Wirtschaft

Fracht-Kartellstreit: Bahn einigt sich mit drei Airlines

Die Deutsche Bahn lässt in den USA Schadenersatzklagen gegen drei Fluggesellschaften wegen eines Frachtkartells fallen. Gegen andere Airlines wird weiter prozessiert. Ein weiteres Verfahren findet auch in Köln statt.

Die Bahntochter DB Schenker leidet unter den Kartellabsprachen.
Die Bahntochter DB Schenker leidet unter den Kartellabsprachen.(Foto: picture alliance / dpa)

Im laufenden Rechtsstreit zwischen der Deutschen Bahn und mehreren Fluggesellschaften hat der Staatskonzern in den USA nun mit drei Airlines einen Vergleich erzielt. Das Verfahren gegen drei andere Gesellschaften läuft weiter.

Die Deutsche Bahn fordert in dem in New York stattfindenden Prozess Schadensersatz in Höhe von 370 Millionen Dollar. Das Kartell ist bereits 2006 aufgeflogen und die Fluggesellschaften haben sich bereits schuldig bekannt, sich bei Kerosin und Sicherheitszuschlägen in den Jahren 2000 bis 2006 abgesprochen zu haben. Die DB-Frachttochter Schenker war als zweitgrößter Luftfrachtspediteur der Welt erheblich davon betroffen.

In dem Verfahren in New York geht nur um Fracht, die aus den USA oder in die USA geliefert wurde. Vor dem Landgericht Köln läuft parallel ein weiteres Verfahren. Eine mit den Vorgängen vertraute Person sagte, die Bahn habe sich nun mit Cargolux International Airlines SA, der skandinavischen SAS and Nippon Cargo Airlines auf eine Summe von unter 100 Millionen US-Dollar geeinigt.

Die Bahn sei in der Lage, die Klagen gegen einige Airlines zurückzunehmen, sagte auch Deutsche-Bahn-Vorstandsmitglied Gerd Becht, ohne weitere Details zu nennen. Der Konzern werde seine Ansprüche gegen andere Fluggesellschaften energisch weiterverfolgen.

Bei den anderen Fluggesellschaften, die der Deutschen Bahn vor dem New Yorker Gericht weiterhin gegenüberstehen, handelt es sich folglich um Air France-KLM, All Nippon Airways und die australische Qantas Airways. Keines der drei Unternehmen reagierte auf Anfragen nach einem Kommentar. Sollte sich die Deutsche Bahn durchsetzen, könnte ihr nach US-Recht drei Mal so viel zugesprochen werden wie sie verlangt. Das wären dann trotz der nun offenbar erzielten Einigung rund 1,1 Milliarden Dollar.

Lufthansa zeigte sich selbst an

Der Prozess in New York ist nicht das einzige Verfahren. Anfang Dezember vergangenen Jahres hat die Bahn gegen zehn Fluggesellschaften, darunter Deutsche Lufthansa, British Airways und Singapore Airlines Klage beim Landgericht Köln eingereicht. Mittlerweile haben sich auch andere geschädigte Unternehmen der Klage angeschlossen. Sie fordern gemeinsam 2 Milliarden Euro Schadensersatz plus eine knappe Milliarde Euro an Zinsen. Die Ansprüche der Deutschen Bahn alleine belaufen sich auf 1,2 Milliarden Euro plus 560 Millionen Euro Zinsen.

Das Kartell bestand von 1999 bis mindestens 2006. Aufgeflogen war es, nachdem sich die Deutsche Lufthansa bei den Behörden selbst angezeigt und ihnen die entsprechenden Dokumente zur Verfügung gestellt hatte. Wegen einer Kronzeugenregelung kam die Lufthansa ohne Strafe davon, während die anderen Beteiligten nach Verfahren von EU-Kommission und US-Justizministerium Strafen von 800 Millionen Euro beziehungsweise mehr als 1,8 Milliarden US-Dollar zahlen mussten.

Davon unabhängig verlangen nun aber die von dem Kartell geschädigten Unternehmen Schadensersatz. Die Airlines hatten sich untereinander abgesprochen, von ihren Kunden Zuschläge auf den Kerosin-Preis zu erheben. Darüber hinaus hatten sich die Unternehmen nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 abgesprochen, Sicherheitsaufschläge zu erheben.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen