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"Wir machen kein Dumping": Bahnchef Rüdiger Grube.
"Wir machen kein Dumping": Bahnchef Rüdiger Grube.(Foto: picture alliance / dpa)

Kostenlos für alle: Bahn-Chef kündigt Wlan in Zügen an

Die Lokführerstreiks entlassen die Deutsche Bahn seit Monaten kaum aus den Schlagzeilen. Kurz vor Weihnachten bringt Rüdiger Grube nun ganz andere Themen ins Rollen. Billiger wird Bahnfahren trotz wachsender Fernbus-Konkurrenz nicht.

Die Deutsche Bahn will mit einem umfangreichen Investitionsprogramm das Reisen in ihren Fernzügen attraktiver machen. In den kommenden drei Jahren sollten zusätzlich 200 Millionen Euro ausgegeben werden, um "Service, Qualität und Pünktlichkeit im Fernverkehr zu verbessern", sagte Bahnchef Rüdiger Grube der "Süddeutschen Zeitung". Demnach will die Bahn das Geld auch in die Bordbistros investieren, wo in der Vergangenheit immer wieder Geräte ausgefallen sein sollen.

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B is 2016 will die Bahn zudem die digitale Anbindung ihrer Kunden verbessern. Grube kündigte im Gespräch mit der Zeitung kostenloses Wlan für alle Fahrgäste an. Vorher sei das leider nicht möglich. Zwar seien bis Ende dieses Jahres 231 der 255 ICE-Züge mit der dafür nötigen Technik ausgestattet. Aber "in so einem ICE können bis zu 900 Fahrgäste sitzen", gab Grube zu Bedenken.

"Mal angenommen, nur die Hälfte von denen würde Wlan nutzen - dann muss die Strecke links und rechts der Gleise so ausgestattet sein, dass sich bei Tempo 250 oder noch schneller 450 Menschen gleichzeitig aus einer Funkzelle auswählen und in die nächste einwählen können, ohne dass die Verbindung abbricht." Andernfalls würden sich die Menschen ständig über die schlechte Qualität ärgern. "Das wollen wir erst recht vermeiden."

Auf einen Preiskampf mit den meist deutlich billigeren Fernbussen will sich die Bahn ihrem Chef zufolge hingegen nicht einlassen. "Wir machen kein Dumping", sagte Grube dem Blatt. Dafür sei das System Schiene viel zu teuer geworden.

Fernbusse zahlen keine Maut

"Vom kommenden Jahr an etwa müssen wir 160 Millionen Euro an EEG-Umlage zahlen, statt früher 55 Millionen Euro", beschrieb Grube die Entwicklung aus seiner Sicht. "Außerdem zahlen wir 60 Millionen Euro für den CO2-Emissionshandel, 120 Millionen Euro Stromsteuer, um nur einige Benachteiligungen zu nennen." Gleichzeitig werde die Lkw-Maut gesenkt und Fernbusse zahlten weiterhin überhaupt keine Maut. "Von einem fairen Wettbewerb zwischen Bahn, Bus und Lkw kann da keine Rede sein."

Jüngst war bekannt geworden, dass die Verspätungen der Fernzüge bei der Deutschen Bahn in den vergangenen zehn Jahren deutlich genommen hatten. Die Bahn hatte als Gründe dafür unter anderem Unwetter und Naturkatastrophen genannt.

Projekt Stuttgart 21 "im Plan"

Im Gespräch mit der SZ ging Grube auch auf einzelne Großprojekte ein. Was die Baustelle Stuttgart 21 anbelange, laufe "alles nach Plan", sagte Grube, "sowohl zeitlich als auch bei den Kosten". Bei der Neubaustrecke liege die Bahn "derzeit sogar mit einem dreistelligen Millionenbetrag unter den von uns angenommenen Kosten".

Grube geht eigenen Angaben zufolge daher weiter davon aus, dass der neue Stuttgarter Hauptbahnhof 2021 in Betrieb genommen werden könne. Es komme aber darauf an, "dass wir eine schnelle Verständigung beim Thema Flughafenbahnhof bekommen. Denn hier drängt die Zeit."

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Quelle: n-tv.de

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