Wirtschaft
"Ersatzfahrplan" als "Antwort auf den Streik": Im Fernverkehr fallen zwei Drittel aller Verbindungen aus.
"Ersatzfahrplan" als "Antwort auf den Streik": Im Fernverkehr fallen zwei Drittel aller Verbindungen aus.(Foto: picture alliance / dpa)

Ein neuer Streik-Tag bricht an: Bahn kann GDL nicht aufhalten

Der Lokführer-Streik entfaltet seine volle Wirkung: Den zweiten Tag in Folge müssen Berufspendler, Reisende und Unternehmen mit Ersatzfahrplänen, Chaos und alternativen Transportlösungen leben. Ein Vorstoß vor Gericht ist gescheitert. Die Bahn geht in die Berufung.

Die Lokführer-Gewerkschaft (GDL) hat ihren bundesweiten Streik im Personenverkehr der Bahn den zweiten Tag in Folge fortgesetzt. Eine Sprecherin der Bahn bestätigte am frühen Freitagmorgen in Berlin, dass weiter mit massiven Beeinträchtigungen im Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr zu rechnen sei.

Im Güterverkehr begann der Ausstand bereits am Mittwochnachmittag. Der Streik soll erst nach dem Wochenende am Montagmorgen um 4.00 Uhr enden, hieß es von Seiten der GDL. Die Bahn hatte am Abend des ersten vollen Streiktags vergeblich versucht, den Ausstand per Einstweiliger Verfügung verbieten zu lassen.

Das Frankfurter Arbeitsgericht lehnte einen entsprechenden Antrag der Bahn ab. Die Bahn kündigte daraufhin an, in Berufung gehen zu wollen. Wann die neuen Verhandlungen vor der nächsthöheren Instanz beginnen können, ist noch offen.

Keine Einigung vor Gericht

Zuvor hatte das Gericht einen Vergleich vorgeschlagen, mit dem eine Schlichtung vorbereitet werden sollte. Gewerkschaft und Bahn konnten sich aber nicht auf einen gemeinsamen Wortlaut einigen. Die GDL fordert für die Beschäftigten mehr Geld, eine kürzere Arbeitszeit und will das gesamte Zugpersonal bei Verhandlungen vertreten.

Die Deutsche Bahn bemüht sich, die Auswirkungen auf den laufenden Betrieb so gering wie möglich zu halten. "Der Ersatzfahrplan der Deutschen Bahn als Antwort auf den Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokführer läuft weitgehend stabil", heißt es in einer Mitteilung des Konzerns. "Die Fahrgäste müssen sich aufgrund des Streiks zwar auf Zugausfälle, Verspätungen und damit längere Reisezeiten einstellen, aber die Bahnkunden können mit dem Ersatzplan ihre Reise verlässlich planen."

Bahn kämpft um ihr Image

Durch den Streik der GDL fallen derzeit im Fernverkehr etwa zwei Drittel aller Zugverbindungen aus. Im Regional- und S-Bahn-Verkehr beträgt die streikbedingte Ausfallquote je nach Region 60 bis 85 Prozent. Insgesamt verzeichnet die Bahn ein deutlich vermindertes Passagieraufkommen an den Bahnhöfen. "Dies zeigt, dass sich die Reisenden auf die Situation eingestellt haben."

Für den Frachtverkehr liegen derzeit noch keine Angaben vor. Branchenkenner gehen davon aus, dass zahlreiche Unternehmen, die auf eine pünktliche Lieferung angewiesen sind, bereits nach alternativen Transportwegen suchen.

Der Arbeitskampf der Lokführer bedeutet für die übrigen Mitarbeiter mitunter erhebliche Zusatzbelastungen. "Die Fahrplaner und Disponenten in den Betriebszentralen und Verkehrsleitungen sowie das eingesetzte Fahrpersonal arbeiten weiterhin mit Hochdruck daran, die Fahrgäste mit einem reduzierten, aber verlässlichen Zugangebot an ihr Ziel zu bringen", betonte die Bahn.

Quelle: n-tv.de

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