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Manager greift Aufsichtsrat an: Bahnchef Grube tritt zurück

Bahnchef Grube hört auf. Wie es aus Aufsichtsratskreisen heißt, tritt der Manager mit sofortiger Wirkung zurück. Grund sollen Uneinigkeiten über seine Vertragsverlängerung gewesen sein.

Bahnchef Rüdiger Grube ist überraschend zurückgetreten. Das teilt das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit. Grube habe dem Kontrollgremium vorgeworfen, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben, berichten die Deutsche Presseagentur und "Spiegel Online" unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Ihm sei zuvor eine Vertragsverlängerung um drei Jahre bis Ende 2020 zugesichert worden, er habe im Gegenzug auf eine Gehaltserhöhung und auf eine Abfindung im Falle eines vorzeitigen Abgangs verzichtet, hieß es aus dem Umfeld des Aufsichtsrats.

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In der Aufsichtsratssitzung des Staatskonzerns am Vormittag habe man ihm dann aber doch nur zwei weitere Jahre als Vorstandschef geben wollen, hieß es. Grube soll laut Insidern außer sich gewesen sein und wutentbrannt seinen Rücktritt eingereicht haben.

Grube wollte seinen Arbeitsplatz noch am Montag verlassen. Erwartet worden war hingegen, dass der Aufsichtsrat den Vertrag Grubes verlängert. Über die Frage, wie lange der Kontrakt verlängert werden würde, hatte es zuletzt immer wieder widersprüchliche Medienberichte gegeben. Auch die bei solchen Verlängerungen oft übliche Gehaltserhöhung war ungewiss.

Er griff auch selbst zum Telefon

Bei der Nachfolge will die SPD mitreden. Über die Besetzung des Postens werde in der Koalition entschieden, sagte der designierte SPD-Chef und Kanzlerkandidat Martin Schulz. Die Koordinierung der Gespräche in dem Regierungsbündnis betreibe nach wie vor Vizekanzler Sigmar Gabriel, aber in enger Abstimmung mit ihm als designierten Nachfolger für den Parteivorsitz.

Der 65-Jährige war seit 2009 Vorstandschef des bundeseigenen Konzerns mit weltweit 300.000 Angestellten und rund 40 Milliarden Euro Umsatz. Er übernahm die Führung nach der Affäre um massenhafte Ausspähung von Mitarbeiter-E-Mails unter seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn. Durch den Kauf der Auslandsverkehrstochter Arriva trieb er die internationale Ausrichtung voran.

Bei der Deutschen Bahn trat Grube mit dem Versprechen an, sich um das "Brot-und-Butter-Geschäft" zu kümmern, den Eisenbahnverkehr in Deutschland. Dabei griff der Topmanager auch schon mal selbst zum Telefon, um Kunden nach einer Beschwerde versöhnlich zu stimmen. Der Bahn-Chef zeigte sich gern als Manager, der anpackt - mit hochgekrempelten Ärmeln und oben aufgeknöpftem Hemd ohne Krawatte, wie er seit Mitte 2015 auch in den Finanzberichten zu sehen war. SMS kündigten sich auf seinem Handy mit dem Pfeifen einer Dampflok an.

"Viele spürbare Verbesserungen"

Doch richtig rund läuft es nicht immer: Das umstrittene Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 treibt Grube voran, obwohl er die damit verbundenen finanziellen Verpflichtungen für den Konzern kritisch bewertet. Im Regionalverkehr gehen Ausschreibungen an die Konkurrenz verloren. Der schlecht laufende Güterverkehr sorgt 2015 mit Abschreibungen für einen Riesenverlust von 1,3 Milliarden Euro - es ist das erste Minus seit zwölf Jahren. Der Fernverkehr leidet unter der Konkurrenz von Fernbussen und Billigfliegern sowie billigem Sprit.

Ende 2015 legt Grube, der seit anderthalb Jahren mit der Spitzenköchin Cornelia Poletto verheiratet ist, das großangelegte Programm "Zukunft Bahn" auf. Sauberere und pünktlichere Züge, Internet in der zweiten Klasse, schnellere Reparaturen von defekten Aufzügen, Bahnhofsuhren und Rolltreppen - die Maßnahmen klingen wie Selbstverständlichkeiten, doch anscheinend trägt das Programm Früchte.

Es gebe bereits "viele spürbare Verbesserungen" für die Kunden, beim Geschäftsergebnis sei die "Trendwende geschafft", betonte der Konzernchef erst vor wenigen Tagen. Und er sah den zum Jahresbeginn auf fünf Mitglieder verkleinerten Vorstand "gut für die Zukunft aufgestellt". Doch Grubes eigene Zukunft bei der Bahn sah der Aufsichtsrat offenbar schon Ende 2019 für beendet. Grube zog da lieber die Notbremse.

Quelle: n-tv.de

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