Wirtschaft
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Vorstände wohl nicht in Zinsmanipulation verwickelt: Bafin entlastet Banken in Libor-Affäre

Deutsche-Bank-Chef Jain und seine Kollegen können ein wenig aufatmen: Die Finanzaufsicht hat bisher keine Anhaltspunkte, dass Top-Manager direkt in die jahrelange Manipulation der Referenzzinsen in London verwickelt waren. Noch gibt es aber kein endgültiges Ergebnis der Sonderermittlungen.

Die Vorstände deutscher Banken sind nach Erkenntnissen der Finanzaufsicht BaFin nicht in den Skandal um Zinsmanipulationen verwickelt. "Wir haben bisher keine Hinweise auf eine Art systematische Kriminalität, in die Vorstände eingebunden waren", sagte der für die Bankenaufsicht zuständige BaFin-Exekutivdirektor Raimund Röseler dem "Wall Street Journal Deutschland". "Nach unseren bisherigen Erkenntnissen handelt es sich um Handlungen einzelner Händler." Die BaFin kann eine Ablösung von Vorständen verlangen, wenn sie ihnen Verstöße nachweisen kann.

Die BaFin nimmt wegen der Manipulation von Referenzzinsen wie dem Libor mehrere deutsche Institute unter die Lupe, darunter die Deutsche Bank. Vor einem Jahr hatte die BaFin eine Sonderprüfung bei Deutschlands größtem Geldhaus eingeleitet. Sie untersucht, wer wann und wieviel von den mutmaßlichen Manipulationen wichtiger Referenzzinssätze wusste und ob es organisatorische Mängel gab.

Deutsche-Bank-Chef Jain unter Druck

Aus Finanzkreisen war bereits verlautet, dass die Aufsicht auf Fehlverhalten einzelner Händler und Kontrolldefizite hinweisen werde. Eine rote Karte müsse das Top-Management dagegen nicht fürchten. Aufatmen können die Deutsche Bank und die anderen Institute aber noch nicht. Bislang lägen erst Zwischenergebnisse vor, die Untersuchungen dauerten an, sagte Röseler. "Hier werden sicher auch noch einige Monate ins Land ziehen."

In der Affäre steht Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain unter besonderem Druck, da er jahrelang die Investmentbanksparte geleitet hat - in dem Bereich ist es zu den Manipulationen gekommen. Bei Barclays musste der frühere Investmentbank-Chef Bob Diamond seinen Hut nehmen.

Weltweit wird in dem Manipulationsskandal gegen mehr als ein Dutzend Banken ermittelt. Die Schweizer UBS, Barclays und die Royal Bank of Scotland mussten bereits Strafen von zusammen mehr als 2,5 Mrd. US-Dollar zahlen. Händler der Institute sollen über Jahre hinweg Referenzzinssätze wie den Libor oder den Euribor manipuliert haben, um Handelsgewinne einzustreichen. Die Sätze werden täglich auf Basis der Angaben der Banken zu ihren Refinanzierungskosten ermittelt. Für die Meldungen waren bei den Banken einige wenige Personen zuständig, die falsche Angaben machten, damit die Institute Handelsgewinne bei Wetten auf die Zinsentwicklung einstreichen konnten.

Quelle: n-tv.de

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