Wirtschaft
Bahnreisende müssen sich wegen eines Lokführerstreiks am Wochenende auf große Einschränkungen im Fern- und Regionalverkehr einstellen.
Bahnreisende müssen sich wegen eines Lokführerstreiks am Wochenende auf große Einschränkungen im Fern- und Regionalverkehr einstellen.(Foto: REUTERS)

Lokführerstreik am Wochenende: Bahn: GDL läuft "Amok"

Während in sieben Bundesländern die Herbstferien beginnen, wollen die Lokführer für 50 Stunden ihre Arbeit niederlegen. Die GDL will so den Druck auf die Deutsche Bahn im Tarifstreit erhöhen. Dafür hagelt es Kritik. Die deutlichsten Worte findet die Bahn.

Verspätungen, Zugausfälle, Notfahrplan: Zum Ferienbeginn in sieben Bundesländern holt die Lokführergewerkschaft GDL im Tarifstreit mit der Bahn zjm nächsten Schlag aus: Der Personenverkeht soll 50 Stunden bestreikt werden. Auch der Güterverkehr ist diesmal betroffen. Es hagelt Kritik.

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Harsche Worte fand die Deutsche Bahn: Die GDL laufe "Amok", teilte der Konzern mit. "Ohne Not" würden Millionen von Menschen die Ferien verdorben, "nur wegen Machtgelüsten". Es werde immer deutlicher, dass es nicht um die Interessen der Lokomotivführer gehe, "sondern um Allmachtsphantasien eines Funktionärs".

Die Bahn plant Ersatzfahrpläne für die beiden Streiktage. Das sagte ein Konzernsprecher. Die Details würden noch ausgearbeitet und sollten im Laufe des Tages veröffentlicht werden. Online könnten Kunden zum Teil bereits sehen, ob ihre Zugverbindung ausfällt oder nicht. Von 13.00 Uhr an werde wieder die kostenfreie Service-Telefonnummer 0800 996633 geschaltet.

50-Stunden-Streik im Personenverkehr

Die Gewerkschaft GDL hatte zuvor ihre Mitglieder zu einem Ausstand aufgerufen, der von Samstagmorgen (2.00 Uhr) bis Montagmorgen (4.00 Uhr) dauern soll. Im Güterverkehr der Deutschen Bahn soll der Streik bereits am Freitagnachmittag (15.00 Uhr) beginnen.

Die Deutsche Bahn präsentiere sich in der Öffentlichkeit als offener Gesprächspartner, wolle aber "selbst nach vier harten Streiks" immer noch nur darüber reden, "wie die GDL für andere Berufsgruppen verhandeln könnte", kritisierte der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky. Der GDL gehe es aber nicht um das Wie, sondern um das Was, sie fordere inhaltliche Verhandlungen.

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Die Gewerkschaft fordert von der Bahn fünf Prozent mehr Lohn und eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit um zwei Stunden. In dem Tarifkonflikt geht es aber vor allem um einen Machtkampf zwischen GDL und Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Sie streiten darum, wer für welche Mitarbeitergruppe die Verhandlungen führen darf. Die Bahn will konkurrierende Tarifverträge für eine Berufsgruppe vermeiden und fordert klare Zuständigkeiten.

Klare Ansage der GDL

Die GDL hatte erst am Mittwoch und Donnerstag den Bahnverkehr für 14 Stunden bestreikt - ohne dass es Bewegung bei der Bahn gegeben hat. GLD-Chef Weselsky sprach im n-tv Interview danach bereits von einem "Erzwingungsstreik".

Der neue Ausstand fällt mit dem Ferienbeginn in Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Sachsen zusammen. Außerdem enden die Ferien in Nordrhein-Westfalen und Thüringen.

"Kompromisslose" GDL

Der Fahrgastverband «Pro Bahn» ward der GDL Kompromisslosigkeit vor. Die GDL verspiele mit ihren Aktionen den Rückhalt in der Bevölkerung und bei den Fahrgästen, sagte "Pro Bahn"-Bundessprecher Gerd Aschoff. "Es werden viele Familien auf ihrer Bahnfahrt in die Herbstferien vom Streik betroffen sein."

Aschoff forderte die Lokführer auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und ohne Vorbedingungen auch über Art und Umfang einer Tarifvielfalt zu verhandeln.

DIHK warnt vor Produktionsausfällen

Die deutsche Wirtschaft warnt vor negativen Folgen durch die neuen Streiks bei der Deutschen Bahn. "Neben dem Ärgernis für Urlauber führen Streiks auch im Güterverkehr bereits nach wenigen Tagen zu Produktionsstörungen", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks. "Denn Bahntransporte können oft nicht kurzfristig auf Straßen oder Schiffe verlagert werden."

Der Anteil der Schiene im Güterverkehr liege derzeit zwar nur bei rund 16 Prozent. "In Schlüsselbranchen wie der Automobilindustrie ist die Produktionskette aber komplett auf Just-in-time-Produktion ausgerichtet." Zuliefer- und Produktionstermine seien also genau aufeinander abgestimmt.

Quelle: n-tv.de

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