Wirtschaft
(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 16. Juni 2010

Es darf gewettet werden: BP als Übernahmekandidat?

Jan Gänger

BP kämpft angesichts der Ölkatastrophe vor der amerikanischen Küste ums Überleben. Einige Analysten sehen schon die Geier kreisen und halten es für denkbar, dass der taumelnde Konzern von der Konkurrenz geschluckt wird. Doch so weit ist es noch lange nicht.

BP steckt – gelinde gesagt – in großen Schwierigkeiten. Während der Aktienkurs dramatisch fällt, steigt der politische Druck massiv. Wegen der Ölkatastrophe drohen milliardenschwere Schadenersatzzahlungen – BP könnte sogar gezwungen sein, einige der wertvollsten Beteiligungen zu verkaufen, um die Rechnungen zu begleichen. Der Image-Schaden ist verheerend. Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie "Exxon" lesen? Eben. Und das Tankerunglück vor der Küste Alaskas ist immerhin schon 20 Jahre her. Nebenbei, die Ölquelle sprudelt noch immer.

Während BP also an mehreren Fronten gleichzeitig kämpft, stellt sich die Frage, ob der Konzern das Unglück überleben wird. Die Börse beurteilt die Zukunftsaussichten derzeit skeptisch: In den letzten Wochen sind die BP-Aktien um rund ein Drittel eingebrochen. Der Börsenwert schrumpfte um gut 70 Mrd. Euro – das ist die Marktkapitalisierung von Siemens. Kann also das bisher Undenkbare geschehen und BP von einem Konkurrenten geschluckt werden? Noch sprechen gewichtige Gründe dagegen.

Unkalkulierbare Risiken

Wer BP kauft, geht ein großes Risiko ein. Niemand kann vorhersagen, wie viel Geld der Konzern wegen der Katastrophe zahlen muss. Im Zuge der Finanzkrise hat sich gezeigt, dass es nicht unbedingt eine gute Idee war, taumelnde Banken zu kaufen – egal, wie groß der Marktanteil auch war. Die in den Büchern schlummernden Risiken bereiten den neuen Besitzern noch heute schlaflose Nächte. Der Sprecher von US-Präsident Barack Obama sagte, der von BP angerichtete Schaden könne "zig Milliarden Dollar, wenn nicht Hunderte betragen." Dass die US-Regierung das Geld von BP eintreiben will, steht außer Frage. Obama kleidete seine Verärgerung bereits in recht drastische Worte: Er wolle den Verantwortlichen in den Hintern treten.

Das klingt nicht nach einem guten Zeitpunkt, BP zu kaufen. Zahlreiche Analysten bezweifeln außerdem, ob es für Ölkonzerne überhaupt Sinn macht, noch größer zu werden. Doch selbst wenn das ein Konkurrent anders sieht und sogar Kartellwächter überzeugt: Er müsste gewaltige politische Widerstände überwinden, sollte er BP kaufen wollen. Großbritannien wäre wohl wenig begeistert, wenn beispielsweise Chinesen oder Russen anklopfen würden. Obwohl BP kein Staatskonzern mehr ist, hat er für die Briten eine enorme Bedeutung – und das nicht nur als Symbol. Fast die Hälfte der Aktionäre stammt aus Großbritannien, viele Pensionsfonds sind dort kräftig in die einst als krisensicher geltende BP investiert. BP sorgte in den vergangenen Jahren für 12 bis 13 Prozent der Dividende, die die im führenden Aktienindex FTSE gelisteten Unternehmen ausschütteten.

Zukunft bleibt ungewiss

Deshalb reagieren britische Politiker auf Kritik an BP mittlerweile recht dünnhäutig  - trotz der immensen Umweltschäden.  Die anti-britische Haltung der USA sei langsam ein Grund für "nationale Besorgnis", meint Londons Bürgermeister Boris Johnson. BP zahle einen "sehr, sehr hohen Preis" für den Unfall. Währenddessen wächst der amerikanische Druck auf BP stetig – der Konzern wird vermutlich seine Milliarden-Dividende für die Aktionäre im zweiten Quartal aussetzen. Das stößt nicht nur bei Investoren auf wenig Gegenliebe, die politische Einflussnahme schreckt potenzielle Käufer ab.

Zu guter Letzt muss noch jemand seine Zustimmung zum Verkauf geben: BP. Derzeit sieht es allerdings nicht so aus, dass der Konzern aufgibt. Wie es BP aber in einigen Monaten gehen wird, weiß niemand. Vielleicht hilft ein Blick auf Online-Wetten weiter: Beim irischen paddypower können Interessierte auf vieles wetten – unter anderem auch darauf, ob BP noch im Laufe des Jahres Konkurs anmelden wird. Die Quote liegt bei 1:4. Das ist nicht sonderlich hoch.

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Quelle: n-tv.de

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