Geschädigte Lehman-AnlegerBank muss Millionenersatz leisten
Tausende Anleger haben mit Zertifikaten der Pleitebank Lehman Brothers ihr Erspartes verloren. Nach vielen bislang vergeblichen Prozessen um Schadensersatz gibt nun ein Gericht einem Ehepaar in zweiter Instanz recht. Die Bank, die den vermögenden Hannoveranern die Papiere verkauft hat, muss nun wegen falscher Beratung Millionen zahlen.
Ein Ehepaar aus Hannover ist beim Kauf von Zertifikaten der pleitegegangenen Lehman-Bank falsch beraten worden und bekommt daher 7,4 Mio. Euro Schadenersatz. Das hat das Hamburger Oberlandesgericht (OLG) entschieden und damit eine Entscheidung des Hamburger Landgerichts bestätigt. Die US-Investmentbank Lehman Brothers hatte im September 2008 Insolvenz beantragt. Die Pleite erschütterte die Finanzmärkte.
Die Bethmann Bank hatte den vermögenden Anlegern den Angaben zufolge im April 2008 vorgeschlagen, sie sollten ihre Commerzbank-Zertifikate verkaufen und dafür Lehman-Zertifikate kaufen. Das Paar besaß bereits Lehman-Papiere, im April 2008 erwarb das Geldinstitut weitere Lehman-Zertifikate im Wert von knapp 3,7 Mio. Euro.
Das Landgericht verurteilte die Bank im September 2010 zur Zahlung von Schadenersatz wegen einer Pflichtverletzung aus dem Anlageberatungsvertrag. Die Bank hätte das Paar aufklären müssen, dass es mit Lehman bergab ging, hieß es zur Begründung. Das Geldinstitut legte Berufung gegen die Entscheidung ein. Das OLG wies die Berufung im Mai dieses Jahres zurück.
Die Bank habe ihre Beratungspflichten unter anderem deshalb verletzt, weil sie den Anlegern vor dem "Tausch" der Commerzbank- in Lehman-Zertifikate ein falsches - schlechteres - Rating zur Commerzbank genannt habe, erklärte Gerichtssprecher Conrad Müller-Horn. "Um einen Vergleich der Papiere zu ermöglichen, hätten wesentliche Informationen zu beiden Zertifikaten richtig und vollständig sein müssen."
Auch die negative Presseberichterstattung über Lehman habe die Bank verschwiegen. Sie hätte aber über Risikofaktoren aufklären müssen - unabhängig davon, ob im April 2008 bereits ein konkretes Insolvenzrisiko für Lehman vorhersehbar war. Ende Juli 2008 habe das Institut das Paar nicht auf die Herabstufung des Ratings von Lehman hingewiesen - sondern habe vom Verkauf der Zertifikate abgeraten.