Wirtschaft

Vulkanasche belebt die SchieneBahn verdient prächtig

28.07.2010, 10:51 Uhr

Im Rückblick auf das erste Halbjahr freut sich Bahnchef Grube über "deutliche Zuwächse". Im krisengeschüttelten Güterverkehr springt die Nachfrage kräftig an. Und auch im Passagiergeschäft geht es trotz der unfreiwilligen Zug-Sauna weiter aufwärts.

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Im Wettbewerb mit Autobahn und Airports: Personenförderung mit der Deutschen Bahn. (Foto: REUTERS)

Die Deutsche Bahn hat ihren Vorsteuergewinn im ersten Halbjahr 2010 um mehr als ein Viertel gesteigert. Das Betriebsergebnis (Ebit) kletterte auf 846 Mio. Euro und damit um 26 Prozent gegenüber dem Krisenhalbjahr 2009, teilte der Konzern mit. Der Umsatz legte um 12,8 Prozent auf 16,1 Mrd. Euro zu.

Beim Reingewinn sehen die Zahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum allerdings nicht mehr ganz so kräftig aus. Unter dem Strich verdiente der Konzern von Januar bis Juni 392 Mio. Euro und damit 28,3 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2009.

Besonders der krisengeschüttelte Schienengüterverkehr konnte sich erholen. Die Transportmenge erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 40 Prozent auf 203 Mio.Tonnen. Der Umsatz der Sparte stieg um knapp 20 Prozent. Auch in den Bereichen Spedition und Logistik, bei der Luftfracht und der Seefracht ging es deutlich bergauf. Der Güterverkehr war in der Krise massiv eingebrochen.

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"Wir sind zurück auf Wachstumskurs": Rüdiger Grube. (Foto: APN)

Bei der Personenbeförderung fiel die Entwicklung unterschiedlich aus: Im Fernverkehr (IC und ICE) konnte die Bahn das Ergebnis um 40 Prozent steigern, vor allem wegen der besseren Auslastung infolge der Flugausfälle durch die Aschewolke.

Insgesamt stieg die Zahl der beförderten Personen in Zügen und Bahn-Bussen sehr leicht auf 1,36 Milliarden Passagiere. Hinter dieser beachtlichen Menge verbirgt sich ein großer Anteil an Berufs- und Wochenendpendlern sowie anderen gewohnheitsmäßigen Bahnfahrern, die bei der Zählung mehrfach erfasst werden.

Die Konkurrenz schläft nicht

Im Verkehr auf der Schiene - also ohne Bus-Reisende - sank die Zahl allerdings: Nachdem die Deutsche Bahn einige Ausschreibungen für den Betrieb von Nebenstrecken verloren hatte, stiegen zahlreiche Kunden von Regionalzügen des Konzerns auf die Angebote privater Bahndienstleister um. "Wir sind zurück auf Wachstumskurs", zeigte sich Bahnchef Rüdiger Grube dennoch zufrieden. Neben der anziehenden Konjunktur habe sich beim Ergebnis auch das Programm zur Kostensenkung ausgezahlt.

Angesichts des spürbaren Aufschwungs erwartet die Deutsche Bahn im Gesamtjahr 2010 einen Umsatz von bis zu 32 Mrd. Euro. Man werde an diese Zahl wohl herankommen, sagte Finanzvorstand Richard Lutz. Dies wäre ein Plus von rund zehn Prozent gegenüber dem Gesamtjahr 2009. Bislang hatte die Bahn einen Zuwachs von rund fünf Prozent angepeilt.

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Die ewige Baustelle: Techniker inspizieren in etwa 100 Metern Höhe die gläserne Fassade des Bahntowers, der Konzernzentrale der Deutschen Bahn. (Foto: dpa)

Im Hinblick auf die unter Beobachtern kursierenden Gerüchte sagte Bahnchef Rüdiger Grube, dass die Bahn keine Gespräche mit der russischen Staatsbahn über einen Anteilskauf führe. Russland hatte zuvor angekündigt, Teile des .

Auch wenn die Zahlen zum ersten Halbjahr aus konzernsicht zufriedenstellend ausfallen: Ausruhen kann sich das Bahn-Management keinesfalls. Nach den hitzebedingten Ausfällen der Klimaanlagen in einzelnen ICE-Zügen muss sich der Konzern mit bohrenden Fragen zur Qualitätssicherung auseinandersetzen. Und bei dem jüngsten Großprojekt, dem Ausbau einer Schnellbahntrasse zwischen Stuttgart und Ulm, schwellen unterdessen die Kosten an.

Dass die geplante Strecke um einiges teurer wird als bisher geplant, hatte der Konzern erst am Vortag bekannt gegeben. Die Bahn rechnet demnach mittlerweile mit Baukosten von 2,89 Mrd. Euro. Bisher war das Projekt auf 2,0 Mrd. Euro veranschlagt worden.

Grund seien unter anderem Mehrkosten bei den Tunnelbauten, hatte es geheißen. Kritiker hatten in den vergangenen Monaten mehrfach vor einer Kostenexplosion gewarnt. Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus sagte, das Land werde über die vereinbarten 950 Mio. Euro hinaus keine weiteren Zuschüsse für die ICE-Strecke Stuttgart-Ulm gewähren. Damit bleibt ein Großteil der Mehrkosten wohl an der Bahn hängen - wenn nicht doch noch der Bund helfend eingreift.

Zerschlagung wie einst bei der Post?

Abgesehen von den Problemen in Stuttgart drohen außerdem noch schwerwiegende Eingriffe ins Geschäft von ganz anderer Seite. Zu Beginn der Woche hatte die Monopolkommission für eine Aufspaltung der Deutschen Bahn in eine Infrastruktur- und Verkehrssparte plädiert. Grubes Vorgänger Hartmut Mehdorn hatte eine "Trennung von Rad und Schiene" bislang stets strikt abgelehnt. Mit der Spaltung wäre mehr Wettbewerb möglich, sagte der Chef des Gremiums, Justus Haucap. Eine Trennung sollte vor einer Privatisierung des Staatskonzerns erfolgen, so Haucap weiter. Danach sei es zu spät.

Die Monopolkommission berät die Bundesregierung bei Fragen der Wettbewerbspolitik und Regulierung. FDP und große Teile der Union wollen der Bahn das Schienennetz entziehen, um Konkurrenten den Zugang zum Netz ohne Diskriminierung zu ermöglichen. Eine Zerschlagung würde den Personenverkehr in Deutschland Beobachtern zufolge radikal verändern.

Quelle: AFP/rts