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Rote Scheinwerfer eines ICE: Die Zeichen bei der Bahn stehen auf Streik.
Rote Scheinwerfer eines ICE: Die Zeichen bei der Bahn stehen auf Streik.(Foto: picture alliance / dpa)

GDL-Forderungen sind "utopisch": Bahn fährt harten Streikkurs

Bahn-Reisende müssen sich ab kommender Woche wieder auf Verspätungen und Zugausfälle einstellen. Bahn-Vorstand Weber zeigt sich im Tarifkonflikt weiter hart. Die Lokführergewerkschaft will jetzt zügig bekanntgeben, was Bahnreisende erwartet.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber will auf die Forderungen der Lokführergewerkschaft trotz Streikandrohung nicht eingehen. Die GDL fordert fünf Prozent mehr Lohn, eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit um zwei auf 37 Stunden und bessere Schichtpläne. Weber bezeichnet die Forderungen in der "Bild am Sonntag" als utopisch und unerfüllbar.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber.
Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Bahn bleibe jedoch verhandlungsbereit. Weber bot an: "Wenn es nach uns geht, sitzen wir morgen am Verhandlungstisch." Sollte die GDL sich aber zu Streiks entschließen, hoffe er, dass die Gewerkschaft die Kunden davon rechtzeitig in Kenntnis setze. Die GDL-Mitglieder hatten in einer Urabstimmung mit 91 Prozent für einen Streik votiert.

Die Gewerkschaftsspitze will am Montag mitteilen, ob sie auf das jüngste Verhandlungsangebot der Bahn eingeht oder streiken lässt.

Ein zentraler Punkt des Konflikts ist der Anspruch der GDL, künftig neben den Lokführern auch Zugbegleiter und Rangierführer vertreten zu wollen. Darüber streitet sich die Lokführer-Gewerkschaft auch mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

Weber: GDL-Forderungen unerfüllbar

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Weber kritisierte im Interview den bisherigen Verlauf der  Verhandlungen. Die GDL habe "bis heute keine fünf Minuten ernsthaft verhandelt". Dabei liege das vierte Angebot der Bahn auf dem Tisch. Angesichts der scharfen Töne in dem Streit forderte er "mehr Sachlichkeit und Vernunft". Der GDL warf Weber vor, ihr gehe es vor allem um die "Mehrung von Macht und Einfluss", etwa indem sie neben der Vertretung der Lokführer nun auch Tarifverträge für die Zugbegleiter erstreiken wolle.

Die GDL fordere nicht nur fünf Prozent mehr Lohn und weniger Wochenarbeitszeit. Sie habe weitere "zwei Dutzend Forderungen - alles zusammen rund 15 Prozent", kritisierte der Bahn-Personalvorstand weiter. "Arbeitskämpfe sind in diesem Tarifkonflikt kein taugliches Mittel, sie sind überflüssig und schädlich für unsere Kunden, Mitarbeiter und das gesamte Unternehmen", mahnte er.

Nach dem klaren Urabstimmungsergebnis der GDL müssen sich die täglich über fünf Millionen Bahnkunden in der kommenden Woche auf Verspätungen und Zugausfälle einstellen. GDL-Chef Claus Weselsky hatte angekündigt, die Gewerkschaft werde über das Wochenende das neue Bahn-Angebot prüfen und am Montag mitteilen, wie es weitergehe. "Wir werden Schritt für Schritt den Druck erhöhen", kündigte er an.

Versuch, auf Zeit zu spielen

Das Management des Staatskonzerns hat zuletzt vorgeschlagen, die Tarifverhandlungen solange auszusetzen, bis die gesetzliche Grundlage über die tariflichen Kompetenzen von Groß- und Spartengewerkschaften geklärt ist.

In der Zwischenzeit sollen die Lokführer bis zur Fortsetzung von Verhandlungen eine Zulage von zwei Prozent erhalten. Die Bundesregierung plant ein Gesetz zur Tarifeinheit, wonach in einem Konzern nur der Tarifvertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern gelten soll. Kleine Fachgewerkschaften wie die GDL oder die Pilotengewerkschaft Cockpit sehen dadurch ihr Streikrecht eingeschränkt.

Quelle: n-tv.de

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