Wirtschaft
(Foto: dpa)

Gericht könnte Ausstand beenden: Bahn geht juristisch gegen GDL vor

Seit dem Morgen strapaziert ein Streik der Lokführer die Geduld vieler Reisender. Die Bahn wendet sich jetzt ans Arbeitsgericht. Die Logistikbranche warnt derweil: Spätestens am Wochenende könnte an einigen Tankstellen das Benzin knapp werden.

Die Deutsche Bahn versucht, dem massiven Streik der Lokführer-Gewerkschaft GDL juristisch Einhalt zu gebieten. Beim Arbeitsgericht Frankfurt hat die Bahn den Erlass einer einstweiligen Verfügung beantragt. Das Gericht teilte mit, um 16.30 Uhr über den Antrag mündlich zu verhandeln und anschließend eine Entscheidung zu treffen.

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In dem Antrag verweist die Bahn unter anderem auf die zentralen Feierlichkeiten in Berlin anlässlich des 25. Jahrestages des Mauerfalls. Zudem treffe der Streik zahlreiche Urlauber, die zum Ende der Herbstferien in Niedersachsen und Bremen ihre Heimreise antreten, argumentiert die Bahn.

Man nehme mit großem Unverständnis zur Kenntnis, dass die GDL das Bahn-Angebot für eine Schlichtung abgelehnt habe. "Somit bleibt die GDL bei ihrer bisherigen Linie, jedes neue Kompromissangebot kategorisch abzulehnen."

Personalvorstand Ulrich Weber sagte, die Bahn sei sich durchaus bewusst, dass die Richter in der Vergangenheit zumeist gegen die Arbeitgeber entschieden haben. "Dieses Risiko nehmen wir aber in Kauf und haben dem Gericht umfangreich dargelegt, welch zahlreiche substanzielle Angebote wir der GDL in der Vergangenheit unterbreitet haben", fügte Weber hinzu.

Auswirkungen regional unterschiedlich

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Am frühen Morgen weitete die GDL den Streik auf den Personenverkehr aus, nachdem sie bereits am Vortag mit einer Blockade des Güterverkehrs begonnen hatte. Der Ausstand soll noch bis Montagmorgen um 4.00 Uhr dauern.

Die Bahn spricht von massiven Beeinträchtigungen. Mit Ersatzfahrplänen will das Unternehmen einen Teil der Züge auf der Strecke halten. Sie warnte Reisende und Pendler aber vor Ausfällen und längeren Reisezeiten.

Je nach Region trifft der Streik die Kunden im Regionalverkehr unterschiedlich stark. In West- und Norddeutschland fahre noch etwa jeder dritte Zug, in Süddeutschland sogar 40 Prozent, im Osten dagegen nur 15 bis 30 Prozent des üblichen Angebots. Dort ist die GDL am besten organisiert.

Sprit könnte knapp werden

Die S-Bahnen in München, Nürnberg, Stuttgart und Rhein-Main bieten nach Bahn-Angaben während des Streiks noch einen Stundentakt. In Berlin und Hamburg fahren einige Linien auch alle 20 Minuten.

Auto- und Lkw-Fahrer müssen sich wegen der Ausfälle im Güterverkehr spätestens am Wochenende darauf einstellen, dass das Benzin an einigen Tankstellen knapp werden könnte - zumindest nach Einschätzung der Logistikbranche. Gunnar Gburek vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik sagte dem MDR, Raffinerien hätten Probleme, die Tankstellen zu beliefern. Gburek rechnet "spätestens Sonntag oder Montag" mit Problemen.

Bahn müht sich um Ersatzfahrpläne

Die Bahn setzt beim Streik auf Ersatzmaßnahmen: Der Betrieb laufe "ausgedünnt, aber weitgehend stabil", teilte der Staatskonzern mit, der sich nun auf beamtete Lokführer stützt, die nicht streiken dürfen. Für Donnerstag und Freitag sind die Ersatzfahrpläne bereits öffentlich. Der Plan für Samstag soll am heutigen Donnerstag um 12.00 Uhr folgen, der für Sonntag am Freitagmittag.

Die GDL will mit dem Streik im Tarifkonflikt mit der Bahn den Druck erhöhen. Sie fordert für die Beschäftigten mehr Geld, eine kürzere Arbeitszeit und will neben den Lokführern auch das übrige Zugpersonal in Verhandlungen vertreten, für das bislang aber die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG verhandelt. Die Bahn will konkurrierende Tarifverträge für einzelne Berufsgruppen verhindern.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Anton Hofreiter, ermahnte die Bundesregierung, auf die Bahn als hundertprozentiges Bundesunternehmen einzuwirken. Insbesondere der Verkehrsminister müsse dafür sorgen, "dass sich die Stimmung und das Klima in diesem Unternehmen dringend ändern", sagte Hofreiter bei n-tv. Auch die Bahn müsse ihr Verhalten ändern, da sie "geschickt Öl ins Feuer zwischen der EVG und der GDL" gieße.

Quelle: n-tv.de

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