Donnerstag, 08. Juli 2010
Korruptionsverdacht erhärtet sich: Bahn feuert Manager
Die Deutsche Bahn greift im Korruptionsskandal durch und entlässt mehrere Manager. Sie sollen im Ausland kräftig Schmiergelder verteilt haben, um an Aufträge zu kommen. Derweil kommt Ex-Bahnchef Mehdorn in der Datenaffäre straffrei davon.Die Deutsche Bahn hat in einem Korruptionsfall bei ihrer Tochtergesellschaft DB International erste personelle Konsequenzen gezogen. "Wir haben uns von mehreren leitenden Mitarbeitern im mittleren Management getrennt", sagte ein Bahnsprecher der "Berliner Zeitung".
Die Mitarbeiter stünden im Verdacht, Schmiergelder an Entscheidungsträger im Ausland gezahlt zu haben, um an Aufträge zu kommen. Der Verdacht der unrechtmäßigen Zahlungen habe sich erhärtet, sagte der Bahnsprecher. Es gehe um Fälle in Algerien, Ruanda und Griechenland. Auch bei mehreren Beratern und freien Mitarbeitern seien Verträge gelöst worden.
Straffreiheit für Mehdorn
Das Volumen liege im mittleren einstelligen Millionenbereich. Die Fälle reichten bis in das Jahr 2005 zurück. Die Untersuchungen dauerten an. Voriges Jahr hatte die Bahn der Staatsanwaltschaft Frankfurt Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gegeben, auf die sie bei internen Recherchen gestoßen waren. Zugleich beauftragte der Konzern die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit einer Sonderuntersuchung bei DB International.
Anfang 2009 geriet die Deutsche Bahn wegen Massenkontrollen selbst in die Kritik. Das Unternehmen hatte die Daten eines Großteils der Mitarbeiter und deren Familienangehörigen kontrolliert, um der Korruption auf die Spur zu kommen. Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn nahm in Folge schließlich nach fast zehn Jahren an der Bahn-Spitze seinen Hut. Sein Nachfolger Rüdiger Grube richtete schließlich das Vorstandsressort Compliance, Datenschutz und Recht ein, zudem mussten mehrere Vorstandsmitglieder und Führungskräfte gehen.
Mehdorn kommt in der Datenaffäre straffrei davon. "Das Verfahren ist eingestellt worden", sagte nun der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner."Eine Straftat konnte nicht nachgewiesen worden." Die Berliner Datenschutzbehörde hatte die Bahn bereits mit einem Bußgeld von über einer Million Euro belegt, die das Unternehmen auch zahlte.
sla/dpa/rts
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