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Hickhack der Gewerkschaften: Bahn hofft auf einheitliche Tarife

Zwei Tarifveträge ja, aber bitte mit möglichst identischem Inhalt: Diese Position nimmt die Deutsche Bahn im internen Tarifstreit ein, nachdem ein Vorstoß zu gemeinsamen Verhandlungen von GDL und EVG gescheitert ist. Am Freitag wird nun getrennt verhandelt.

Im festgefahrenen Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn gehen die beiden konkurrierenden Gewerkschaften EVG und GDL weiter getrennte Wege. Nachdem sich die drei Seiten bei einem Spitzentreffen am späten Dienstagabend nicht auf ein Verfahren für gemeinsame Verhandlungen verständigen konnten, führt die Deutsche Bahn am Freitag nicht parallel, sondern nacheinander Gespräche mit den Gewerkschaften. Dem Konzern drohen zwei Tarifverträge mit unterschiedlichen Inhalten.

Ulrich Weber (r.), Personalvorstand bei der Deutschen Bahn, hofft weiter auf eine einheitliche Regelung im Tarifstreit.
Ulrich Weber (r.), Personalvorstand bei der Deutschen Bahn, hofft weiter auf eine einheitliche Regelung im Tarifstreit.(Foto: picture alliance / dpa)

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber gibt die Hoffnung auf einen einheitlichen Tarifabschluss mit den konkurrierenden Gewerkschaften jedoch nicht auf. "Die Kunst wird darin bestehen, mit beiden Gewerkschaften darauf hinzuwirken, dass wir zu identischen Regelungen in durchaus unterschiedlichen Tarifverträgen kommen", sagte Weber. Beide Gewerkschaften hätten bei dem Spitzentreffen das Ziel des Arbeitgebers "akzeptiert", "konkurrierende Regelungen für identische Arbeitnehmergruppen zu vermeiden", sagte Weber zudem im Deutschlandfunk. Er gehe davon aus, dass beide Gewerkschaften "an diesem Ziel auf der Zeitschiene mitwirken".

Die Bahn werde beiden Gewerkschaften bis zur nächsten Verhandlungsrunde am Freitag Angebote vorlegen. Konkurrierende tarifliche Regelungen für ein und dieselbe Mitarbeitergruppe wolle der Konzern aber unbedingt vermeiden.

"Keine Basis für gemeinsame Verhandlungen"

Die beiden konkurrierenden Gewerkschaften waren am Dienstag bei der Suche nach einer Lösung der Tarif-Querelen nicht auf einen gemeinsamen Nenner gekommen: "Wir haben trotz intensiver Bemühungen keine Basis für gemeinsame Verhandlungen gefunden", erklärte der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner. Die Chance, die Spaltung der Belegschaft zu beenden, sei "am Widerstand der GDL gescheitert". Die EVG hatte beim Spitzengespräch ein Bekenntnis der GDL gegen Tarifkonkurrenz - also unterschiedliche Tarifverträge für eine Beschäftigungsgruppe - gefordert.

GDL-Chef Claus Weselsky kritisierte, dass die EVG schon vor den Verhandlungen zwingend gleiche Tarifabschlüsse verlangt habe. Während die Deutsche Bahn endlich zu inhaltlichen Gesprächen bereit sei, beharre die EVG auf Tarifeinheit. Weselsky bekräftigte, dass er weiterhin offen für parallele Verhandlungen zur gleichen Zeit am gleichen Ort sei.

EVG und GDL streiten seit Monaten darüber, welche Gewerkschaft für welche Berufsgruppen die Tarifverhandlungen führen darf. Die GDL will einen Tarifvertrag erreichen, der nicht wie bisher nur für die Lokführer gilt, sondern auch für das bei ihr organisierte Zugpersonal. Für das gelten bislang die Tarifregelungen der weitaus größeren EVG, in der auch Lokführer Mitglied sind. Nun wollen beide Gewerkschaften jeweils einen eigenen Tarifvertrag erreichen, in dem sich alle ihre Mitglieder wiederfinden.

Ursprünglich parallele Gespräche geplant

Weder Bahnchef Rüdiger Grube noch Personalvorstand Weber bezeichneten das Spitzentreffen vom Dienstagabend als gescheitert. Wäre dies der Fall gewesen, gäbe es am Freitag keine Tarifverhandlungen, sagte Grube dem "Kölner Stadt-Anzeiger" weiter. Weber sprach im Deutschlandfunk von einem "vernünftigen Ergebnis", so dass wieder Gespräche am Verhandlungstisch anstünden.

Ursprünglich wollte die Deutsche Bahn am Freitag parallele Verhandlungen mit der EVG und der GDL führen, bei denen der Arbeitgebervertreter zwischen den Gewerkschaftsdelegationen hin- und herpendeln sollte. Nun führt sie die Gespräche nacheinander und will beiden Gewerkschaften ein Angebot vorlegen.

Die EVG fordert sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber ein Plus von 150 Euro im Monat. Die GDL macht sich für fünf Prozent mehr Geld bei einer geringeren Wochenarbeitszeit stark. EVG-Chef Kirchner hatte in den vergangenen Tagen mehrfach mit Streiks gedroht, sollte die Bahn kein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen. Seine Gewerkschaft hatte bislang auf Arbeitskampfmaßnahmen verzichtet. Die GDL hat wegen des Tarifkonflikts seit Anfang September schon sechs Mal ihre Mitglieder zum Streik aufgerufen.

Quelle: n-tv.de

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