Wirtschaft

"Es wurden Fehler gemacht"Bahn-Chef ist unzufrieden

17.07.2010, 15:09 Uhr
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Zumindest die Getränkevorräte wurden schon aufgestockt. (Foto: dpa)

Das Hitzechaos bei der Bahn hat Konzernchef Grube überrascht. Es habe vorher keine Probleme gegeben, versichert Grube. Besonders unzufrieden ist der Konzernlenker mit dem Krisenmanagement einiger Mitarbeiter. Für solche Krisenfälle gebe es klare Richtlinien.

Im Zusammenhang mit dem Ausfall von Klimaanlagen in zahlreichen ICE-Zügen hat sich Bahn-Chef Rüdiger Grube unzufrieden mit dem Krisenmanagement einiger Mitarbeiter gezeigt. "Es sind anscheinend Fehler gemacht worden", sagte Grube dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". Die Staatsanwaltschaft und auch die Bahn untersuchten diese Fälle derzeit ganz genau. Die Wahrheit müsse "auf den Tisch".

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Hat jede Menge Probleme zu lösen: Bahnchef Grube. (Foto: REUTERS)

Für derartige Krisenfälle gibt es laut Grube klare Richtlinien, wie das Zugpersonal reagieren müsse. Dazu gehört demnach, den Wagen schnellstmöglich zum Stillstand zu bringen und zu versuchen, die Klimaanlage wieder in Gang zu kriegen. Falle sie total aus, müsse ein Ersatzzug organisiert werden. "Leider hat das in den bekannten Fällen ein paar Mal nicht geklappt. Hier müssen wir besser werden - keine Frage", sagte Grube. Zugleich verwahrte sich der Bahn-Chef gegen eine pauschale Verunglimpfung des Zugpersonals. "Die machen einen sehr guten Job und genießen meine volle Unterstützung." Kritik übte Grube auch an den Herstellern. Jede der bislang von der Industrie ausgelieferten Baureihen hätten "ihre Macken gehabt", sagte Grube.

Service massiv aufgestockt

Wegen der Probleme bei den Klimaanlagen wurden nach Angaben des Bahn-Chefs unter anderem die Getränkevorräte an Bord der Fernverkehrszüge massiv erhöht und zusätzliche Mitarbeiter an den Bahnhöfen und den Service Points für die Kundenbetreuung abgestellt. Zudem habe die Bahn das Technische Hilfswerk (THW) gebeten, "an zentralen Verkehrsknoten" bereit zu stehen und notfalls zu helfen.

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Verbraucherschutzministerin Aigner fordert mehr Information ein. (Foto: dpa)

Zuvor hatte unter anderem Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner gefordert, dass die Bahn ihre Probleme schnell in Griff kriegen muss. Temperaturen von mehr als 32 Grad Celsius seien nichts Ungewöhnliches, so Aigner. "Ich verlange, dass Reisende in Zügen unverzüglich über den Ausfall der Klimaanlage informiert werden. Das Personal muss für solche Situationen sensibilisiert werden, auch müssen immer ausreichend Getränke an Bord sein."

Probleme überraschen Grube

Seit vergangener Woche waren bei sommerlicher Hitze in einigen Fernzügen die Klimaanlagen komplett ausgefallen, weshalb die Waggons geräumt werden mussten. In einem drastischen Fall waren mehrere Fahrgäste kollabiert und mussten ärztlich versorgt werden. Problematisch ist die Lage vor allem in 44 älteren Zügen der ICE-2-Flotte, die nur für Temperaturen bis 32 Grad ausgelegt sind.

Nach eigenen Angaben war Grube von den Problemen mit den Klimaanlagen in den ICE-2-Zügen völlig überrascht. Vorher habe es keine Probleme mit dem Bauteil gegeben, sagte er dem "Spiegel". Weitere Ausfälle der Klimaanlagen in den betroffenen Zügen seien nicht auszuschließen: "Wenn ich sagen würde, es fällt diesen Sommer nie wieder eine Klimaanlage aus, dann würde ich lügen. Aber ich kann Ihnen versichern, dass wir Tag und Nacht arbeiten werden, um die Probleme in den Griff zu kriegen." Er sicherte zugleich Nachbesserungen zu. Die Fahrzeuge, aber auch das Netz und die elektronische Leit- und Sicherheitstechnik müssten an die veränderte Wetterlage angepasst werden, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS").

Ramsauer kritisiert Ex-Bahn-Chef

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Verkehrsminister Ramsauer sieht die Schuld für das Bahn-Chaos beim ehemaligen Management. (Foto: REUTERS)

Nach den massiven Klimaanlagen-Problemen soll in der nächsten Woche auf einem Krisengipfel nach Lösungen gesucht werden. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kommt dazu am Dienstag mit Bahnvertretern zusammen. Ramsauer macht den vor Jahren geplanten Börsengang für die Bahnmängel verantwortlich. "Der heutige Bahnvorstand um Rüdiger Grube löffelt die Suppe aus, die von der alten Unternehmensführung vor Jahren eingebrockt worden ist", sagte Ramsauer in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus".

Zuerst hätten die früheren Bundesregierungen den Weg zum Börsengang vorgegeben und bei der Bahn seien die Bilanzen "fürs Börsenparkett geschmückt" worden. Ein Sparzwang sei die Folge gewesen. Womöglich sei dabei auch zu viel Wartungspersonal abgebaut worden, vermutet der CSU-Politiker. "Dazu gibt es jedenfalls genügend Hinweise aus dem Konzern." Doch Bahnchef Grube habe das erkannt und verstärke das Personal in den Wartungsbereichen.

Ramsauer kündigte an, in der Bahnpolitik neue Weichen stellen: "Der Börsengang ist derzeit kein Thema." An erster Stelle müssten bessere Qualität, Sicherheit, Sauberkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Züge stehen.

Quelle: sla/dpa/rts/AFP