Transaktionen seien "wesentlich geringer" verglichen mit denen der großen Investmentbanken und beträfen nur den Zeitraum von 2003 bis 2008, sagte Chifflet.

Der französische Rivale BNP Paribas musste letzte Woche einen Rekordverlust von 4,3 Milliarden Euro vermelden, nachdem er fast 9 Milliarden Dollar Strafe in den USA zahlen und sich überdies noch schuldig bekennen musste, US-Sanktionen gegen Sudan, Iran und anderen Ländern verletzt zu haben. Der Gewinn der Societe Generale dagegen stieg auf 1,03 Milliarden Euro dank einer gesunkenen Risikovorsorge.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen